VON CORONA, SCHUTZMASSNAHMEN UND WISSENSCHAFT

Corona-Virus (Grafik: US Centers for Disease Control and Prevention)

Ein Kommentar von Frank Strohdiek

Seit einiger Zeit versetzt die Nachricht eines neuen Virus` aus dem Stamme der Corona Wissenschaft und Politik in Aufregung. Das neuartige Virus hat einen wissenschaftlichen Namen bekommen: SARS-Co-2. Dieser Name zeigt, er gehört zu den Erregern, die in Mutation jedes Jahr die echte Grippe auslösen. Die Rede ist hier nicht vom grippalen Infekt, den viele mit „Ich habe Grippe“ beschreiben, obwohl es nur eine Erkältung ist.

Die Krankheit wird zuerst von einem Arzt in der chinesischen Stadt Wuhan beschrieben. Ihm ist aufgefallen, dass ungewöhnlich viele Menschen sterben, die mit Grippe-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Er schlägt Alarm und wird von den örtlichen Behörden zunächst als Unruhestifter bezeichnet und inhaftiert. Schnell stellt sich heraus, das seine Beschreibungen nicht übertrieben sind. Inzwischen ist dieser Arzt übrigens an einer Infektion mit SARS-Co-2 gestorben. China reagiert, wie es so nur in einem totalitären Staat möglich ist.

Millionenstädte werden abgeriegelt, innerhalb weniger Tage wird aus Fertigbauteilen ein neues Krankenhaus für 1.000 Menschen hochgezogen und in Betrieb genommen. Dennoch steigen die Patientenzahlen ebenso wie die Todeszahlen. Offizielle Mitteilungen chinesischer Behörden lassen auf eine Sterberate von etwa 2,5 Prozent schließen. Selbst wenn diese Zahlen nicht überprüfbar sind und die Stimmen, die den chinesischen Behörden wahlweise „Panikmache“ oder „Beschönigung“ vorwerfen, sich die Waage halten: Diese Mortalitätsrate liegt deutlich über dem, was die jährliche Influenza-Welle normalerweise zu bieten hat. Die „normale“ Influenza hat Sterberaten von 0,1 bis 0,4 Prozent. Die Todesraten beim neuartigen Corona-Virus sind mit 2,5 Prozent übrigens ziemlich genau so hoch wie bei der Grippe-Pandemie von 1917/1918, die in Deutschland bis heute oft als „Spanische Grippe“ bezeichnet wird.

Nun melden sich in den sozialen Medien immer mehr Menschen zu Wort, die „den Medien“ und „der Politik“ Panikmache vorwerfen und behaupten, es werde Hysterie geschürt. Schließlich gebe es ja kaum Erkrankungen in Deutschland und auch weltweit sei Corona eigentlich mit Grippe-Zahlen nicht zu vergleichen. Einige Tausend hier, mehrere Millionen dort.

Behörden und Medien müssen warnen

Ja, das ist sicher richtig, aber umgekehrt wird ein Schuh daraus. Nur durch das konsequente Eingreifen der chinesischen Behörden wurde die großflächige Ausbreitung verhindert. In Deutschland werden erkrankte Meschen unter Quarantäne gestellt, deren Kontaktpersonen möglichst lückenlos untersucht. Die meisten Medien berichten sachlich, informieren über Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts oder geben auf lokaler Ebene die Erkenntnisse der örtlichen Behörden weiter. Das ist einerseits das was von ihnen erwartet werden kann und andererseits natürlich auch Ausgangspunkt dafür, dass sich viele Menschen wieder daran erinnern, dass niesen in die Armbeuge weniger eine Frage der Ettikette ist, als vielmehr grundlegend wichtige Gesundheitsvorsorge. Dieses konsequente Eingreifen hat sich übrigens bei der Vogelgrippe ebenso bewährt, wie bei SARS oder anderen Pandemien der vergangenen Jahre. Sie wurden so immer rechtzeitig eingedämmt, eine großflächige Ausbreitung verhindert.

