EVANGELISCHE KIRCHE VERZICHTET AUF ALLE GOTTESDIENSTE – SEELSORGERISCHES ANGEBOT

St. Georgs Kirche Hattingen (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen- Es ist das Gebot der Stunde, Verantwortung zu übernehmen und Menschen zu schützen. Während des Lockdowns finden im Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten keine Gottesdienste statt – aber Seelsorge sehr wohl. Wir lassen niemanden alleine – auch und gerade an Weihnachten.“ Man merkt der Superintendentin des Kirchenkreises, Julia Holtz, deutlich an, dass es keine leichte Entscheidung war. Stundenlang haben sie und ihre Kolleginnen und Kollegen in der Evangelischen Kirche von Westfalen gestern konferiert. Die Gottesdienste an Weihnachten abzusagen – das ist ein schwerer Schritt. In der Pfarrkonferenz hier im Kirchenkreis sind sich heute die heimischen Theolog*innen einig: Es führt wohl kein Weg dran vorbei. Zwei Presbyterien tagen noch – alle anderen haben bereits entschieden: Auf Präsenzgottesdienste wird während des gesamten Lockdowns verzichtet…

Seit Wochen und Monaten haben sie geplant, verworfen, gerechnet und neu konzipiert: In allen 17 Gemeinden des Kirchenkreises gab es gut durchdachte, von den Ordnungsbehörden abgenommene Schutz- und Hygienekonzepte für die Durchführung von Gottesdiensten. Haupt- und vor allem auch sehr viele Ehrenamtliche haben für die Weihnachtsfeierlichkeiten in diesem besonderen Jahr nicht nur Lieder einstudiert und besondere Krippenspiele erarbeitet – sondern eben auch Einbahnstraßensysteme und Abstandsregeln geplant oder, wie etwa die Creative Kirche, technisch aufwändige Open-Air-Veranstaltungen geplant. „Da steckt so viel Arbeit drin – es ist wirklich traurig, dass das alles nun nicht stattfinden kann“, beschreibt Pfarrerin Birgit Crone aus Winz-Baak ihre Gemütslage vom gestrigen Abend. Doch dann wird ihre Stimme fest: „Angesichts der Zahlen kann man nicht anders entscheiden. Ich habe schon zwei Corona-Tote beerdigen müssen. Das ist schrecklich.“

Das Recht auf Religionsausübung ist staatlich verbrieft – darum sind Gottesdienste formal nicht verboten in Deutschland. Ein „Gebot der Vernunft“ nennt es allerdings die Superintendentin, in diesen Tagen und aus Respekt vor momentan fast 1000 Corona-Toten pro Tag auf Versammlungen von Menschen möglichst zu verzichten. Ihr besonderer Dank geht an all diejenigen, die haupt- und ehrenamtlich Gottesdienste vorbereitet haben, die nun nicht stattfinden können. „Wir sind alle enttäuscht – aber auch hoffnungsvoll, dass wir uns nach dem Lockdown gesund wiedersehen werden.“

Schon vor dem amtlichen Lockdown hatten alle Gemeinden in Hattingen, Nierenhof, Sprockhövel, Wetter und Witten Online- und Streaming-Gottesdienste für die Weihnachtsfeiertage geplant. Einige kleinere Draußen-Veranstaltungen sollte es geben – etwa einen Stationen-Gottesdienst in Wetter-Wengern. „Vergangene Woche hatten wir dann eine Beerdigung mit vielen Besuchern – und haben da gemerkt, dass sich eine Menschenmenge draußen nicht gut steuern lässt“, erzählt Michael Waschhof, Pfarrer in Wengern. In letzter Instanz entscheiden in der Evangelischen Kirche die Presbyterien – und auch dort haben die Theolog*innen großes Verständnis für die Schließung der Kirchen ausgemacht: „In Stockum haben sich die älteren Ehrenamtlichen gegen einen Präsenz-Gottesdienst in der Turnhalle ausgesprochen“, berichtet Pfarrerin Aletta Dahlhaus. Der Weihnachts-Gottesdienst wurde darum schon am Sonntag aufgezeichnet und wird nun an Weihnachten über die Homepage der Gemeinde verbreitet. Und auch jüngere Gemeindeglieder sehen die Verantwortung: „Bei uns im Presbyterium waren es gerade die Jüngeren, die sich für die Online-Variante ausgesprochen haben“, so Lars Kroll aus der Martin-Luther-Kirchengemeinde. Mit ihrem „Lebenszeichen-Gottesdienst“ auf dem eigenen Youtube-Kanal erreicht die MLKG schon seit Monaten Woche für Woche viele hundert Gläubige.

Aus der Verantwortung für die Gläubigen ziehen sich die Seelsorg*innen natürlich trotzdem nicht zurück. „Die Pfarrerinnen und Pfarrer werden ja nun nicht an den Feiertagen auf dem Sofa sitzen und `Weihnachten bei den Hoppenstedts´ schauen“, betont Julia Holtz. Alle Gemeinden öffnen stundenweise ihre Kirchen , so dass die Christinnen und Christen eine Kerze anzünden, zur Ruhe kommen können. „Unser Baum steht schon jetzt geschmückt in der Kirche“, lädt Bodo Steinhauer aus Winz-Baak alle ein, die in diesen Tagen Spiritualität suchen. Über den Tag verteilt, findet sich immer ein Zeitfenster, allein im weiten Kirchraum zu beten. Dort werden auch die Pfarrerinnen und Pfarrer stundenweise anwesend sein, um Gespräche zu führen; wer mag, kann natürlich auch telefonisch das Gespräch suchen.

„Und natürlich nehmen wir unsere Verantwortung besonders ernst für alle, die in Not, in besonderen Lebenslagen, einsam oder krank sind“, betont Notfall-Seelsorger Oliver Gengenbach. In allen Altenheimen und Krankenhäusern zeigen die Pfarrer*innen Präsenz und können dort sogar – nach einem Schnelltest – kleine Andachten feiern.

Auf der Homepage des Evangelischen Kirchenkreises gibt es eine Übersicht über alle Angebote der Gemeinden. Die Seite wird fortlaufend aktualisiert, welche Online- und Streaming-Angebote die Gemeinden für die Weihnachtstage planen – inklusive aller Links zu den Angeboten.

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