Hattingen – Wer am Samstag (18. April 2026) über den Schützenplatz ging, sah schnell: Hier passiert etwas. Kein großes Spektakel, keine Bühne, kein Banddurchschnitt. Stattdessen Menschen mit Arbeitshandschuhen, Steinen in den Händen, Erde an den Schuhen und dem festen Willen, aus dem ehemaligen Rondell einen Ort zu machen, der nicht geschniegelt aussieht, sondern sinnvoll ist.
Stück für Stück wächst dort ein kleiner Lebensraum. Für Wildbienen, für Insekten, für Kleintiere. Für alles, was zwischen Pflaster, Ordnungssinn und Hundespaziergang sonst gerne unter die Räder gerät.
Es war der vierte große Aktionstag auf der Fläche. Und diesmal sah man besonders deutlich, wie es vorangeht. Die Bruchsteinmauer hat inzwischen richtig Gestalt angenommen. Was beim letzten Besuch noch wie ein Haufen Material wirkte, sieht nun nach etwas aus, das bleiben will. Oben kamen flache Steinplatten als Abdeckung dazu, damit es darunter trocken bleibt und Tiere dort Schutz finden können. Mit etwas Glück irgendwann auch Eidechsen.
Die Arbeiten auf dem Schützenplatz gehen weiter. (Foto: RuhrkanalNEWS)


Das Schöne an dieser Mauer: Sie ist nicht aus dem Baumarktregal gefallen. Ein Teil der Bruchsteine wurde direkt vor Ort aus dem Boden geholt, andere stammen von einem anderen Bauprojekt der Stadt und wurden hier wiederverwendet. Auch das passt irgendwie zu diesem Platz. Man nimmt, was da ist, und macht etwas Vernünftiges daraus.
In die senkrecht stehenden Stämme wurden Löcher gebohrt, damit Wildbienen dort Nistplätze finden. Der Flechtzaun nahm ebenfalls weiter Form an. Dazu kamen neue Stauden, und ein Streifen Schmetterlingssaum wurde ausgesät. Noch ist das Ganze nicht fertig, aber genau das macht den Reiz aus: Man kann zusehen, wie aus einer Idee langsam ein richtiger Ort wird.
Miriam Lambert von der Stadt Hattingen begleitet das Projekt und ist für die naturnahe Umgestaltung städtischer Grünflächen zuständig. Sie berichtete, dass beim ersten Aktionstag bereits gepflanzt wurde, beim zweiten eher Pflegearbeiten wie Unkrautjäten anstanden und beim dritten unter anderem Rosen gesetzt wurden. Diesmal war wieder einer der größeren Einsätze angesetzt – rund drei Stunden, in denen möglichst viel geschafft werden sollte.
Die Arbeiten auf dem Schützenplatz gehen weiter. (Foto: RuhrkanalNEWS)

Und es bleibt noch einiges zu tun. Weitere Pflanzungen sind geplant, am Bereich mit dem Wildbienensand soll weitergearbeitet werden, dazu sind zusätzliche Strukturen aus Holz und Stein vorgesehen. Lambert sprach auch von einem „lebenden Holzhaufen“ – also einem Bereich aus Totholz, in dem trotzdem oder gerade deshalb sehr viel Leben steckt.
Am Ende soll die Fläche nicht nur ökologisch sinnvoll sein, sondern auch klar als Schutzraum erkennbar werden. Noch laufen Menschen und Hunde zu oft quer darüber. Gerade für einen Ort, der ausdrücklich für Insekten gedacht ist, ist das natürlich schwierig. Später soll deshalb auch ein richtiges Schild aufgestellt werden, das erklärt, was hier entsteht. Bislang helfen noch provisorische Hinweise.
Die nächste große Pflanzaktion wird vermutlich erst im Herbst stattfinden. Bis dahin soll die Fläche aber nicht einfach sich selbst überlassen werden. Miriam Lambert kann sich vorstellen, die Abstände zwischen den Treffen zu verkürzen, damit das Unkraut nicht wieder alles überwuchert. Etwa alle fünf Wochen könnte es kleinere Einsätze geben, um die Entwicklung weiter zu begleiten.
Und genau darin liegt vielleicht das eigentlich Schöne an diesem Projekt: Es will nicht auf einen Schlag fertig sein. Es wächst. Langsam, sichtbar, mit Geduld und mit Menschen, die ihre Zeit investieren, damit mitten in der Stadt etwas entstehen kann, das nicht nur nett aussieht, sondern einen echten Sinn hat.
Man sieht dem ehemaligen Rondell inzwischen an, wohin die Reise geht. Es ist noch nicht fertig. Aber es ist auf dem besten Weg dorthin.




























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