EIN NEUES ALTES GERÄTEHAUS FÜR FEUERWEHR NIEDERWENIGERN

So soll das Gerätehaus Niederwenigern mal aussehen (Grafik: Stadt Hattingen)

Niederwenigern- Das Gerätehaus des Löschzugs Niederwenigern strahlt den abgerockten Charme der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts aus. Es hat erkennbar schon bessere Zeiten gesehen, was sicher auch an einem vier Jahre alten Beschluss liegt, der die komplette Ertüchtigung und die Erweiterung des Gebäudes vorsieht. Seitdem dürfte nur noch das Nötigste getan worden sein, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehreinheit sicherzustellen. „Wir haben zur Zeit rund 60 aktive Mitglieder, die sich bei Einsätzen und im Übungsdienst in der Fahrzeughalle umziehen müssen“, beschreibt Löschzugführer Thomas Gurski die Situation im Gerätehaus. „Ein Zustand, der heute aus verschiedenen Gründen nicht mehr zulässig ist.“

Jens Hendrix, Tomás Stanke, Christine Freynik und Theo Haske (CDU) (vlnr) freuen sich über den Baubeginn (Foto: RuhrkanalNEWS)

Die Spinde sind bei jedem Fahrzeugstart den Abgasen ausgesetzt, was der Kleidung auf Dauer schadet und die Feuerwehrleute atmen die Schadstoffe jedesmal ein, wenn sie sich umkleiden. Außerdem ist die Enge in der Hektik eines Einsatzes ein nicht zu unterschätzendes Unfallrisiko. Das wird mit der Umgestaltung und dem Ausbau des Gebäudes anders. Es wird dann einen Weißbereich geben, in dem sich die Mitglieder der Feuerwehr Niederwenigern in ihrer Alltagskleidung bewegen und einen Schwarzbereich in dem die Einsatzkleidung getragen wird. Selbstverständlich mit entsprechenden Umkleideräumen und Duschen. Spinde in der Fahrzeughalle wird es nicht mehr geben. „Nach den Einsätzen wird möglicherweise kontaminierte Kleidung im Schwarzbereich abgelegt und direkt in die Reinigung gegeben“, erklärt Hattingens Feuerwehr-Chef Tomás Stanke bei der Vorstellung der Umbaupläne. Insgesamt werden wohl gut 1,2 Millionen Euro in das Feuerwehrgerätehaus investiert, ganz genau lässt sich das nicht noch sagen, da noch nicht alle Arbeiten ausgeschrieben sind.

Löschzugführer Thomas Gurski im beengten Gerätehaus (Foto: RuhrkanalNEWS)

Damit sind die Kosten absolut betrachtet höher, als 2017 kalkuliert; wenn man die allgemeine Preissteigerung herausrechnet, sieht es allerdings wieder anders aus, dann liegen die Planungen genau im vorgegebenen Rahmen. „Wir sind sogar in der glücklichen Situation, dass wir noch 250.000 Euro Fördermittel vom Land bekommen. Das Programm wurde aufgelegt, als unsere Planungen abgeschlossen waren, so konnten wir zeitnah einen Antrag beim Land einreichen“, ist Baudezernent Jens Hendrix sichtlich zufrieden. „Für die Feuerwache Nord bekommen wir die gleiche Summe übrigens ebenfalls.“

Für die Bürger in Niederwenigern bedeuten die guten Nachrichten für die Feuerwehr erstmal Einschränkungen. Für rund zehn Monate werden auf dem Domplatz 18 bis 20 Parkplätze wegfallen. Hier wird eine provisorische Feuerwache eingerichtet. Mehrere Baucontainer dienen als Umkleide- und Schulungsräume, außerdem müssen die vier Fahrzeuge des Löschzugs dort Platz finden. Ortsbürgermeister Theo Haske (CDU) berichtet von mehreren Bürgern, die ihn darauf angesprochen haben. „Aber diese Einschränkungen müssen sein, es war der einzig mögliche Standort. Alle anderen die wir geprüft haben, sind aus verschiedensten Gründen nicht in Frage gekommen“, stellt Haske klar. „Doch die Sicherheit der Bürger und eine anständige Feuerwache haben einfach Vorrang vor allem anderen.“

Wenig Platz im Gerätehaus Niederwenigern (Foto: RuhrkanalNEWS)

Einzig was mit der Martinus-Kirmes wird, das steht noch in den Sternen. Die Stadt befindet sich zur Zeit mit Veranstalter Andreas Alexius in Verhandlungen ob das Fest auch mit weniger Platz im September stattfinden kann. „Es wäre schade, wenn es, nach dem coronabedingten Ausfall 2020, in diesem Jahr erneut abgesagt werden müsste“, sind sich alle einig.

Die Parksituation vor dem Niederweniger Dom wäre während der Bauphase noch angespannter, wenn die katholische Kirche nicht helfen würde. „Pfarrer Andreas Lamm hat sofort zugestimmt, als wir fragten ob für die Einsatzkräfte hinter den Absperrungen provisorische Parkplätze eingerichtet werden können. So können auf dem Gelände der Kirche bis zu vier private Autos der Feuerwehrleute für die Einsatzdauer parken. Dafür sind wir sehr dankbar“, betonen Gurski und Stanke, alle anderen nicke zustimmend.

Der provisorische Standort der Feuerwehr während der Bauphase (Grafik: Stadt Hattingen)

„Wir ertüchtigen hier ein Gebäude so, wie es das Gesetz auch vorschreibt. Brandschutz ist aus gutem Grund eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Die freiwilligen Feuerwehrleute müssen endlich vernünftige Umkleide-, Sanitär- und Schulungsräume haben,“ begründet die erste Beigeordnete Christine Freynik die Investition. „Für die Bürgerinnen und Bürger ist in diesem Zusammenhang auch die Information wichtig , dass Brandschutz und Sicherheit während der gesamten Bauphase selbstverständlich gewährleistet sind.“ Der Bau des provisorischen Standortes am Dom hat bereits begonnen. Eine Baugrube zum Anschluss ans Stromnetz ist schon ausgehoben. Richtig los geht es am 12.7.,bereits vorher werden die Container gestellt. Nach zehn Monaten sind dann alle Arbeiten wahrscheinlich beendet, die Feuerwehrleute freuen sich über ein tolles Gerätehaus und Anwohner und Geschäftsleute über wieder mehr Parkplätze.

Eins möchte Tomás Stanke dann am Ende doch noch loswerden. „Wir haben das Gebäude mit Umkleide- und Sanitärräume für Frauen geplant und werden es auch so bauen. Zur Zeit gibt es in Niederwenigern allerdings nur Männer in der Feuerwehr. Deshalb können Sie das Gerätehaus auch als bauliche Aufforderung an alle Frauen und Mädchen verstehen, in die Feuerwehr einzutreten.“ Doch das funktioniert langfristig möglicherweise auch auf anderem Weg, wenn die lange geplante Kinderfeuerwehr, für Nachwuchs zwischen sechs und zehn Jahren, ebenfalls in Niederwenigern im schicken Gerätehaus ein Zuhause findet.

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