ZEHN JAHRE KAMPAGNE „ARBEITEN-PFLEGEN-LEBEN“

Viele Pioniere kamen zum Jubiläumstreff in die Henrichshütte (Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis)

Ennepe-Ruhr-Kreis- Pionierarbeit zu leisten ist wichtig. Noch wichtiger ist es aber, hartnäckig dran zu bleiben –so wie das Netzwerk W(iedereinstieg) im Ennepe-Ruhr-Kreis, das sich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie engagiert und vor 10 Jahren die Kampagne „arbeiten-pflegen-leben“ ins Leben gerufen hat. Damit war der Kreis einer der ersten in Nordrhein-Westfalen, der sich dieses Thema auf die Fahnen geschrieben und aktiv für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf eingesetzt hat. Gefeiert wurde die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre jetzt mit einem Jubiläumstreff in der Henrichshütte.

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Pflege und Arbeit – ein Thema, dass zwar viele Menschen betrifft, aber über das kaum jemand spricht. „Wir wissen von teilzeitbeschäftigten Kollegen, die Kinder und Job unter einen Hut bringen müssen. Aber wir wissen viel seltener von Kollegen, die ihre Freizeit für die Versorgung ihrer pflegebedürftigen Eltern opfern“, weiß Beermann. Um das Thema mehr ins Bewusstsein von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu rücken, hat das Netzwerk W zunächst Pioniere im Kreis gesucht – und gefunden.

Der Startschuss fiel mit zwei Pilotunternehmen, der Hattinger Wohnungsgenossenschaft und dem Versorgungsunternehmen AVU aus Gevelsberg. Auf Plakaten und Postkarten zeigten sich die beiden Unternehmen zusammen mit zwei pflegenden Angehörigen unter dem Motto „Sie pflegen? Wir unterstützen Sie!“. „Die Probleme der Beschäftigten hören nicht an der Türe zum Unternehmen auf. Um ihre Arbeit gut machen zu können, müssen sie den Kopf frei haben“, erinnert sich Klaus Reisinger, Betriebsratsvorsitzender der AVU, an die Motivation bei der Kampagne mitzumachen.

Heute würden viele Mitarbeiter der AVU besonders die Flexibilität des Arbeitgebers und das gute Klima im Haus loben. In Zeiten von Fachkräftemangel ein echter Wettbewerbsvorteil. Das bestätigt auch Dr. David Wilde, Vorstandsvorsitzender der hwg, und ergänzt: „Angeregt durch das Engagement in der Kampagne ist die Pflege von Angehörigen für uns inzwischen Teil eines familienfreundlichen Unternehmens. Danach werden wir in Einstellungsgesprächen immer öfter gefragt, und diesen Anspruch müssen wir im Alltag glaubwürdig umsetzen.“

Seit 2012 konnten viele weitere „Pioniere“ für die Kampagne gewonnen werden. Inzwischen haben sich 36 Unternehmen und Behörden dem Netzwerk angeschlossen. Verwaltungen und Seniorenheime, Kliniken und Bildungseinrichtungen, Banken und Industrieunternehmen – sie alle suchen nach Lösungen für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.

Einige harte Fakten rund um das Thema Pflege und Vereinbarkeit mit dem Beruf liefert an diesem Nachmittag noch Tanja Segmüller, Professorin für Alterswissenschaften an der Hochschule für Gesundheit in Bochum. Mit ihren Studierenden begleitet sie die Kampagne bereits selbst seit 2019. „Umfragen und Studien zeigen, dass viele pflegende Angehörige bis an ihre Belastungsgrenze und darüber hinaus gehen. Rund um die Uhr erreichbar, das Handy immer dabei, reduzieren 40 bis 50 Prozent ihre Arbeitszeit, einige kündigen sogar ganz den Job“, so Segmüller.

Es gibt also noch viel zu tun. An Ideen und Motivation mangelt es dem kampagnen-Team jedenfalls nicht. Erst kürzlich haben sie die Podcast-Reihe „reingehört“ veröffentlicht, in der Beraterinnen und Experten aus der Region zu allen Themen, die pflegende Angehörige bewegen, zu Wort kommen. Wo gibt es Unterstützungsangebote für Unternehmen und Beschäftigte? Was erlebt eine Pflegelotsin im Betrieb? Wie gestaltet sich die Vereinbarkeit von Job und Familie aus unternehmerischer Sicht? Zu finden sind die Podcast-Folgen auf der Kampagnenseite. Wer sich für die Kampagne interessiert, kann sich bei Christa Beermann melden: per Mail oder telefonisch 02336/932223.

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