Hattingen – In der Paasmühle wurde es am Freitag (17. April 2026) praktisch, konzentriert und stellenweise auch überraschend. Bei einer Schulung der Feuerwehrschule Ennepe-Ruhr-Kreis drehte sich alles um ein Thema, das im Einsatz schnell unterschätzt wird: der sichere Umgang mit verletzten, geschwächten oder verängstigten Wildtieren.
Zehn interessierte Feuerwehrmänner und eine Feuerwehrfrau nutzten die Gelegenheit, Wissen mitzunehmen, Erfahrungen zu sammeln und vor allem eines zu lernen: Ein Tier zu retten, heißt nicht einfach nur zupacken und in einen Karton setzen. Wer helfen will, muss wissen, was er tut – damit am Ende Mensch und Tier sicher aus der Situation herauskommen.
Für einige Teilnehmer war es zugleich die erste Begegnung mit der Wildvogelstation Paasmühle. Entsprechend groß war die Begeisterung über die Anlage. Manche dürften ganz sicher nicht zum letzten Mal dort gewesen sein.
Die Schulung ist Teil eines durchdachten Systems. Ein erster Kurs richtet sich an Einsatzkräfte, die Tiere sichern, in einem Karton transportfähig machen und sie anschließend in der Paasmühle oder beim Tierarzt abgeben. Ein zweiter Kurs ist für diejenigen gedacht, die diesen Karton später wieder öffnen – also für Mitarbeiter in Tierarztpraxen oder Einrichtungen, die die Tiere übernehmen. Ein dritter Baustein richtet sich an Tierärzte selbst und vermittelt spezielles Fachwissen für die weitere Versorgung.
Feuerwehrschulung Paasmühle (Fotos: RuhrkanalNEWS)
Gerade in Zeiten sozialer Medien, in denen Halbwissen oft mit großer Überzeugung vorgetragen wird und gefühlt jeder sein Facebook-Diplom schon in der Tasche hat, ist so eine Schulung Gold wert. Denn viele Vorstellungen über Wildtiere halten sich hartnäckig – und sind im Ernstfall brandgefährlich.
Ein Schwan zum Beispiel wirkt auf viele Menschen zunächst eher majestätisch als bedrohlich. Der Blick geht schnell zum Schnabel. Dabei liegt die eigentliche Gefahr ganz woanders. Es sind die Flügel. Ein gezielter Flügelschlag und der Arm ist gebrochen. Wer nicht weiß, wie man sich einem Schwan nähert und wie man ihn richtig sichert, kann sich ernsthaft verletzen. Weiß man dagegen, worauf es ankommt, ist der Umgang kontrolliert, sicher und für beide Seiten deutlich stressfreier. Und genau solche Einsätze kommen immer wieder vor.
Auch Greifvögel standen auf dem Stundenplan. Hier schaut man oft ehrfürchtig auf den Schnabel und vergisst, dass die eigentliche Waffe meist die Fänge sind. Ein kleiner Vogel mag niedlich aussehen – im falschen Moment kann er trotzdem zur ernsthaften Gefahr werden. Wer ein Tier falsch greift oder falsch einschätzt, riskiert Verletzungen. Wer aber weiß, wie man sich schützt, wie man das Tier liest und wie man es richtig fixiert, kann ruhig und sicher handeln.
Genau darum ging es den ganzen Tag: Wie schütze ich mich selbst? Wie begegne ich einem Wildtier so, dass die Situation nicht eskaliert? Und wie schaffe ich es, dass am Ende beide sicher nach Hause kommen – oder zumindest sicher an den richtigen Ort?
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr bekamen in der Paasmühle dafür eine Menge mit auf den Weg. Nicht als theoretisches Gerede, sondern ganz praktisch, direkt und einsatznah. Wissen, das im Ernstfall den Unterschied macht. Für die Einsatzkräfte. Und für die Tiere.




























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