VON VIREN, HAMSTERKÄUFEN UND DEM GESUNDEN MENSCHENVERSTAND

Leergekaufte Regale überall (Foto: RuhrkanalNEWS)

Ein Kommentar von Dr. Anja Pielorz

Und, tragen Sie auch schon einen Helm auf dem Kopf? Nein? Sollten Sie aber. Denn es besteht ja ein Risiko, dass Ihnen etwas auf den Schädel fallen könnte. Ungefähr in die gleiche Kategorie einzuordnen sind die Einweg-Atemschutzmasken gegen das Corona-Virus. Eigentlich sind sie in der Wirkung noch niedriger einzuordnen. Ein Helm mag ja wenigstens dann einen Schutz bieten, wenn jemandem tatsächlich etwas auf den Kopf fällt. Die Masken hingegen leisten keinen Schutz, sind aber trotzdem ausverkauft und das zu Wahnsinnspreisen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) bezweifelt die Schutzwirkung von Atemmasken und Mundschutz ebenfalls. Dass ihr Tragen das Ansteckungsrisiko mit Viren wie dem neuartigen SARS-CoV-2 reduziert, sei nicht bewiesen. Atemschutzmasken empfehlen die Experten lediglich medizinischem und pflegerischem Fachpersonal „bei entsprechenden pflegerischen, diagnostischen oder therapeutischen Tätigkeiten am Patienten“. Für Gesunde seien Masken und Mundschutz im Alltag unsinnig, bestätigt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie Bernd Salzberger. Außerdem fällt das Atmen mit einer solchen Maske oft schwer und das wird dann fälschlicherweise mit Atemnot in Einklang gebracht, welches ein Anzeichen von Corona ist.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könne das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, sogar ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, durch das zentrale Hygienemaßnamen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden könnten. Die allerdings hält auch das Robert-Koch-Institut (RKI) für die wirksamste Schutzmaßnahme – nicht nur in Anbetracht des aktuellen Coronavirusausbruchs, sondern auch ob der aktuellen Grippewelle.

Erinnern wir uns mal: Schweinegrippe, Vogelgrippe, Rinderwahnsinn, EHEC, Ebola, Sars – das sind nur die Epidemien und Pandemien, die mir aus der letzten Zeit gerade aktuell einfallen. Ich will das nicht gering reden und in allen Fällen gab es auch Tote. So wie bei der normalen Influenza, also der Grippe – im Übrigen 2017/18 waren es bundesweit immerhin 25.000 Menschen. Tote wohlgemerkt!

Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in all diesen Fällen wie die Wahnsinnigen Nudeln aufgekauft haben. Auch Toilettenpapier ist in Holthausen gerade bei den Lebensmittelmärkten nicht zu bekommen. Aber auch der Suche nach den kostbaren Blättern kommt man wenigstens schnell in launige Gespräche. Obwohl – seien wir mal ehrlich – drastisch gesagt: Das Scheißen sollte das geringste Problem darstellen. Den Hintern bekommt man auch mit einem Waschlappen wieder sauber und den sollte man ja im Schrank haben.

Leeres Nudelregal im Supermarkt (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hamsterkäufe sind meiner Generation fremd – ich bin Jahrgang 1964. Aber ich bekomme so ungefähr eine Ahnung, was in Menschen vorgehen muss, in deren Ländern Krieg herrscht oder zumindest droht. Der allerdings scheint mir eher mit der Gefahr um Leib und Leben verbunden als das, was wir hier gerade zelebrieren. Das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, nennt das RKI allerdings nach wie vor „gering“. So müsse in Deutschland zwar mit weiteren Fällen gerechnet werden; eine weltweite Ausbreitung des Erregers scheine zunehmend wahrscheinlich. Aber es gebe, so die Virusspezialisten, immer noch keine Hinweise auf irgendeine lebensgefährliche Katastrophe. Dies schon deshalb nicht, weil in über achtzig Prozent der Erkrankungen Corona nicht mehr verursacht als eine Erkältung.

Ein hygienisches Verhalten, verbunden mit dem Achten auf gesunde Ernährung, ist zweifelsohne für jeden Bürger eine gute Sache – doch das hat nix mit Corona zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand.

Eine andere Sichtweise innerhalb der Redaktion lesen Sie im Kommentar von Frank Strohdiek

4 Kommentare zu "VON VIREN, HAMSTERKÄUFEN UND DEM GESUNDEN MENSCHENVERSTAND"

  1. Bernd Loewe | 1. März 2020 um 11:24 |

    Wunderbarer Kommentar, mein Grinsen wurde immer breiter. Ob ich jetzt sicherheitshalber Waschlappen hamstern sollte?

  2. Dr. Anja Pielorz | 1. März 2020 um 13:21 |

    Gute Laune ist wichtig – und hoffentlich ansteckender als ein Virus, wie auch immer es heißen mag!!!!

  3. Wolfgang Halm | 1. März 2020 um 14:19 |

    Ich habe diese Hamsterrei selbst mitbekommen,da kann man nur mit den Ohren schlackern.Bernd den Waschlappen kann man wieder auswaschen. Denke an deine Kindheit siehe Windeln

  4. Dr. Anja Pielorz | 1. März 2020 um 15:54 |

    Die „Welt“ meldet, Büchsenbrot erlebe sein Comeback. Hatte ich gar nicht mehr im Gedächtnis, dass es sowas in Deutschland überhaupt noch gibt. Kann man mal sehen, wohin irrationales Herdenverhalten den Menschen führt. Vielleicht gibt es ja bald neue Kochrezepte???

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