Kolumne Spezial

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Nebenbei bemerkt…

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… geht mich das Ganze ja irgendwie nichts an. Aber: Sagen Sie mal, wie beeindruckt sind Sie eigentlich? Der Herr Bundespräsident höchstpersönlich zieht drei Tage bei uns in Hattingen ein, nicht ins Schloss Bellevue, sondern feinstens ins Ruhr Inn – Fernseher, Föhn, Frühstücksbuffet, Amtssitz. So läuft das heute mit dem hohen Besuch.

Man will ja nicht meckern, im Gegenteil. Zwanzigste Station seiner „Ortszeit“, der krönende Abschluss sozusagen – und wir dürfen ihn behalten. Nach Lörrach, Stralsund und Delitzsch also Hattingen, Ehrensache. Der Herr Steinmeier läuft durch die Fußgängerzone, trägt sich ins Goldene Buch ein, plaudert mit der Bürgermeisterin, und die Passanten tun so, als hätten sie ihn gerade zufällig da unten getroffen. Was ein Zufall aber auch.

Und was macht ein Staatsoberhaupt sonst so bei uns? Genau, was jeder Hattinger macht: Kartoffelsuppe kochen mit der Jugend, abends Kneipenquiz im Kleinen Café („Herr Bundespräsident, in welchem Stadtteil steht die Henrichshütte?“), am nächsten Tag rudern im Vierer mit Steuermann – hoffentlich hat ihm einer gesagt, dass die Ruhr nicht der Wannsee ist. Dazwischen „Kaffeetafel kontrovers“, was ja auch schon ein Wort für sich ist. Kaffeetafel, kontrovers. Bei uns nennt man das sonst Familienfeier.

Der Bundespräsident zum Anfassen, sagt der WDR. Unsereins wäre schon froh, wenn beim Bäcker mal wieder jemand zum Anfassen wäre, der nicht ins Handy tippt. Aber sei’s drum. Am Donnerstag gab’s dann Orden in der Gebläsehalle, für elf engagierte Damen und Herren aus NRW, und das ist tatsächlich das Schönste an der ganzen Chose. Denn zwischen Föhn und Fototermin geht’s ja am Ende genau darum: um die Leute, die das ganze Jahr machen, worüber sonst keiner redet.

Ach, und bevor ich’s vergesse: Ist Ihnen das auch aufgefallen? Die Straßen rund ums Ruhr Inn sind über Nacht frisch geteert, schwarz, glatt und glänzend wie ein Konfirmandenschuh. Jahrelang hieß es im Rathaus, dafür sei leider kein Geld da. Schlaglöcher gab’s so viele, dass man sie auch als Stadtführung hätte anbieten können, und die Stoßdämpfer der Hattinger haben längst Anspruch auf Frührente. Dann kündigt sich der Bundespräsident an, und zack: Plötzlich gibt es Walzen, Bitumen und Nachtschichten. Da hat sich die Stadt rausgeputzt wie die Tante vor dem Klassentreffen. Egal. Vielleicht sollte man den Herrn Steinmeier einfach mal fragen, ob er nächstes Jahr wiederkommt, nur halt ein paar Straßen weiter.

Warum uns der Bundespräsidentenbesuch aber trotzdem Spaß macht? Weil Hattingen mal wieder Hattingen ist – nur eben mit Personenschützern und frischem Asphalt. Das denkt sich auch immer wieder Ihr und euer Schorsch vom Kirchplatz!

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1 Kommentar zu "Kolumne Spezial"

  1. Dann kündigt sich der Bundespräsident an, und zack: Plötzlich gibt es Walzen, Bitumen und Nachtschichten.

    Wenn es der Bund fuer seine Praesidenten gemacht hat … Danke!
    Wenn die Stadt sich die Kohle aus den Rippen geschnitten hat, dann (jetzt kommt meine Erziehung zum tragen)

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