TIEMEYER: JETZT KOMMT DER BAUANTRAG

Zukünftiges Tiemeyer-Gelände für Fahrzeugaufbereitungen (Luftbild: RuhrkanalNEWS)

Hattingen- Vier Millionen Euro wollte das Autohaus Tiemeyer in die Hand nehmen, um auf dem Gelände des ehemaligen Rewe-Zentrallagers an der Eickener Straße auf 50.000 Quadratmetern eine neue Aufbereitungszentrale zu bauen. Die Tiemeyer Gruppe vertritt die Marken Audi, Volkswagen Pkw und Nutzfahrzeuge, Skoda und Seat. Für die Stadt Hattingen war der Zuschlag im Dezember 2018 ein riesiger Erfolg. Seit 2010 bemühte sich die Wirtschaftsförderung unter Martin Serres um eine Vermarktung des Gewerbegebietes am Beul I. Ideen von einem Freizeitpark zerschlugen sich und die Fläche lag brach – mit Ausnahme einer Teilfläche, auf der ein Investor ein Hotel errichtete. In enger Abstimmung mit der angrenzenden Fläche zur Nierenhofer Straße, die zeitgleich entwickelt werden sollte, schien es so, als ob der Stadt hier ein dicker Fisch ins Netz gegangen wäre. Jetzt endlich soll innerhalb der kommenden vier Wochen der erste Bauantrag eingereicht werden.  

Bauprojekt ist unterschätzt worden

Für die Tiemeyer Gruppe ist der neue Standort Hattingen immer noch ein zukünftiger Meilenstein, der schon längst bezugsfertig sein sollte. „Für uns ist eine zentrale Aufbereitung ein längst überfälliger Schritt. Aber wir haben das Bauprojekt in seinen zu planenden Dimensionen schlicht unterschätzt“, erklärt Dirk Reitzer, Geschäftsführer Vertrieb Tiemeyer Gruppe. „Klar ist jetzt: es wird zwei Bauanträge geben und der eine wird innerhalb der nächsten vier Wochen eingereicht. Er bezieht sich auf die drei bestehenden Hallen. Wir haben lange mit der Frage gerungen, ob wir die bestehenden Gebäude erhalten oder komplett neu bauen. Nun wird es eine Mischung. Wir öffnen die bestehenden Hallen und schaffen quasi ein überdachtes Parkhaus. Zusätzlich wird es in einen zweiten Bauantrag für eine neue Halle geben. Ein großes Problem sind unter anderem die Brandschutzauflagen. Wir glauben aber, jetzt eine gute Lösung mit dieser Bauantragsteilung gefunden zu haben.“ Dirk Reitzer macht im Gespräch deutlich, wie wichtig für die Unternehmensgruppe mit ihren 1600 Mitarbeitern in aktuell 24 Objekten eine zentrale Aufbereitungsanlage zusammen mit der DEKRA ist. „Es geht schlicht um Zeitmanagement. Nehmen wir als Beispiel einen Jahreswagen. Zunächst prüft die DEKRA das Fahrzeug, in einem zweiten Schritt folgt die Reparatur von Kleinschäden wie Kratzer oder Beulen. Das Fahrzeug wird anschließend gereinigt, kommt in eine technische Endprüfung und geht in die Endabnahme bei der DEKRA. Für die mediale Darstellung des Fahrzeugs zum Verkauf wird es auf einem Profi-Fotoplatz fotografiert und wird dann an den Verkaufsplatz überstellt. Wenn wir diese Schritte alle an einem zentralen Standort abwickeln können, spart das enorm viel Zeit und wir können entsprechend mehr Fahrzeuge in den Umlauf bringen. Normalerweise dauert ein solches Prozedere mindestens 48 Stunden, manchmal sogar deutlich länger. Das geht erheblich effizienter.“ Am neuen Standort sollen auch neue Arbeitsplätze entstehen. Von 46 war im Dezember 2018 die Rede. Hinzu kämen weitere zehn Arbeitsplätze von DEKRA Automobil GmbH. 

