WÜRDIGES GEDENKEN AM VOLKSTRAUERTAG

Volkstrauertag 2023 in Hattingen. (Foto: Privat Heiko Nütz)

Hattingen/Sprockhövel – An mehreren Orten in den Städten Hattingen und Sprockhövel wurde heute (19. November 2023) der Opfer und Toten der Kriege gedacht. Es waren feierliche Gedenkstunden in den Stadtteilen der Städte Hattingen und Sprockhövel.

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Gedenkrede von Hattingens stellv. Bürgermeister Rainer Sommer (SPD)

Der Volkstrauertag ist ein Tag des stillen Gedenkens an alle Opfer von Krieg und Gewalt und zugleich ein Tag der Besinnung, wie wir heute auf Krieg, Gewalt und Terror reagieren, was wir heute für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit bei uns und in der Welt tun können.

Dieser Tag ist zugleich ein Tag der Trauer. Wir trauern um die Opfer von Gewalt und Krieg überall auf der Welt, um Frauen, Männer und Kinder, die ihr Leben verloren haben oder deren Leben der Krieg überschattet hat. Denn Krieg bedeutet neben Tod auch vielfach Hunger, Leid und Not. Krieg kennt keine Gewinner, sondern nur Verlierer.

Alleine die Kriege des 20. Jahrhunderts haben Millionen von Opfern gefordert. Städte und Dörfer lagen in Trümmern. Hinzu kommen Millionen Menschen, die verwundet, verstümmelt, entsetzlich entstellt wurden. Unsere Vorstellungskraft versagt angesichts der monströsen Opferzahlen.

Glücklicherweise durften wir in den letzten 75 Jahren die längste Friedensperiode in der europäischen Geschichte erleben. Aber damit ist es vorbei, seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine Anfang 2022. Mit Blick auf die Ukraine ist Krieg für uns so nah wie seit langem nicht mehr. Über allem steht die Drohung eines Atomschlages.

Nie hätten wir gedacht, dass die Zeiten des Kalten Krieges mit einem atomaren Säbelrasseln, welches die Welt in den Untergang reißen könnte, wieder Alltag wird.

Wir gedenken der Opfer und Leidenden in der Ukraine und bieten den Geflüchteten hier vor Ort unsere Hand. Bei all den Emotionen dürfen wir nicht vergessen, dass der Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine nicht vom gesamten russischen Volk ausgeht, sondern von einer machthungrigen Elite. Unser Mitleid gilt somit allen getöteten Soldaten, die diesem verbrecherischen Krieg auf beiden Seiten nicht ausweichen konnten. Hoffnung gibt uns, wenn wir sehen, wie viele Menschen sich nach wie vor in der Geflüchteten- und der Nachbarschaftshilfe engagieren. Sorge bereitet uns hingegen die zunehmenden Versuche, hilfsbedürftige Menschen gegeneinander auszuspielen. Populisten schüren den sozialen Neid, indem sie Hilfsbedürftige als Schmarotzer und als Kriminelle bezeichnen oder mit rassistischen Vorurteilen belegen. Ich bin froh, dass die Stadtgesellschaft Hattingens für eine offene Gesellschaft steht, die respektvoll miteinander umgeht. Wir müssen alle gemeinsam daran arbeiteten, dass dies auch so bleibt.

Ich rufe allen Hattingerinnen und Hattinger auf, populistischen Anfeindungen entschieden entgegenzutreten, damit Rassisten und Terroristen und Menschen, die unsere Werte buchstäblich mit Füßen treten, keinen Rückhalt in der Bevölkerung spüren. Ich appelliere deswegen an alle, für Zusammenhalt und Solidarität einzustehen sowie Spaltung und Populismus entgegenzutreten. Demokratie und Frieden müssen immer wieder verteidigt, soziale Gerechtigkeit immer wieder erkämpft werden. Aber nicht nur der Krieg in Europa, in der Ukraine beschäftigt uns in dieser Zeit, in diesen Tagen. Genauso wichtig ist uns der Blick auf Kriege, die weit entfernt stattfinden – überall auf der Welt.

Mit allergrößter Besorgnis beobachten wir die Entwicklungen aktuell in Israel. Vor gut fünf Wochen hat die Terrororganisation Hamas Israel angegriffen und ein Blutbad angerichtet, für das uns schlichtweg die Worte fehlen. Wir verurteilen die brutalen Gewalttaten der Hamas und wenden uns entschieden gegen die Verleugnung des Existenzrechts Israels. Es war ein beispielloser Terrorangriff auf ein ganzes Volk. 260 Menschen wurden allein auf einem Festival ermordet. Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als ein Tag mit den meisten jüdischen Todesopfern seit der Schoah und ein Ende ist nicht in Sicht. Viele Jüdinnen und Juden trauern und sind in Sorge um Angehörige in Israel.

Zu diesem Trauma kommen jetzt noch die antisemitischen Vorfälle auch hier in Deutschland, die sich seit diesem Angriff vervielfacht haben. An den Terrorangriffen der Hamas auf Israel zeigt sich, wie stark vielerorts der Hass auf Jüdinnen und Juden ist. Wir verurteilen ebenso deutlich den aufflammenden Antisemitismus auf deutschen Straßen. Es ist inakzeptabel, wenn der Terror der Hamas auf unseren Straßen bejubelt oder auch nur relativiert wird.

Es ist unsere Verantwortung, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen. Es ist unsere Verantwortung, für den Staat Israel als sicherer Zufluchtsort für Jüdinnen und Juden einzustehen. Es ist unsere Verantwortung, für das friedliche Miteinander von Menschen aller Religionen und Kulturen in Deutschland einzutreten. Es ist die Grundlage unserer liberalen, demokratischen Gesellschaft, dass Menschen jedweder Religion und Weltanschauung ihre Auffassungen frei vertreten dürfen.

