KOMMENTAR ZUM APPELL „MIT SICHERHEIT GUT AUSGEHEN“

Der RuhrkanalNEWS-Kommentar von Dr. Anja Pielorz und Claus J. Barteczko zum Bericht über den Aufruf der DEHOGA

Mein Vorname ist Pommes, mein Nachname Schnitzel. Es gibt Menschen, die genau das in die Kontrolllisten eintragen, die die Gastronomie in der Corona-Pandemie führen muss und die das offenbar wahnsinnig witzig finden. Es gibt Menschen, die gerne ausgiebig mit dem ohnehin be- oder überlasteten Bedienungspersonal über Maskenpflicht und Desinfektion diskutieren. Und es gibt gastronomische Betriebe in der Altstadt, die es mit dem Mindestabstand nicht so genau nehmen und nach dem ein oder anderen alkoholischen Getränk ist das auch bei den Gästen so.

Klar, es gibt Kontrollen durch das Ordnungsamt. Schrieben sie vorher eifrig Knöllchen für Verkehrssünder, steht jetzt die Einhaltung der Coronaschutzverordnung im Mittelpunkt der Kontrollen. Waren es zeitweilig ein Dutzend Mitarbeiter, erklärte Bürgermeister Dirk Glaser(parteilos) in einem Interview mit einem lokalen Medium am 15. Mai, man fahre diese Zahl jetzt wieder zurück und die Mitarbeiter gingen wieder den ursprünglichen Aufgaben nach, die ja auch erledigt werden müssten. Ursprünglich waren übrigens vor der Corona-Pandemie nur fünf Mitarbeiter im Ordnungsamt.

Ob nun fünf, sechs oder zwölf Mitarbeiter – Fakt ist: Wenn ich Regeln aufstelle, muss ich ihre Einhaltung kontrollieren. Einsicht und Verständnis sind schön, aber sie reichen nicht immer aus. Beim ersten Mal kann man verstehen, beim zweiten Mal kann man mahnen und beim dritten Mal muss man handeln. Und das bedeutet in diesem Fall ein saftiges Bußgeld. Dann versteht vielleicht tatsächlich die Gegenseite. Und um zu handeln, muss man eben auch kontrollieren. Nur so lassen sich schwarze Schafe auch finden. Dabei sollte doch eines allen Beteiligten – Gast und Gastgeber – klar sein: Niemand will in den Lockdown zurück. Für die Gastronomie – und nicht nur für sie – wäre es ein Desaster.

Ich möchte immer noch lecker essen und das mache ich auch. Ich besuche auch Kulturveranstaltungen, die mir oft genug mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept sicherer erscheinen, als das planlose Rumlaufen von Gruppen in der Fußgängerzone (gerne übrigens auch als Radfahrer, die oft mit mehr als den erlaubten zehn Personen im öffentlichen Raum unterwegs sind). Corona hat Unsicherheit und Angst gebracht. Corona hat (und macht es immer noch) wirtschaftliche Existenzen gefährdet. Es mag ja sein, dass der ein oder andere die ein oder andere Maßnahme unsinnig findet – doch darum geht es nicht. Es geht um den Respekt gegenüber Menschen, die in Handel, Hotel und Gastronomie arbeiten. Wir können alle mithelfen, ihre Arbeitsplätze etwas sicherer zu machen. Und was die schwarzen Schafe in der Gastronomie angeht: Ich kann verstehen, dass jeder Euro zählt. Aber die menschliche Gier hat auf Dauer noch nie zu etwas Gutem geführt. In diesem Fall führt sie geradewegs in das Schließen des Betriebes.

%d Bloggern gefällt das: