LARS MARTIN: SCHADEN MUSS KOMPLETT ERSETZT WERDEN

Lars Martin, DEHOGA Westfalen e.V. (Foto: RuhrkanalNEWS)

Der Gastkommentar von Lars Martin, stellvertretendem Hauptgeschäftsführer des DEHOGA, zur erneuten Verlängerung des Lockdown um weitere vier Wochen.

Das Gastgewerbe befindet sich im fünften Monat des zweiten Lockdowns. Summiert auf die vergangenen 12 Monate sogar im siebten Monat. Heute Nacht wurde in einer Hau-Ruck-Aktion eine Verlängerung des Lockdowns um weitere vier Wochen beschlossen – vielleicht hätten Kanzlerin und Länderchefs zwischendurch ein Nickerchen machen sollen, um ausgeschlafen und mit frischen Ideen an die Sache heranzugehen – haben sie aber leider nicht.

Bundesregierung nicht Willens?

Stattdessen sind die Bundesregierung und mit ihr die Regierungschefs der Länder offensichtlich nicht Willens oder in der Lage, sich abseits von unbestreitbar steigenden Inzidenzwerten konstruktiv mit der Coronakrise auseinanderzusetzen. Ich halte das weiterhin für falsch: Ich, und da habe ich zahlreiche Wissenschaftler auf meiner Seite, kann nicht erkennen, dass von einem ordentlich geführten Hotelbetrieb, dass von einer Außengastronomie mit viel frischer Luft und einer ordentliche, digitalen Kontaktnachverfolgung ein gesteigertes Infektionsrisiko ausgeht. Und auch die klassische Gastronomie mit den vorgenannten Möglichkeiten und einer Kontrolle von Abständen, Luftfiltern und all den anderen Hygienemaßnahen wäre sicherlich eine gute und sichere Alternative zu den privaten Treffen in engen Wohnzimmern, die sich, gerade wieder über die Feiertage, gar nicht verhindern lassen.

Unternehmer fühlen sich abgeschrieben

Aber die Perspektive für das Gastgewerbe ist, dass weiterhin hunderttausende Gastgeberinnen und Gastgeber mit ihnen mehr als zwei Millionen ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seit nunmehr fast einem halben Jahr keine Perspektive haben. Ich möchte nicht übermäßig pathetisch klingen, aber der Großteil der Unternehmerinnen und Unternehmer fühlt sich abgeschrieben, verraten und verkauft, im Stich gelassen, hilflos, mutlos und, und ich kann dieses Wort eigentlich nicht mehr hören: perspektivlos.

Keine erneuten Hilfen sondern Kompensation

Ich weiß nicht, wie lange sich der Staat das finanziell noch leisten kann – die Betriebe können es jedenfalls nicht mehr. Der Unwillen oder das Unvermögen, uns eine Öffnungsperspektive zu geben bedeutet nun, dass unsere Unternehmerinnen und Unternehmer weiterhin ein Anrecht auf eine angemessene Kompensation (und ich benutze mit Absicht nicht das Wort Hilfe), also einen Schadensersatz haben, der sich nicht an irgendwelchen willkürlich festgelegten Fixkosten, sondern am Umsatz eines normalen Frühjahrsgeschäftes orientiert. Denn so wird Schadensersatz üblicherweise in Deutschland definiert und festgesetzt: Der entstandene Schaden muss komplett ersetzt werden und das muss die Politik in Bund und Land endlich kapieren und umsetzen.

Lars Martin, stellv. Hauptgeschäftsführer DEHOGA-Westfalen

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