PIRAT MACHT BEUTE BEI DEN GRÜNEN

Sascha Kursawe, "grüner Pirat" (Foto: Bastian Haumann)

Hattingen- Die Hattinger Grünen haben die Kandidaten für ihre Ratsliste und die Wahlbezirke zur Kommunalwahl am 13. September gewählt. (RuhrkanalNEWS berichtete) Zwei Dinge fallen dabei besonders auf: Zum einen steht der Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat Frank Staacken auf Listenplatz 10 der Ratsliste. Zum anderen taucht auf Listenplatz 4 der Liste ein Name auf, der eigentlich mit einer anderen Partei verbunden ist. Dort steht Sascha Kursawe, Mitglied der Piratenpartei und Mitglied im aktuellen Stadtrat zusammen mit Gunnar Hartmann als Fraktion Linke-Piraten.

Sascha Kursawe zog mit den Kommunalwahlen 2014 als Pirat in den Stadtrat ein. Schnell schließt sich der Einzelkämpfer mit den Linken zusammen. Die haben damals vier Mitglieder, doch im Mai 2015 zerbricht diese Fraktion. Kursawe tritt – gemeinsam mit Gunnar Hartmann – aus der Fraktion aus. Sie gründen die Fraktion Linke-Piraten. Sie erhalten Unterstützung durch den ehemaligen Amtsrichter Wolfgang Pauli als sachkundigen Bürger und Martin Wagner, Kopf der Spaß-Partei „Die Partei“. Sascha Kursawe hält 2017 zwei Parteibücher in der Hand – das Parteibuch der Piraten und das der Spaß-Partei. Letztere gibt es übrigens immer noch. Martin Wagner meldete sich gerade erst im Januar 2020 wieder zu Wort: „Werte HattingerInnen, wie Ihr bereits den Medien entnehmen konntet, richten wir dieses Jahr ein paar Wahlen für euch aus. Als PARTEI, bei der I für basisdemokratische Initiative steht, will die PARTEI Hattingen eure Namen auf dem Wahlzettel stehen sehen! Richtig gelesen: Wähl dich selbst! Welche Bedingungen müsst ihr erfüllen? 1. HattingerIn sein. 2. Euch bei uns mit Informationen zum Wohnort in Hattingen melden. 3. Bei unserer Aufstellungsversammlung aufstellen lassen. 4. Unterschriften bei Nachbarn und Freunden sammeln. 5. Selbst wählen und wählen lassen. 6. Machtergreifung. 7. Hurra!“

Zurück zu Sascha Kursawe, der auch bei der Piratenpartei Ennepe-Ruhr als Parteimitglied namentlich auftaucht: In örtlichen Medien vom 29. Juni 2017 lässt er sich zitieren mit dem Satz „Satire ist immer gut, auch in der Politik“. Das könnte der Stadtverordnete immer noch so sehen. Seine Aufstellung bei den Grünen kann aber auch eine gut ausgedachte Beuteidee sein. Listenplatz vier ist mehr als aussichtsreich, um im neuen Stadtrat nach der Kommunalwahl vertreten zu sein – dann eben nicht mehr für die Linken-Piraten, sondern mit grünem Anstrich. In einem Gespräch mit dem Fraktionsvorsitzendem Frank Staacken macht dieser verbal und unter Wahrung der Datenschutzregeln doch deutlich, dass Kursawe mittlerweile ein grünes Parteibuch besitzen dürfte. Staacken macht auch keinen Hehl daraus, dass er sich eine öffentliche Klärung der Sache wünscht. 

Zeitlich dürfte das etwas ungünstig sein, denn der Listenplatzkandidat Kursawe segelt derzeit noch in der Fraktion Linke-Piraten. Ob die durch den Kurswechsel kentert? Kursawe selbst hat sich mit seiner Aufstellung eindeutig zum grünen Bürgermeisterkandidaten bekannt. Wird Frank Staacken nicht der nächste Bürgermeister von Hattingen, könnte sein Listenplatz zehn für den Einzug in den Rat knapp werden – aktuell sind die Grünen mit sechs Mandatsträgern bei rund 12 Prozent im Stadtrat vertreten. Dazu erklärt Frank Staacken nach über dreißig Jahren Fraktionsarbeit: „Ich habe bereits vor vier Jahren gesagt, es ist an der Zeit für eine Erneuerung der Fraktion. Damit verbunden habe ich, dass ich für einen Nachrückerplatz zur Verfügung stehe, aber nicht mehr auf den vorderen Plätzen antrete. Das setze ich jetzt um.“ 

Inhaltlich hat Staacken mit Sascha Kursawe als Vertreter von linken Überzeugungen kein großes Problem. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir uns in der Hattinger Politik mit den Linken-Piraten inhaltlich durchaus nahe sind. Ein aktuelles Beispiel ist die Diskussion um den Standort der Realschule Grünstraße. Die Grünen waren von Anfang an für den Verbleib am alten Standort. Die Linken-Piraten haben uns dann später unterstützt. Schön, dass jetzt auch die SPD darauf einschwenkt.“

Spannend dürfte sich die Frage entwickeln, ob grüne Wähler mit der Piraten-Kandidatur ein Problem haben. Weil sie die inhaltliche Nähe möglicherweise anders bewerten.

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