WIE SOLLEN ANWOHNER BEIM WEIHNACHTSMARKT KONTAKTE VERMEIDEN?

Der Weihnachtsmarkt in Hattingen (Archivfoto: Holger Grosz)

Ein Leserbrief zu den Planungen in der Altstadt, auf dem Kirchplatz und in Blankenstein wieder Weihnachtsmärkte anzubieten. (RuhrkanalNEWS berichtete) Unser Nutzer Christian Hausen ist damit nicht einverstanden. Der Inhalt von Leserbriefen/Zuschriften spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider. Wir behalten uns vor, Leserbriefe/Zuschriften gegebenenfalls zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung.


Mir wäre es auch lieber wir hätten die Corona Pandemie längst hinter uns gelassen. Auch ich würde gerne wieder unbeschwert shoppen gehen, Konzerte besuchen oder auf dem Hattinger Weihnachtsmarkt Freunde treffen. Und so manch einem sagt das Gefühl, dass haben wir ja auch fast erreicht. Leider trügt dieses Gefühl. Ein einfacher Vergleich des 29. Oktober vom letzten Jahr mit diesem Jahr zeigt wo wir stehen: es sieht schlechter aus als letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt. Letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt lag die Inzidenz in Deutschland bei 99, es waren 1696 Corona-Intensivpatienten und es gab 367 Tote in den vorangegangenen sieben Tagen. Dieses Jahr haben wir bereits eine Inzidenz von 139, 1868 Intensivpatienten und in den letzten sieben Tagen sind 585 Menschen an Corona gestorben. Das ist die Realität.

Und die nahe Zukunft sieht leider noch viel Schlimmer aus. Das Robert-Koch-Institut hat entsprechende Modellrechnungen für den kommenden Winter. Sollten die Menschen bei hoher Inzidenz (die haben wir bereits erreicht) ihr Verhalten nicht ändern, so reden wir auch bei einer Impfquote von 75% (die haben wir noch nicht erreicht) von einer Inzidenz von über 400 und dann natürlich auch von entsprechend vielen Intensivpatienten und Corona-Toten.i

Und eigentlich sollte die Politik, wenn es um tödliche Bedrohungen geht, sich nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern an Tatsachen und wissenschaftlich bewiesenen Fakten orientieren. Aber leider ist die Politik da nicht besonders gut drin. Fragen Sie mal die Wissenschaftler von Science for Future nach der Wirksamkeit der politischen Entscheidungen zur Eindämmung der Klimakatastrophe. Und wenn es in der großen Politik nicht funktioniert, warum sollte es dann kommunal besser aussehen? Unser Bürgermeister misstraut wissenschaftlichen Studien der Corona-Forschung, die er nicht kennt, statt sie einfach zu lesen.ii Und so ist es kein Wunder, dass es dieses Jahr trotz höherer Inzidenz, mehr Intensivpatienten und mehr Corona-Toten wieder einen Weihnachtsmarkt geben wird. Zum Glück nimmt die Stadt den Gesundheitsschutz von Besuchern und Anwohnern ernst: Es wird die 3G-Regel gelten! Statt Einlasskontrollen vertraut man auf die Vernunft der Besucher. Mit anderen Worten, alle Impfgegner und Corona-Leugner werden wohl so vernünftig sein, nicht auf unseren Weihnachtsmarkt zu kommen.iii

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt aktuell nicht notwendige Kontakte zu reduzieren. Aber wie ich das als Anwohner des Kirchplatzes machen soll, wenn um uns vier Wochen lang die weihnachtliche Unvernunft tobt weiß ich nicht.

Christian Hausen

i ZDF

ii WAZ

iii RuhrkanalNEWS

1 Kommentar zu "WIE SOLLEN ANWOHNER BEIM WEIHNACHTSMARKT KONTAKTE VERMEIDEN?"

  1. Bernd Loewe | 1. November 2021 um 19:13 |

    Zitat:“Das Robert-Koch-Institut empfiehlt aktuell nicht notwendige Kontakte zu reduzieren. Aber wie ich das als Anwohner des Kirchplatzes machen soll, wenn um uns vier Wochen lang die weihnachtliche Unvernunft tobt weiß ich nicht.“

    Eine FFP2 Maske tragen, keine Menschen ansprechen und schnell raus aus dem Trubel.

    Allerdings halte ich bei den steigenden Inzidenzen einen Weihnachtsmarkt zu veranstalten bedenklich. Eine große Verantwortung lastet auf den Veranstaltern.

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