DIE BAHÁ’Í FEIERN EIN NEUES JAHR

Hattingen- Am 20./21. März beginnt für die Bahá’í weltweit mit dem Naw-Rúz-Fest ein neues Jahr. Auch die Bahá’í in Hattingen feiern den Beginn des Jahres 173 der Bahá’ì-Zeitrechnung mit einem Fest am 20.03.2016, beginnend um 15:00 Uhr mit einer Andacht im Ev. Gemeindezentrum Winz-Baak. In Anschluss daran findet ein geselliges Beisammensein mit einem Kuchenbuffet statt.
Der Bahá’i-Kalender geht auf das Jahr 1844 zurück, als die junge Offenbarungsreligion im damaligen Persien
gestiftet wurde. Die internationale Bahá’í-Gemeinde repräsentiert Menschen aller Nationen und Kulturen; sie bilden einen Querschnitt der Menschheit aus über 2.000 Ethnien (Völkern) und mehr als 200 Ländern. Der Glaube an die Einheit der Menschheit regt sie zu zahlreichen Aktivitäten an, deren Ziel es ist, Vorurteile zu überwinden und die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Die Arbeit der Bahá’í bezieht ihre Inspiration aus den Schriften Bahá’u’lláhs (1817-1892), des Stifters der Bahá’í-Religion. Im Mittelpunkt steht dabei die Lehre von der Einheit der Menschheit in all ihrer Vielfalt und die Überzeugung, dass „die Völker der Welt, welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle“ Naw-Rúz bedeutet „Neuer Tag“ und weist auf den neuen Impuls hin, der heilsgeschichtlich vom Kommen der Religion Bahá’u’lláhs ausgeht. Das Fest fällt mit der Tagundnachtgleiche zusammen, dem Zeitpunkt, an dem für alle Orte der Erde Tag und Nacht gleich lang sind. Auf der nördlichen Halbkugel geht dies mit dem Beginn des Frühlings einher. So wie sich in der Natur nach dem Winter neues Leben regt, soll sich auch der Mensch geistig erneuern und stärken, um mit frischer Kraft für das Wohl seiner Mitmenschen und der Gesellschaft zu wirken.

Weltweit rund fünf Millionen Anhänger

Der Lotustempel in Neu-Delhi ist der meistbesuchte Sakralbau der Bahá’ì (Foto: Wikipedia)

Der Lotustempel in Neu-Delhi ist der meistbesuchte Sakralbau der Bahá’ì (Foto: Wikipedia)

Diese innere Besinnung hat die neunzehntägige Fastenzeit zum Ziel, die dem Naw-Rúz-Fest vorangeht. Vom 1. bis 19. März enthalten sich die Bahá’í zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang jeglicher Nahrung. Das körperliche Fasten ist dabei nur ein Symbol für die Loslösung von materiellen Dingen und die Befreiung von Abhängigkeiten. Es soll das Bewusstsein für die geistig-spirituelle Ausrichtung des Lebens schärfen und dient nicht zuletzt der Vorbereitung auf das neue Jahr.
In Deutschland besteht die Bahá’í-Gemeinde seit 1905, als der erste Bahá’í, ein deutschstämmiger Amerikaner nach Deutschland kam. Schon bald entstand eine lebendige Gemeinde, ausgehend vom Raum Stuttgart. Einen Rückschlag bedeuteten der zweite Weltkrieg und das durch einen Sondererlass Himmlers verfügte Verbot der Bahá’í, das auf den im Bahá’í-Glauben verankerten Gedanken der Völkerverständigung zurückzuführen war. Das erste große Unternehmen nach dem Krieg war die Errichtung des Europäischen Bahá’í-Hauses der Andacht in Hofheim am Taunus. Bahá’í aus aller Welt trugen dazu bei. Der 1964 eingeweihte Sakralbau steht als Stätte der Andacht und Meditation allen Menschen offen und ist ein Kulturdenkmal des Landes Hessen. 2013 wurde der Bahá’í-Gemeinde Deutschland vom Land Hessen die Rechtsform einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen.
Bahá’í leben heute an ca. 120.000 Orten in der Welt. Sowohl auf örtlicher wie bundesweiter Ebene engagieren sie sich in einer Reihe von Projekten, u. a. im interreligiösen Dialog, für Integration, Geschlechtergleichstellung oder nachhaltige Entwicklung. Das Wirken in der Gesellschaft und die Entwicklung des Gemeindelebens gehen dabei Hand in Hand. So sind Andachtsversammlungen, Klassen für die Werteerziehung von Kindern und Junioren sowie Studienkreise zu geistig-religiösen Themen grundsätzlich offen für alle.

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