AUSSTELLUNG DES WERKSFOTOGRAFEN AN ALTER WIRKUNGSSTÄTTE

Walzenständerguss in der Stahlgießerei, undatiert (Foto: LWL / Kämmner)

Hattingen- 38 Jahre lang hat Karl-Heinz Kämmner als Werksfotograf die Henrichshütte Hattingen „ins Bild gesetzt“. So lautet auch der Titel einer neuen Ausstellung, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab Freitag (1. Oktober 2021) bis 22. Februar 2022 in seinem Hattinger Industriemuseum präsentiert. Mit 50 Fotos gibt die Schau im Sheddach-Gebäude einen Überblick über die unterschiedlichen Bereiche der Werksfotografie auf der „Hütte“. Die Bilder zeigen Einblicke in den Arbeitsalltag, spiegeln die unterschiedlichen Ansprüche an die Werksfotografie wider und lassen gleichzeitig den ästhetischen Blick des Fotografen Karl-Heinz Kämmner erkennen.

Kämmner fing 1957 mit 14 Jahren als Laufjunge auf der Henrichshütte in der Qualitätsstelle an. Tatsächlich hatte er noch nie eine Kamera in der Hand gehabt, als er kurze Zeit später in der Bildabteilung der Hütte eine Ausbildung als Fotolaborant begann. „Das war für mich damals etwas ganz Besonderes“, erinnert sich der heute 78-Jährige. Im Laufe seiner Tätigkeit als Werksfotograf hat Kämmner nicht nur das gesamte Produktionsspektrum der Henrichshütte fotografiert, sondern auch Festivitäten, Unfallsituationen und Transporte von Produkten der Henrichshütte fotografisch dokumentiert.

„Es gibt, glaube ich, auf der Henrichshütte keine Ecke, wo ich als Fotograf nicht gewesen bin“, so Kämmner. Zu den wichtigsten Aufträgen der Fotoabteilung gehörten die Werbefotos: Ob Kurbelwellen, Turbinen oder ganze Atomreaktoren – Aufgabe der Werksfotografen war es, die Produkte „ins rechte Licht“ zu rücken. Auch entscheidende Umbrüche und Ereignisse in der Hüttengeschichte hielt der Werksfotograf mit der Kamera fest. Nach der Schließung der Henrichshütte dokumentierte er schließlich auch die Abbauarbeiten.

135-Tonnen-Stützwalze kurz vor Beginn der Vergütungsbehandlung, 1978 (Foto: LWL / Kämmner)

Die extremen Bedingungen in den Betrieben der Henrichshütte stellten den Fotografen vor besondere Herausforderungen. Hohe Temperaturen und sprühende Funken erschwerten die Arbeit mit Kamera und Blitzgerät. „Karl-Heinz Kämmner verstand es, mit diesen Widrigkeiten umzugehen. Oft gab es für das Gelingen der Aufnahme nur kurze Zeitfenster, und die Möglichkeiten der Nachbearbeitung waren im Zeitalter vor der digitalen Fotografie deutlich beschränkter. So musste der Werksfotograf über entsprechende handwerkliche Fähigkeiten verfügen“, erklärte Ausstellungskurator Dr. Olaf Schmidt-Rutsch am Mittwoch (29. September 2021) bei der Vorstellung der Schau in Hattingen.

Eröffnung am kommenden Freitag

Die Ausstellung wird Freitag (1. Oktober 2021) um 18 Uhr eröffnet. Klaus Baumann, Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung, begrüßt die Gäste. Eine Einführung ins Thema Werksfotografie gibt Dr. Olaf Schmidt-Rutsch. Der Abend wird musikalisch begleitet vom Martin-Zobel-Trio. Der Eintritt zur Ausstellungseröffnung ist frei. Es gilt die 3G-Regel für den Einlass.

Lohnender Begleitband

Ins Bild gesetzt. Karl-Heinz Kämmner – Werksfotograf der Henrichshütte. Hg. LWL-Industriemuseum, Delia Pätzold und Olaf Schmidt-Rutsch, Klartext-Verlag Essen, 2021,
ISBN 978-3-8375-2472-7, Preis: 14,95 Euro

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