ELEKTROMOBILITÄT IN HATTINGEN – FRAGEN AN DEN BÜRGERMEISTER

Christian Hausen hat Fragen an den Bürgermeister (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen- Ganz Deutschland ist auf dem Vormarsch der Elektromobilität, doch wie sieht es damit in Hattingen aus? Ein offener Brief mit dieser Frage an Bürgermeister Dirk Glaser (parteilos) erreichte unsere Redaktion am 26. April 2024 von Kirchplatz-Bewohner Christian Hausen.

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Lieber Herr Glaser,
mein aktuelles Auto ist mittlerweile 12 Jahre alt und hat deutlich über 200.000km auf dem Tacho. Daher denke ich über die Anschaffung eines neuen Autos nach. Zu gerne würde ich mich für ein Elektro-PKW entscheiden. Aber als Anwohner der Altstadt bin ich wie viele andere die nicht im klassischen Einfamilienhaus wohnen auf öffentliche Ladesäulen angewiesen. Leider sieht es für die Elektromobilität aus Mangel an Ladesäulen in Hattingen sehr düster aus.

In ganz Deutschland ist die Elektromobilität auf dem Vormarsch. Zugegeben nicht so schnell wie das geplant war, aber doch deutlich auf dem Vormarsch. So wurden im Januar 2024 10,5% aller PKWs mit vollelektrischem Antrieb zugelassen. Das waren 23,9% mehr als im Januar des Vorjahrs. Bei Plugin-Hybriden wurde sogar ein Plus von 62,6% verzeichnet. [1]

Der Anstieg an Neuzulassungen schlägt sich auch schon deutlich im insgesamt zugelassenen PKW-Bestand nieder. Der Anteil an klassischen Verbrenner-PKW ist im Januar 2024 um 7,6% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Mittlerweile sind mit 2,3 Millionen Fahrzeugen 5,3% der PKWs entweder Plugin-Hybride oder vollelektrische Fahrzeuge. Auch bei der Ladeinfrastruktur geht es vorwärts. Durch den Rekordausbau von über 100.000 Ladepunkten hat Deutschland 2023 die 1 Millionenmarke überschritten. Für dieses Jahr ist ein noch größerer Ausbau geplant.

Leider passiert in Hattingen in Sachen Ladeinfrastruktur in den letzten Jahren sehr wenig. Mit den Stadtwerken und der AVU gibt es im Wesentlichen zwei Anbieter. Die Stadtwerke sind mit etwa 70% der Ladesäulen vorne. Von ihr kamen in den letzten vier Jahren neue Säulen nur in homöopathischen Dosen hinzu [2]:

  • 2020: zwei neue Standorte (Bruchstraße 26 und im Innenhof des Gewerbeparks in der Gasstraße)
  • 2021: ein neuer Standort (am Walzwerk Parkplatz Unicorn Park)
  • 2022: zwei neue Standorte (Feldmark 1, Uhlandstraße 41)
  • 2023: keine neuen Ladesäulen

Wir reden also von drei neuen, frei zugänglichen Ladepunkten in den letzten vier Jahren (zumindest von den Stadtwerken, von der AVU habe ich leider keine Zahlen gefunden). Im Rekord-Ausbaujahr 2023 ist in Hattingen leider gar nichts passiert. Die Grünen hatten 2022 einen Antrag zur Identifizierung von Standorten für öffentliche Ladesäulen gestellt [3]. Leider konnte ich keine weiteren Informationen finden, wie da der aktuelle Stand der Dinge ist.

Seit dem 09. Oktober2023 gibt es wohl eine Richtlinie der Stadt Hattingen über das Errichten von E-Ladesäulen [4]. Aber auch hier konnte ich nichts zu einem weiteren Ausbau finden.

Ich komme nahezu täglich an der Säule in der Augustastraße vorbei. Ich habe mir das in den letzten drei Monaten notiert und diese Säule war immer von mindestens einem Fahrzeug belegt. Von mangelnder Nachfrage kann also keine Rede sein. Bei dem aktuellen Wachstum der Elektromobilität wird es also in Hattingen für Anwohner der Altstadt oder von Mehrfamilienhäusern zunehmend schwerer freie Ladesäulen zu finden und sich damit im Sinne des Klimaschutzes an der Verkehrswende zu beteiligen.

In diesem Kontext habe ich drei Fragen an Sie:
Das Land fördert die Erstellung kommunaler Konzepte für öffentliche Ladeinfrastruktur mit bis zu 64.000 Euro [5]. Gibt es ein solches kommunales Konzept bereits für Hattingen oder ist eins in Arbeit?

  1. Wie sieht die konkrete Planung des weiteren Ausbaus von öffentlichen Ladepunkten in der näheren Zukunft aus?
  2. Um es mal mit den Worten des „Handlungskonzepts für den Ausbau der Ladeinfrastruktur Nordrhein-Westfalen“ zu sagen „Kommunen sind Schlüsselakteure bei der Planung und dem Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur“ [6]. Im Landeskonzept geht es im Wesentlichen um Ladesäulen im Straßenraum, Lade-Hubs innerorts und Lade-Hubs an Verkehrsachsen. Wie sieht da das Konzept für die weitere Zukunft der Stadt Hattingen aus?

Ich freue mich auf Ihre Antworten.

Christian Hausen, Kirchplatz

Nachweise:

[1] Fahrzeugzulassungen

[2] Mobilität der Stadtwerke Hattingen

[3] Antrag auf öffentliche Ladesäulen

[4] Stadtplanungen der Stadt Hattingen

[5] Förderprogramme

[6] Infrastruktur

3 Kommentare zu "ELEKTROMOBILITÄT IN HATTINGEN – FRAGEN AN DEN BÜRGERMEISTER"

  1. Immanuel Kant | 26. April 2024 um 17:53 |

    https://www.adac.de/news/neuzulassungen-kba/

    Irgendwie nicht so dolle? Oder ist der ADAC evtl. nicht auf Stand?

  2. Christian Hausen | 26. April 2024 um 20:24 |

    Danke für die neusten Zahlen. Kannte ich noch nicht. Die kommen ja vom Kraftfahrbundesamt und das sollte dann schon passen. Und ja, insgesamt nicht dolle.

  3. Andrea Rothenbusch | 27. April 2024 um 0:55 |

    Ich finde auch, dass noch viel Luft nach oben ist in Hattingen. Nicht nur in der Innenstadt, sondern auch an der Ruhr, wo momentan der Pa Parkplatz Isenbergstr. neu gestaltet wird, wäre ein guter Standort für Ladesäulen. Zudem wäre eine Ausweitung der Reichweite bis zu diesem Standort der ausleihbaren E-Roller/Scooter aus meiner Sicht wünschenswert.
    Dann könnten die Bewohner und Besucher des Ruhrtaldomiziles das Auto oftmals stehen lassen und mit dem Roller in die schöne Innenstadt fahren…

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