IHK MITTLERES RUHRGEBIET: DER KNOCK-OUT DROHT!

Der Ruhrpark in Bochum von oben (Foto: IHK)

Ennepe-Ruhr-Kreis- Shutdown – und kein wirkliches Ende in Sicht! Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gehen nach den Beschlüssen der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten noch wochenlang weiter. So droht der Shutdown endgültig zum Knock-out für die Wirtschaft zu werden: Mehr als jedes vierte Unternehmen im mittleren Ruhrgebiet bangt nur vier Wochen nach Beginn der Zwangsmaßnahmen um seine Existenz. Ohne finanzielle Unterstützung des Staates gehen 27 Prozent der Unternehmen in Bochum, Herne, Witten und Hattingen davon aus, dass sie den Shutdown nicht überstehen werden. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage der IHK Mittleres Ruhrgebiet zu den Auswirkungen des Coronavirus, an der sich in wenigen Tagen 478 Firmeninhaber beteiligt haben.

Die Ergebnisse auf einen Blick: Die Soforthilfen begleichen zwar die Fixkosten, kompensieren aber keine Einnahmeausfälle; Je nachdem, wie lange die Maßnahmen dauern, drohen vielen Unternehmen Umsatzrückgänge von fast 50 Prozent bis hin zum Totalausfall; Fast jedes dritte Unternehmen war bislang von Zwangsschließungen betroffen, besonders im Handel und der Gesundheits- und Freizeitwirtschaft; Drei von vier Unternehmen haben dennoch einen Weg gefunden, ihren Geschäftsbetrieb zumindest in Teilbereichen aufrecht zu erhalten, um damit für einen Hauch von Umsatz zu sorgen; Nur 15 Prozent der

Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Geschäftssituation noch im Laufe dieses Jahres den Status „vor Corona“ erreichen wird; Lieferengpässe durch die globale Abhängigkeit der Wirtschaft zeigen sich insbesondere im Handel und bei einem Drittel der Industrie-Unternehmen.

Einrichtungshaus Ostermann in Witten (Foto: IHK)

„Viele sprechen in unserem Staat gerne davon, dass es intelligenter Lösungen bedürfe. Diese Forderung ist nie sinnvoller gewesen. Wir brauchen einen klaren Plan, die in die Knie gehende Wirtschaft wieder hoch zu fahren, bevor sie vollständig am Boden liegt. Wenn die Unternehmen keine Umsätze machen dürfen, werden ihnen Soforthilfen, Kredite und Bürgschaften auch langfristig nicht helfen können. Unternehmer müssen etwas unternehmen dürfen. Gerade die Zeit der Krise ist immer auch die Zeit der Kreativität. Also: den Unternehmen vertrauen“, mahnt IHK-Präsident Wilfried Neuhaus-Galladé nachdrücklich.

„Die Unternehmerinnen und Unternehmer im mittleren Ruhrgebiet haben große Sorgen und Nöte. Natürlich. Und wir als IHK versuchen, ihnen so gut es geht beizustehen und für sie da zu sein. Auch das ist die Aufgabe einer IHK“, bilanziert IHK-Hauptgeschäftsführer Eric Weik die letzten Wochen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der IHK beraten seit Wochen per Telefon, per E-Mail und im Chat auf netzn.de zu Fragen zur Soforthilfe, zu Insolvenzen, zur Kurzarbeit, zu Förder- und Kreditprogrammen – auch für Start-ups. Dafür wurden viele Mitarbeiter extra geschult, um auch bei diesen Themen Frage und Antwort stehen zu können.

Über 5.000 Beratungen wurden auf diese Weise in den letzten drei Wochen durchgeführt. Darüber hinaus bietet die IHK täglich von 10 bis 11 Uhr auf netzn.de einen Azubi-Chat für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe an. Zahlreiche Unternehmen nutzen die „geheimen Gruppen“ auf netzn.de zur internen Unternehmenskommunikation in Krisenzeiten.

Auf der IHK-Businessplattform netzn.de gibt es tägliche Updates zu den Corona-Auswirkungen, zu Förderprogrammen, zu Novellierungen der Ausbildungsverordnungen, aber auch zu den digitalen Weiterentwicklungen der IHK-Formate – wie beispielsweise dem digitalen Trend-Speed-Dating. Gleichzeitig hat das IHK- BildungsCentrum (BiC) sein Webinar-Angebot nochmals deutlich ausgebaut. Allein in diesem Monat gibt es 20 Webinare. Weik: „Wer also gerade Langeweile zu Hause hat, der ist gut beraten, sich einmal in unserem Weiterbildungsprogramm umzuschauen.“ Die Kooperations- Beratung mit der Hochschule Bochum in den IHK- Wirtschaftsbüros in Herne, Witten und Hattingen ist ebenfalls auf ein digitales Format umgestellt worden.

„Wir müssen uns klar sein, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft und damit auf unseren gesellschaftlichen Wohlstand auch nach dem Ende des Shutdowns deutlich spürbar bleiben werden. Wir werden auf keinen Fall von heute auf morgen wieder ,alte‘ Verhältnisse haben. Die Beschlüsse der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten vom 15. April sind nur als zaghafter

Versuch zu werten, ein Gefühl von Lockerung zu vermitteln. Logisch erscheint es nicht, dass größere Handelsbetriebe, Warenhäuser und Möbelhäuser nicht öffnen dürfen (Update: inzwischen hat die Landesregierung bekanntgegeben, dass in NRW Möbelhäuser ebenfalls öffnen dürfen), obwohl sie Raum genug besitzen, um den nötigen Abstand der Kunden zu gewährleisten. Und dass Restaurants, Kneipen und Hotels immer noch geschlossen bleiben müssen und noch nicht einmal eine zeitliche Perspektive zur Öffnung besitzen, wird vielen Häusern den Hals brechen. Auch hier wäre es organisierbar, zumindest Teilbereiche wieder zu öffnen. Und: Das Thema berufliche Bildung fehlt im Fokus der Akteure. Die Berufsschulen müssen ebenfalls baldwieder öffnen dürfen“, kritisiert IHK-Hauptgeschäftsführer Eric Weik das weitgehende Festhalten am Shutdown.

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