WIESENFRISCH UND HANDGESAMMELT – FREILANDHENNEN AUF DEM KNEIBELHOF

Peter Oberdellmann, Anja Dahlhaus, Mitarbeiterin Anna Ramperez mit Adele (vlnr), im Hintergrund 477 Legehennen (Foto: Pielorz)

Hattingen- Die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland haben in den letzten zehn Jahren um mehr als 16 Prozent abgenommen. Heute gibt es aktuell nach der Statistik des Deutschen Bauernverbandes noch rund 265.000 Betriebe. Einer von ihnen ist der Kneibel-Hof in Hattingen (Holthausen). Seit 1868 ist er im Besitz der Familie Oberdellmann. Ferienwohnungen sind ein zweites Standbein von Peter Oberdellmann und Anja Dahlhaus. Und eine dritte Einnahmequelle kommt jetzt hinzu: ein mobiles Hühnerhaus für 477 Legehennen. Freilandhaltung, frisches Futter und in der Nacht die Unterbringung im mobilen Zuhause – die Eier der Hennen sollen in Direktvermarktung an den Verbraucher gebracht werden.

Der mobile Hühnerstall des Kneibel-Hof wird mit Solarstrom versorgt (Foto: Strohdiek)

„Wir planen insgesamt schon drei Jahre“, erklärt Peter Oberdellmann. Eine hohe fünfstellige Summe hat er in die Hand genommen, um das mobile Heim kaufen zu können. Die Tiere selbst kommen aus dem nahegelegenen Wuppertal. „Es hat gedauert, bis alle bürokratischen Hürden genommen werden konnten“, sagt der Landwirt und Agraringenieur. So entstand beispielsweise ein eigenes Mistlager und – just seit dem 1. Januar 2020 – gibt es eine neue Düngeverordnung, die selbstverständlich auch berücksichtigt werden musste. Hilfe bekam Oberdellmann vor allem von der Hattinger Wirtschaftsförderung. „Schließlich ist im Außenbereich unserer Stadt die Landwirtschaft auch ein Teil der Hattinger Wirtschaft“, findet der Hofbesitzer.

Landwirt Peter Oberdellmann im Gespräch mit RuhrkanalNEWS

Am Salzweg auf dem Gebiet der Stadt, die diese Fläche an die Kleingärtner verpachtet hat, soll der Eierautomat stehen, um eine Direktvermarktung zu ermöglichen. „Wir haben uns bei der Planung gefragt, was zu unserem Hof und in die Natur passt. Viele Verbraucher neigen zum Kauf von Produkten aus der Region. Dabei eignen sich mobile Hühnerställe gut. Legehennen in der Freilandhaltung neigen dazu, die Auslauffläche im stallnahen Bereich intensiv zu nutzen und abzuweiden. Das wirkt sich dann negativ auf Bewuchs und Boden aus. In der mobilen Hühnerhaltung können durch das regelmäßige und rechtzeitige Versetzen der Mobilställe diese negativen Folgen der intensiven Auslaufnutzung deutlich reduziert werden. Tiere, die sich wohlfühlen, ein gepflegter Auslauf und ein optisch ansprechender Stall sprechen den Verbraucher an – und die Eier dieser Hennen schmecken auch einfach besser.“ 477 Legehennen gehen an den Start – jede Henne produziert im Durchschnitt 300 Eier pro Jahr. Da kommen mit rund 140.000 Exemplaren schon einige Frühstückseier auf den Tisch. Wiesenfrisch und handgesammelt, abgepackt in rund 14.000 Eierkartons.

477 Hühner im mobilen Hühnerstall des Kneibel-Hof legen pro Jahr etwa 120.000 Eier (Foto: Strohdiek)

Eines macht der Landwirt deutlich: Die Idee ist kein Hobby, sie muss sich wirtschaftlich tragen und soll sich zu einer dritten Säule für den Kneibel-Hof entwickeln. Ein Ei wird 45 Cent kosten. Das muss es auch, denn die Investitionskosten je Tierplatz und der Arbeitsaufwand sind in der Regel höher als bei den – meist größeren – stationären Stallanlagen. Das mobile Hühnerhaus, quasi ein Zwitter zwischen Gebäude und Fahrzeug, sorgt dafür, dass die Tiere nachts geschützt sind. Morgens öffnet sich die Anlage, die im Hinblick auf die Lichtverhältnisse über eine Astrouhr verfügt, und die Tiere können den Tag im Freien verbringen. In der Dämmerung geht es dann zurück in den häuslichen Schutz. Mitarbeiterin Anna Ramperez – auch sie hat einen Master in Agrarwissenschaften – wird sich um das Wohl der Tiere kümmern. „Wir sehen in unserer Idee viel Nachhaltigkeit, eine in die Landschaft und zum Hof passende Umsetzung und hoffen natürlich auf das positive Verhalten der Verbraucher“, sagt Peter Oberdellmann.

Noch ein paar Zahlen: In Deutschland werden pro Jahr 12 Milliarden Eier von 42 Millionen Hennen produziert. Bei diesen Zahlen entsteht zu den 477 Legehennen vom Kneibel-Hof fast schon eine persönliche Beziehung. Auf Karton und Ei steht, wo die Hennen wohnen. Das „Kneibel-Ei“-Logo macht es möglich.

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