Dass sich Haushalte aktuell mit einem Grundvorrat an lang haltbaren Lebensmitteln eindecken ist sicher auf eine Fehlinterpretation der oben erwähnten, propagierten Vorsichtsmaßnahmen zurückzuführen. Andererseits wird durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastophenhilfe immer empfohlen vorzusorgen. Dabei geht es gar nicht um die großen, globalen Katastrophen, sondern um Vorsorgen für den Fall, dass beispielsweise mehrere Tage der Strom ausfällt oder Supermärkte wegen Schnee nicht beliefert werden können. Man muss nicht besonders alt sein, um sich an beide Szenarien noch erinnern zu können.

Übrigens sind die, die gerade am lautesten schreien, dass Medien und Politik Panik verbreiten, oft genug die gleichen Personen, die sonst behaupten Medien und Politik würden Dinge verschweigen. (Ich weiß jetzt schon, dass dieser Satz wieder bewusst missverstanden werden wird, deshalb ganz deutlich: „oft genug“ bedeutet nicht, dass jeder Kritiker der Corona-Berichterstattung zu der zweiten Gruppe gehört.) Im übrigen gilt, wie bei den meisten Dingen im Leben, dass man Warnungen beachten kann, aber nicht muss. Wer glaubt, dass die Gefahr durch das neue Corona-Virus zu vernachlässigen ist, macht weiter wie bisher. Wer die Gefahr für real hält, beachtet die Warnungen der Behörden und handelt entsprechend. Wie weit das Wort „entsprechend“ zu fassen ist, bleibt jedem Menschen selbst überlassen. Das ist ja das schöne an einer Demokratie.

Zur Demokratie gehört auch, dass jeder die Quellen seiner Informationen selbst wählen kann. Das kann das Robert-Koch-Institut sein, Mitteilungen der Bundesbehörden, Presseberichte oder auch eine der verschiedenen, oft obskuren Vorlesungen der youtube-Universität. Oder irgendwas dazwischen.

Eine andere Sichtweise innerhalb der Redaktion lesen Sie im Kommentar von Dr. Anja Pielorz

3 Kommentare zu "VON CORONA, SCHUTZMASSNAHMEN UND WISSENSCHAFT"

  1. Vom 19/02 bis zum 03/3/220 waren wir selbst zum chinesischen Neujahrsfest in Südchina (Province Hunan, Kreis Lanshan) und haben somit den Beginn der Reaktion zum Coronavirusausbruch von Chinas Regierung miterlebt.
    Von diesem Zeitpunkt an wurde wirklich alles getan um die Ausbreitung einzudämmen.
    Hier muss man verstehen das es in China Tradition ist von allen Ecken Chinas (ja der Welt), für circa 14 Tage nach Hause zur Familie und in den Heimatort zu fahren.
    Das macht natürlich eine Eindämmung fast unmöglich.
    Über vor und Nachteile oder Preferencen von Staatssystemen diskutieren wir hier nicht, also lassen wir das einmal komplett aussenvor.
    Geschäfte, Supermärkte und Restaurants wurden geschlossen, größere Menschenansammlungen (Beerdigungen, Hochzeiten, Konzerte usw.) wurden untersagt (nur im kleinen Familienkreis erlaubt).
    Man kam ohne Temperaturkontrolle nicht aus den Dörfern oder in die Stätte oder über die Grenze. Überall in China und Hong Kong wurde desinfiziert, man kann auf keinen Busbahnhof ohne Temperaturkontrolle, in kein Hotel, in keines der wenigen noch offenen Hotelrestaurants, selbst auf den Autobahnen wurde all paar hundert Kilometer der wenige Verkehr auf einen Rastplatz umgeleitet und jedem die Temperatur gemessen. Man kam in kein Flughafengebäude, Bahnhofsgebäude oder Fährenterminal und beim einsteigen das gleiche noch einmal.
    Jeder der über 37,3 Grad Temperatur anzeigte wurde in Quarantäne genommen und isoliert.
    Man kann über die Wirksamkeit von Gesichtsmasken unterschiedlicher Meinung sein, sollte aber bedenken das es in China Tradition hat, wenn jemand erkältet ist eine solche Atemmaske (aus Höflichkeit und um andere nicht anzustecken) zu tragen. Ich für meinen Teil kann verstehen warum in einem so Bevölkerungsreichen Land wie China die Regierung das jedem zum Tragen einer solchen Atemmaske verpflichtet hat.