Wir können den Frieden nur bewahren, wenn wir aktiv für ihn eintreten. Das gilt in der großen Perspektive der Weltpolitik genauso wie im kleinen Rahmen unseres täglichen Lebens. Deshalb ist es umso wichtiger, den Anfängen zu wehren, mutig einzuschreiten, wenn Mitmenschen unsere Hilfe brauchen. Denn nicht alle Menschen haben das Glück friedlich aufzuwachsen. Und viele derer, die zu uns kommen, haben alles verloren.

Wir müssen aus unserer Geschichte lernen. Krieg, Terror und Verachtung kann kein Mittel der Politik sein. Ich möchte meine Rede mit einem Zitat beenden, dass auf Martin Luther King junior zurückgeht: „Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Gewalt, sondern die Anwesenheit von Gerechtigkeit.“ ( ….)

Gedenkstunde am Volkstrauertag in Niedersprockhövel (Archiv-Foto: Höffken)

Bürgermeisterin Sabine Noll (CDU) erinnerte wie folgt in ihrer Gedenkrede:

Nie hätte ich gedacht, dass der Volkstrauertag noch einmal eine solche aktuelle Bedeutung bekommen wird. Er ist mehr als je zuvor nicht nur eine Zeit des Rückblicks, sondern vor allem auch des Nachdenkens über die Gegenwart und die Zukunft unserer Gemeinschaft. Auch in Sprockhövel stehen wir vor Herausforderungen, immer mehr in Form von gesellschaftlichen Anliegen und Dissonanzen. Es liegt an uns, als Bürgerinnen und Bürger, gemeinsam an gesamtgesellschaftlichen Lösungen zu arbeiten und eine demokratisch geprägte, gerechte und friedliche Stadt zu gestalten.

Der Volkstrauertag hat nicht nur eine nationale, sondern auch eine lokale Bedeutung wenn wir die Opfer aus unserer unmittelbaren Umgebung in Sprockhövel in den Mittelpunkt unserer Gedanken rücken.

Der menschenverachtende Terror in der Welt und auch bei uns in Deutschland durch den Antisemitismus auf unseren Straßen erschüttert uns zutiefst. Die Verbreitung von Hass und Vorurteilen ist eine Bedrohung für die Grundwerte unserer Gesellschaft.

Volkstrauertag 2023: Die ehrenamtlichen Frauen und Männer der Feuerwehr und die Musiker des Musikzuges waren „angetreten“. (Foto: Privat-A.K)

 Der Volkstrauertag ermahnt uns, uns geschlossen gegen jede Form von Diskriminierung und Hass zu stellen. Wir dürfen niemals vergessen, dass die Geschichte uns lehrt, wohin Intoleranz führen kann. Terrorismus und Radikalität in unserem Land sind keine neuen Phänomene. Aber sie trauen sich häufiger und brutaler aus ihrer Deckung. Attacken sind zielgenauer und richten sich gegen Ausländer, Geflüchtete, Juden, Frauen, aber auch gegen Vertreter und Einrichtungen des Staates. Es vollzieht sich ein gesellschaftlicher Klimawandel weltweit – vor allem leider aber auch bei uns.

In Deutschland, einem Land, das sich intensiv mit seiner Geschichte auseinandergesetzt hat, müssen wir wachsam bleiben und gegen jegliche Form von Extremismus und Diskriminierung angehen. Der Einsatz gegen Antisemitismus ist nicht nur eine moralische Pflicht, sondern auch eine Verpflichtung, die aus der dunklen Geschichte unseres Landes erwächst.

Der Volkstrauertag eröffnet uns die Möglichkeit, über unsere Rolle als Bürgerinnen und Bürger nachzudenken. Wie können wir dazu beitragen, dass Toleranz und Respekt die Grundpfeiler unserer Gesellschaft bleiben?

Volkstrauertag 2023: Es war ein würdiges Gedenken, hier Bürgermeisterin Sabine Noll und Rechtsanwalt Ronald Mayer (Foto: Privat-A.K.)
Volkstrauertag 2023: Die Kräfte der Feuerwehr trugen mit dazu bei, eine würdiges Gedenken zu ermöglichen. (Foto: Privat- A.K.).

Es liegt an jedem Einzelnen von uns, aktiv gegen Vorurteile vorzugehen und eine Welt zu gestalten, in der Vielfalt als Bereicherung und nicht als Bedrohung betrachtet wird. Ich danke Ihnen, auch im Namen von Rat und Verwaltung, dass Sie hier auf den Friedhof gekommen sind, um innezuhalten und ein Zeichen gegen Gewalt und Krieg zu setzen und um gemeinsam zu trauern. (..…)

Heute gedenken wir in Demut den Opfern von Terror und Krieg. Wir spüren zutiefst die Verantwortung, das Andenken an all jene wach zu halten. Sie leben unter uns und mit uns weiter. Wir vergessen sie nicht; nicht ihre Leiden.

Sprockhövel steht für Selbstbestimmung, Demokratie und Menschenwürde. Nie wieder ist jetzt. Möge der Volkstrauertag uns dazu inspirieren, nicht nur zu trauern, sondern auch zu handeln – für eine Welt, die von Frieden, Solidarität und Verständnis geprägt ist. (…)

Beide Stadtoberhäupter dankten den Organisatoren der jeweiligen Gedenkstunden für die Vorbereitung, den Musikern und Chören für die musikalische Umrahmung und allen Anwesenden für ihr Erscheinen.

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