KOMMENTAR: ZU SPÄT GEKÄMPFT

Der RuhrkanalNEWS-Kommentar (Grafik: RuhrkanalNEWS)

Ein Kommentar von Frank Strohdiek zum Erweiterungsbau Gesamtschule an der Langen Horst. (Hier geht es zum Bericht)

Die Gegner des Erweiterungsbaus der Gesamtschule an der Langen Horst hatten fast alle Zuhörerplätze in der Gebläsehalle belegt. Sie hatten zahlreiche Fragen vorbereitet und es war ihnen anzumerken, dass ihnen die schönen, alten Platanen am Herzen liegen. Sollten alle der beeindruckenden Bäume durch die Baumaßnahmen absterben und dauerhaft verschwinden, verlöre der Stadtteil nicht nur ökologisch wichtige Pflanzen. Es verschwänden auch Bäume, die viele seit ihrer Kindheit kennen und die den Parkplatz hinter der Schule zu einem wertvollen Aufenthaltsort machen.

All das haben die Stadtverordneten zur Kenntnis genommen, man kann ihnen glauben, dass sie sich ihre Entscheidung nicht leicht machen, egal wie sie abstimmen. Kann man es den Kindern und Eltern zumuten, nochmal acht bis zehn Jahre zu warten, bis die Gesamtschule genügend zeitgemäße Klassenräume hat? Ist es wirklich in Ordnung unter dem Eindruck des Klimawandels große, alte Bäume zu fällen und weitere zu gefährden? Ist es in Ordnung jahrelange, teure Planungen mit einem Handstrich zunichte zu machen und alles wieder auf Anfang zu stellen? Darf man einen Wohlfühlort dauerhaft beeinträchtigen oder möglicherweise sogar auf immer zu zerstören?

Am Ende stimmt eine deutliche Mehrheit für die bisherigen Planungen, die seit 2018 immer wieder verändert wurden und nun durch Aufträge an verschiedene Bauunternehmen endlich Realität werden sollen. Die Gegner sind darüber mindestens enttäuscht, manche sogar wütend. Das macht sich in nicht akzeptablen Äußerungen in Richtung der Stadtverordneten bemerkbar, die meisten jedoch verlassen wortlos die Gebläsehalle. Ihr Kampf war letztendlich erfolglos. Vielleicht müssen sie sich auch eingestehen, dass sie zu spät aktiv wurden und erst mit ihrem Kampf begannen, als die Ausschreibungen schon vorbereitet wurden. Was auch immer der Grund dafür ist, dass die Gegner mit ihren Forderungen nicht durchkamen, sie sollten auch akzeptieren, dass die Entscheidung demokratisch getroffen wurde und dass zu einer Demokratie auch Niederlagen gehören. Nicht zu einer Demokratie gehört das Recht Stadtverordnete, Mitarbeitende der Stadtverwaltung und Menschen die den Anbau für wichtiger halten, als einige Platanen, zu bedrohen, zu beschimpfen oder zu verleumden.

1 Kommentar zu "KOMMENTAR: ZU SPÄT GEKÄMPFT"

  1. Thomas Griesohn-Pflieger | 21. Juli 2021 um 20:38 |

    Zu spät gekämpft? Der Bau wurde ohne irgendeine Art von Bürgerbeteiligung beschlossen. Ist das Demokratie im 21. Jahrhundert?
    Mal eben den Bauausschuss eine 4-Mio-Ausgabe beschließen lassen, der nur bis 500.000 beschließen darf? Und dann mit dem positiven Beschluss in den Rat wandern. Wurden die Nachbarn angehört? Man weiß es nicht. Wurden vor den Protesten Bürgerinnen angehört? NEIN. Wurden die Belange des Klimaschutzes berücksichtigt? Nein, wurden sie nicht. Wurde sich überhaupt ernsthaft mit den Bäumen auseinandergesetzt? Nein wurde nicht. Dieser kulturlose Beschluss wird, wenn er denn tatsächlich umgesetzt wird, die Parteienlandschaft in Hattingen verändern. Zu wessen Lasten dürfte klar sein.

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