    Man sollte sich einmal meine perplexe Überraschung vorstellen als, auf unserem Rückweg nach Irland (wo wir leben) bei unserer Zwischenlandung in Istanbul keinerlei Vorsichtsmaßnahmen zu sehen waren. Noch erschreckender war das als wir in Dublin (Irland, EU) landeten weder eine Temperaturkontrolle, noch eine Ansage das Passagiere die in oder über China kamen (oder in Wuhan waren) sich doch bitte bei der anwesenden Gesundheitsbehörde zwecks Temperaturkontrolle melden sollten. Wenigstens eine Ansage das Passagiere die sich mit folgenden Symptomen … unwohl fühlten bitte folgende Maßnahmen ergreifen sollten.
    Aber ABSOLUT nichts dergleichen!!!
    Nur in den irischen Medien wurde Panikstimmung geschürt, so weit sogar das die Schulleitung der Schule meiner Tochter uns kontaktierte und wollte das ich eine ärztliche gesundheitliche „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ vor neuantritt der Schule beibringe.
    Es ist der Staat der seine Bürger schützen soll und anstelle immer wieder den Finger für alle möglichen Angelegenheiten auf China zu richten, wären wir in diesem Fall bestimmt besser beraten gewesen Chinas Beispiel schnellst möglich zu folgen und nicht nur zu reden sondern spezifische Maßnahmen zur Sicherheit unserer Bevölkerung zu ergreifen

  2. Barteczko/Strohdiek | 1. März 2020 um 16:26 |

    Vielen Dank für Ihre Schilderungen aus erster Hand darüber, wie in China mit der Krankheit umgegangen wird. Das was Sie aus China beschreiben, wäre momentan als „Panikmache“ der Behörden dargestellt, würde es Deutschland so handhaben.

  3. Stimmt genau.
    Ein wenig panisch haben wir uns immer gefühlt, wenn wir an Straßensperren auf Rastplätzen zur Temperaturkontrolle aussteigen mussten und Specialpolizei bewaffnet mit Maschinenpistolen neben gepanzerten Fahrzeugen uns beobachtete.
    Ich erinnere mich noch zu gut an eine Kontrolle wo wir uns auf dem Gehweg aufreihen mussten und fast der halbe Bus bei der Kontrolle aussortiert wurde.
    Ich war der einzige der aufmüpfig (bin halt gebürtiger Westfale/Hattinger) wurde (obwohl meine Bekannten mich zur Ruhe drängten) und mich bescherte das diese Messungsergebnisse unsinnig seien da wir alle mit dem Gesicht zur Sonne und in der vollen Sonne aufgereiht worden waren (gemessen wurde auf der Stirn).
    Daraufhin hat ein höherer Polizeioffizier sich die Sache angehört, die Doktorin wurde zurechtgewiesen und wir durften uns dann im Schatten des Busses noch einmal aufreihen und nach 3 Minuten wurde noch einmal gemessen und alles war OK.
    Mir/uns ist ein Stein von Herzen gefallen.
    Auch ich habe die ganzen Sprüche über das „ganze Theater“ mit Sars und der Schweinegrippe und dann ist in Europa doch nichts passiert schon des Öfteren gehört.
    Aber ehrlich mir sind diese äußerst unbequeme Vorsichtsmaßnahmen, die sich vielleicht irgendwann einmal als nicht nötig erweisen könnten, lieber als nachheriges „ach hätten wir doch nur“ Geplapper.

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