ZUSCHAUER TIEF GERÜHRT VON „BONNE CHANCE“

Claus Juergen Barteczko, Elke Czech und Bürgermeister Dirk Glaser erzählen aus Afrika. An der Technik RuhrkanalNEWS Redakteur Frank Strohdiek. (Foto: Holger Grosz)

Hattingen- Rund 70 Besucher haben sich am Freitag die von RuhrkanalNEWS geplante und organisierte Premiere von „bonne chance“ in der Stadtbibliothek angesehen. Unter den Gästen befanden sich die Kulturdezernentin und die ehemalige Bügermeisterin Dagmar Goch, sowie zahlreiche Künstler. Aino Laberenz, die Witwe des Künstlers Christopf Schlingensief, musste kurzfristig absagen, übermittelte aber ein Grußwort, das vorgelesen wurde.

Christoph Schlingensief 2009 (Foto: Manfred Werner (GNU-FDL and Creative Commons attribution 3.0))

Christoph Schlingensief 2009 (Foto: Manfred Werner (GNU-FDL and Creative Commons attribution 3.0))

In dem gut 30-minütigen Film wird das Leben und Lernen im Operndorf gezeigt. Das Dorf in Burkina Faso wurde vom inzwischen verstorbenen Künstler Christoph Schlingensief gegründet. Dabei handelt es sich, auch wenn der Name etwas anderes suggeriert, um eine Schule, in der Kinder aus den umliegenden Orten ausgebildet werden. Neben den klassischen Fähigkeiten – Lesen, Schreiben, Rechnen- wird dort auch Kunst, Theater und Musik unterrichtet.

Im Sommer 2015 verbrachten die beiden Hattinger Claus Juergen Barteczko und Dirk Glaser (seinerzeit noch nicht Bürgermeister Hattingens) in der Schule, um zu dokumentieren welch gute Arbeit dort geleistet wird. „Wir hatten vor Ort eine Woche Zeit, um alle Bilder einzufangen“, berichtete Claus Juergen Barteczko. „Bei gefühlten 50 Grad eine anstrengende, aber auch spannende Arbeit.“ Im Operndorf werden pro Jahrgang 50 Kinder unterrichtet, die alle in eine Klasse gehen. Dabei setzen die Lehrer darauf, dass die Kinder selbständig arbeiten und Aufgaben nicht nur nachplappern. Für das afrikanische Land eine völlig neue Herangehensweise. Dort sind Klassen mit 100 und mehr Kindern keine Seltenheit, ausschließlicher Frontalunterricht ist normal.

Weiteres Schulgebäude muss her

Nach der Uraufführung stellten sich die beiden Filmemacher Claus Juergen Barteczko und Dirk Glaser, der zwischen seinem heutigen Amt als Bürgermeister und seiner damaligen Rolle als Journalist hin und her wechselte, den Fragen des Publikums. Und dazu baten sie auch Elke Czech mit auf die Bühne. Die Architektin aus Lennestadt hatte bei der Produktion des Films in Afrika geholfen und hatte im Vorfeld den Kontakt zum Finanzier des Werkes hergestellt. Dabei handelt es sich um einen Unternehmer aus Attendorn im Sauerland.

Elke Czech erzählte von einem Förderverein, der gerade gegründet wird. „Dieser Verein möchte zunächst ein weiteres Schulgebäude für drei Klassen im Operndorf (mit-)finanzieren. Danach könnten dort sechs Jahrgänge unterrichtet werden“, so die Architektin. Das sei in Burkina Faso ungewöhnlich, oft müssten die Kinder dort nach der dritten Klasse die Schule verlassen und arbeiten gehen. Für das Schulgebäude, geplant vom renommierten Architekten Francis Kéré, werden rund 110.000 Euro benötigt, die der Verein durch Spenden sammeln möchte. Dirk Glaser, nun in der Rolle des Bürgermeisters, war von der Idee ganz angetan und äußerte seine Hoffnung, dass auch in Hattingen Mitglieder und Unterstützer  für den geplanten Verein gefunden werden. Elke Czech machte daraufhin deutlich, dass der Verein nicht nur das Operndorf fördern möchte. Man wolle vielmehr im gesamten Departement Ziniaré helfen, in dem die Schule sich befindet. Auch so etwas wie eine Ausbildungswerkstatt ist demnach denkbar.

Mittagessen wird im Operndorf gestellt

Ein Klassenraum im Operndorf (Foto: RuhrkanalNEWS)

Ein Klassenraum im Operndorf (Foto: RuhrkanalNEWS)

Die Architektin, die bereits im mehreren Ländern Entwicklungshilfe-Projekte unterstützte, machte deutlich, wie nachhaltig das Operndorf arbeitet. „Die Schülerinnen und Schüler werden in ihren Heimatdörfern ausgewählt und im Operndorf `angemeldet´ „, beschreibt die Lennestädterin das Auswahlverfahren. „Nur eine einzige Vorgabe müssen die Dörfer bei ihrer Auswahl erfüllen: sie müssen gleich viele Mädchen und Jungen schicken.“ In den umliegenden Orten hat sich inzwischen herumgesprochen, welch große Chance die Ausbildung in der Vorzeigeschule bietet. Die Schülerinnen und Schüler nehmen deshalb oft mehrstündige Fußmärsche in Kauf um morgens rechtzeitig zum Unterrichtsbeginn da zu sein. Die Eltern müssen, so wie es in Burkina Faso üblich ist, Schulgeld bezahlen. Dies sei aber vergleichsweise gering, so Elke Czech. „Außerdem gibt es ein kostenloses Mittagessen für alle Schüler, das ist in dem westafrikanischen Land völlig ungewöhnlich.“

Seit vergangenem Jahr gibt es im Operndorf auch eine Krankenstation und eine mobile Zahnarztpraxis. Dies habe die ärztliche Versorgung in der Region deutlich verbessert. Dort ist es nicht ungewöhnlich, dass schwangere Frauen mehrere Tage marschieren müssen, um in einem Krankenhaus entbinden zu können. Bisher mussten die Frauen bis zur Hauptstadt gehen um ein Krankenhaus zu erreichen. Die Krankenstation ist nun eine deutlich näherliegende Alternative, auch vor dem Hintergrund, dass die Versorgung mit Nahrung im Krankenhaus durch Verwandte erfolgen muss.

Diese Informationen, ergänzt um amüsante Anekdoten rund um die Produktion des Films „bonne chance“, sorgten für einen informativen, berührenden und auch lustigen Abend. Einige Besucher kündigten bereits an, dass sie den Förderverein unterstützen wollen, sobald die Gründungsformalitäten erledigt sind. Das wird wahrscheinlich bereits im Dezember der Fall sein, RuhrkanalNEWS wird dann darüber berichten. Bleibt nur noch die Antwort auf eine weitere, mehrfach gestellte Frage: Kann man den Film „bonne chance“ noch mal sehen? Ja, denn RuhrkanalNEWS wird ihn, sobald die Genehmigung des Finanziers vorliegt, veröffentlichen.

(Info: RuhrkanalNEWS Redakteur Claus Jürgen Barteczko ist Produzent des Films „Bonne chance“)

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