Dirk Reitzer, Tiemeyer-Geschäftsführer (Foto: Pielorz)

Für den Tiemeyer-Geschäftsführer hat die Corona-Pandemie nichts an der Zukunftsplanung geändert. „Wir haben in der Tiemeyer Gruppe punktuell vier Wochen Kurzarbeit gehabt. Und selbstverständlich haben viele Mitarbeiter im Homeoffice gearbeitet. Unser Geschäftsjahr endet am 31. August und ich kann schon heute sagen, wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Das Auto ist für uns immer noch eng mit Freiheit und Mobilität verbunden. Es geht aber schon lange nicht mehr nur darum, Autos zu kaufen und zu verkaufen. Vielmehr geht es um passgenaue Mobilitätskonzepte.“ Dabei, so Reitzer, blicke man selbstverständlich auf verschiedene Antriebsoptionen, aber auch auf neue Ideen wie das Auto-Abo. „Das haben wir gerade mit 100 GTIs getestet und befinden uns in der Auswertungsphase. Diese Form der Langzeitmiete wurde sehr gut angenommen.“    

Stadt gibt sich zugeknöpft

Warum in Hattingen 1 ½ Jahre nach der Pressekonferenz mit Bürgermeister Dirk Glaser und Wirtschaftsförderer Martin Serres bisher noch nichts passiert ist, soll also an den zeitlich aufwendigen Plänen liegen. Es gibt aber noch eine offene Frage. Eine Erschließungsstraße (die nach Presseberichten ursprünglich schon 2017 gebaut werden sollte) muss her und dafür braucht die Stadt einen Teil des Tiemeyer-Geländes. „Kein Problem. Wir gehen hier von einigen tausend Quadratmetern aus. Aber dafür möchten wir natürlich eine Ausgleichsfläche“, so Reitzer. Die ist zumindest optional auch gefunden. Und zwar an der Nierenhofer Straße, wo die Tiemeyer Gruppe bereits jetzt Fahrzeuge parkt. 2019 hatte man auf dem ehemaligen Kone-Gelände zusätzliche Flächen zum Abstellen von Fahrzeugen von einem privaten Eigentümer angemietet. Damit löste Tiemeyer einen Flächenengpass für ihre abzustellenden Fahrzeuge, den das Bochumer Unternehmen durch die angekündigte Veränderung der Opel-Flächen befürchtete.  

Bei der Stadt gibt man sich auf Nachfrage zugeknöpft. Baudezernent Jens Hendrix erklärt auf Nachfrage, ein Bauantrag liege bis jetzt nicht vor. „Daher befinden wir uns auch nicht im Genehmigungsverfahren, denn dazu brauchen wir genehmigungsfähige Unterlagen.“ Wann die in Hattingen eintrudeln, weiß Hendrix gibt. Es gäbe zwar Kontakt zwischen der Stadt Hattingen und der Tiemeyer Gruppe, aber keine konkreten Angaben zur Zeitplanung. Die Wirtschaftsförderung, die Ende 2018 auf eine zeitnahe und positive Entwicklung gehofft hatte, hält sich ebenfalls zurück. Wirtschaftsförderer Martin Serres erklärt auf Anfrage, die Stadt habe damals nur den privaten Verkäufer des Grundstücks Eickener Straße mit dem Käufer zusammengebracht. „Es handelt sich nicht um ein städtisches Grundstück. Nach dem Verkauf geht es dann üblicherweise in die Planung und das Einreichen der Pläne.“ Das soll binnen vier Wochen kommen. Dann aber steht das Genehmigungsverfahren bevor. Nach Aussagen von Baudezernent Jens Hendrix vergeht mindestens ein weiteres halbes Jahr. Dirk Reitzer hofft, es geht schneller. „In Gesprächen mit uns war die Rede davon, man könnte es auch in vier Monaten schaffen.“

Der Kommentar:

Das hatten sich die Verantwortlichen und nicht zuletzt Bürgermeister Dirk Glaser wohl anders vorgestellt, als sie im Dezember 2018 auf höchster Ebene die Millioneninvestition auf Hattinger Stadtgebiet der Öffentlichkeit vorstellten. Nicht nur von der boomenden Industrie war die Rede, sondern auch von neuen Arbeitsplätzen. In Gesprächen mit den teilnehmenden Personen gewinnt man den Eindruck, der Motor stottert. Bleibt zu hoffen, dass nach Einreichen des Bauantrags jetzt niemand auf die Bremse tritt und das Projekt endlich Fahrt aufnehmen kann. Obwohl in der Coronakrise der Automarkt in der Europäischen Union fast zum Erliegen gekommen ist, setzt man auf die Mobilität mit den vier Rädern und neuen, innovativen Nutzungsmöglichkeiten. Den ersten Spatenstich feiert man in jedem Fall nach der Kommunalwahl. Man darf gespannt sein, wer dann den Spaten in der Hand hält. 

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