BÜRGERFORUM BEI BIW IN ENNEPETAL

Firma biw in Ennepetal (Foto: Strohdiek)

Ennepetal- Das Unternehmen biw steht seit einigen Wochen unter verschärfter Beobachtung des Ennepe-Ruhr-Kreises. Grund sind Abplatzungen in einigen Schornsteinen der Firma. Diese wurden als weiße Flocken in der näheren Umgebung verteilt. Untersuchungen ergaben, dass diese Rückstände mit pcb-47 belastet sind. „Dieser Stoff entsteht während unserer Produktion“, erklärt Rolf Stoffels, dessen Vater das Unternehmen gründete, den 25 Bürgern die der Einladung zur Informationsveranstaltung gefolgt sind.

Die Bürgerinnen und Bürger kommen aus der Nachbarschaft des Industriegebiets in dem dem biw arbeitet. Sie wollen wissen, was die Firma unternimmt, damit die Belastung mit dem möglicherweise gesundheitsschädlichen Stoff sinkt. Doch vor der Erklärung gibt es eine Führung durch das Werk. Die Ennepetaler bekommen einen kurzen Einblick was und wie bei biw produziert wird. Unter anderem entstehen hier Schläuche für Medizinprodukte, aber auch für Autos. Aus dem Silikon können auch Trinkbecher, Backformen oder andere lebensmittelechte Produkte hergestellt werden. Dazu wird das Rohsilikon zunächst in Form gebracht und dann in Öfen getempert. Das ist eine Art Vulkanisation, nach der die Produkte ihre Form behalten. Und genau der Vorgang des temperns ist es, bei dem pcb-47 entsteht.

Ralf Stoffels und sein Sohn Lutz gehören zur Geschäftsführung des Unternehmens biw (Foto: Pielorz)

„Um den Vorgang einleiten zu können, müssen wir einen sogenannten Vernetzer einsetzen“, erklärt Rolf Stoffels. „Das ist ein Stoffe, der diesen Vorgang erst auslöst. Bisher ist der Vernetzer meistens chlorhaltig gewesen.“ Als Abfallprodukt entsteht dabei das pcb-47. Nachdem der Kreis das Thema entdeckte, wurden das Blut von 44 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens untersucht. Welche Personen dazu ausgewählt wurden, hat das Umweltministerium festgelegt, bzw. das Institut der RWTH Aachen, das die Untersuchungen auch durchführte. „Wir hatten darauf keinen Einfluss“, stellt Stoffels klar. Das Ergebnis ist jedoch erfreulich eindeutig. Alle getesteten Mitarbeiter haben pcb-Werte im Blut, die deutlich unter den Grenzwerten für Schwangere liegen. Sie liegen sogar unter der durchschnittlichen Belastung der Gesamtbevölkerung. „Jeder Mensch nimmt pcb beispielsweise mit der Nahrung auf“, erklärt ein Mitarbeiter des Unternehmens auf die Frage, warum jeder Mensch pcb im Körper hat.

Dennoch hat biw inzwischen Filteranlagen installiert, die verhindern, dass nochmal pcb-belastete Flocken freigesetzt werden. Außerdem hat das Unternehmen begonnen auf chlorfreie Vernetzer umzustellen. Bis zum Jahresende werden auf diese Weise mindestens 70 Prozent des bisher entstandenen pcb in der Produktion ausgeschlossen. Die dann noch vorhandenen maximal 30 Prozent des bisher entstandenen pcb werden durch Filteranlagen zurückgehalten. „Spätestens für das Jahresende 2020 können wir also garantieren, dass wir keine pcb mehr freisetzen“ so Rolf Stoffels.

Die Frage der Bürger, warum nicht gleich alles auf chlorfreie Vernetzer umgestellt wird, ist einfach zu beantworten. Einerseits müssen bei der Verwendung eines anderen Vernetzers erst aufwendige Prüfungen gemacht werden, damit beispielsweise Medizinprodukte eine neue Zulassung bekommen, die Abnehmer in der Automobilindustrie wollen ebenfalls erst testen, andererseits kostet der chlorfreie Vernetzer etwa 30 Prozent mehr und arbeitet rund 20 Prozent langsamer. Insgesamt ist die Herstellung der Produkte also teurer. „Wir müssen also mit unseren Kunden über neue Preise verhandeln“, so Stoffels. Die Garantie, dass in wenigen Monaten kein pcb mehr freigesetzt wird, beruhigt die anwesenden Ennepetaler. Sie verlassen nach eigener Aussage zufrieden mit dieser Information das biw-Werk. Einige wünschen sich allerdings auch, dass aufgearbeitet wird, wieviel pcb in der Vergangenheit freigesetzt wurde und dass eine aus Sicht vieler Anwohner untragbare Geruchsbelästigung beendet wird.

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