AUGUSTA-KLINIKEN EIN JAHR DIABETESZENTRUM

Diabeteszentrum (Foto: Augusta Kliniken)

Hattingen/Bochum- Fast die Hälfte aller Menschen mit Diabetes leidet auch an psychosomatischen Begleiterkrankungen, vor allem an Depressionen, Angst- oder Essstörungen wie Bulimie, Binge-Eating oder Anorexie. Häufig geraten die Betroffenen in einen Kreislauf aus körperlichen und psychischen Beschwerden. Im Diabeteszentrum Ruhrgebiet der Augusta-Kliniken Bochum/Hattingen gehört deshalb ein psychotherapeutisches Angebot für Menschen mit Diabetes zum ganzheitlichen Behandlungskonzept. Dies ist eine wichtige Besonderheit des Diabeteszentrums, neben der ausführlichen Ernährungsschulung in Theorie und Praxis, den regelmäßigen physiotherapeutisch geleiteten Bewegungseinheiten und der Expertise in Bezug auf neue Diabetestechnologien. Seit einem Jahr besteht das von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zertifizierte Zentrum nun im Augusta. Es bündelt ein Netzwerk aus spezialisierten Experten verschiedener Fachrichtungen. „Es reicht nicht, nur die Blutzuckerwerte richtig einzustellen, wenn eine psychische Erkrankung im Hintergrund schwelt“, weiß Prof. Dr. Juris J. Meier, national und international ausgezeichneter Spezialist für Diabeteserkrankungen und Chefarzt des Diabeteszentrums mit Standorten in Bochum und Hattingen. „So haben wir uns bereits im ersten Jahr eine sehr große Akzeptanz bei Patientinnen und Patienten sowie bei niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen erworben“, bilanziert Prof. Meier anlässlich des diesjährigen Weltdiabetestages am 14. November 2022. Für viele Menschen mit Diabetes böten gerade die Strukturen der stationären Diabetologie klare Vorteile in der Behandlung: „Wir haben hierzulande eine gute ambulante Versorgung durch Schwerpunktpraxen und Hausärzte sowie allgemeine Fortschritte im Bereich der Diabetologie. Dennoch wird immer noch bei 25 bis 30 Prozent der Patienten keine gute Blutzucker-Einstellung erreicht. Diese Menschen finden bei uns das passende Angebot.“

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Gruppendynamik macht den Gemüsetag schmackhaft

Vor allem „insulinresistente“ Menschen mit Typ 2 Diabetes , der häufigsten Form der Stoffwechselerkrankung, profitieren von dem Rundum-Ansatz im Augusta. Es sind in der Regel Patientinnen und Patienten, die aufgrund ihrer Lebensweise trotz medikamentöser Behandlung keine langfristige Verbesserung ihrer Blutzuckerwerte erlangen. Diese Patienten werden während ihres stationären Aufenthalts im Ruhrgebiet Diabeteszentrum, im Durchschnitt acht bis zehn Tage, erfolgreich an Bewegung, gesunde Ernährung und über therapeutische Angebote an einen gesunden Lebensstil herangeführt. „Dabei erweist sich eine gewisse Gruppendynamik als sehr hilfreich“, führt Dr. Kirsten Kampmann, Oberärztin und ärztliche Leiterin des Zentrums aus. In der Augusta-Lehrküche sollen die Patienten gemeinsam kochen oder erfahren durch die speziellen Menü-Angebote von Augusta-Küchenchef Ralf Meyer, wie „schmackhaft ein Hafer- und Gemüsetag sein kann“. Kurzfristig könne so bei den allermeisten Patienten eine erhebliche Verbesserung der Werte erreicht werden. Die langfristigen Erfolge liegen laut Juris Meier bei etwa 30 bis 50 Prozent und damit deutlich höher als bei rein ambulanter Behandlung.

Patienten lernen Umgang mit Insulinsensor und Pumpe

Ein weiterer Schwerpunkt des Diabeteszentrums ist das Training mit Patienten mit Typ 1 Diabetes zu moderner Diabetestechnologie. Es gebe „revolutionäre Fortschritte in diesem Bereich“, berichtet Dr. Kampmann: Blutzuckersensoren, die kontinuierlich den Blutzucker des Patienten messen, können gekoppelt werden mit Insulinpumpen, die selbstständig ausrechnen, wie hoch der Insulinbedarf gerade ist. Die Patienten erhalten ihre Insulindosis damit einfach, zuverlässig und immer genau in dem Umfang, wie sie es brauchen. Klar ist: „Der Umgang mit solchen Geräten muss erlernt und trainiert werden, und das stellen wir hier sicher!“ Mehrere hundert Patientinnen und Patienten wurden so in einem Jahr im Augusta-Diabeteszentrum mit modernen Diabetesgeräten versorgt.

Prof. Dr. Juris Meier (Foto: Augusta Kliniken)

Interdisziplinäre Kooperation gegen zu viele Amputationen

Das diabetische Fußsyndrom gehört zu den behandlungsbedürftigen Diabetes-Komplikationen. Es gebe, so Juris Meier, nach wie vor zu viele Amputationen, die durch eine rechtzeitige Behandlung hätten vermieden werden können. Sein Schlüssel zu einer erfolgreichen Bewältigung dieser Komplikation liegt im Diabeteszentrum in der interdisziplinären Zusammenarbeit: Die Diabetologen arbeiten im Diabeteszentrum mit den Kolleginnen und Kollegen der Gefäßchirurgie sowie der Fußchirurgie eng zusammen. Beim typischen „diabetischen Fuß“ etwa wird eine Läsion durch Nervenschädigung oft zunächst nicht bemerkt. Heilt sie nicht aus, vergrößert sie sich oder kann zum akuten Zustand einer Sepsis oder zum Absterben von Gewebe führen.

Alle Diabeteszentren sollten Fokus auf Nachwuchsbildung legen

Das Diabeteszentrum Ruhrgebiet arbeitet mit spezialisierten Pflegekräften, Wundmanagern, orthopädischen Schuhmachern, Bewegungstherapeuten und Ernährungsberatern zusammen und zählt auch die Behandlung von Hypoglykämie-Syndromen, diabetischer Gastroparese oder Schwangerschaftsdiabetes zum Leistungsspektrum. Als zertifiziertes Zentrum darf es Ärzte zu Diabetologen ausbilden. „Etwa 20 bis 30 Prozent aller Krankenhauspatienten haben eine Diabeteserkrankung, gleichzeitig geht in ein paar Jahren ein großer Teil der niedergelassenen Diabetologen in den Ruhestand. Um hier einen Mangel zu vermeiden, muss in Diabeteszentren der Fokus besonders auf die Ausbildung von Diabetologen gelegt werden“, appelliert Prof. Dr. Juris Meier.

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