BLUTSPENDE: HELFER AM LIMIT

Blutspende in Hattingen (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen- Im Körper eines erwachsenen Menschen zirkulieren zwischen fünf und sieben Liter Blut. Vier bis sechsmal im Jahr – je nach Geschlecht – kann ein Erwachsener Blut spenden. Maximal ein halber Liter wird von dem Lebenssaft abgezapft. Die Blutspende ist wichtig. Künstliches Blut gibt es im Film, im realen Leben kann nur der Körper selbst Blut bilden. Blutspender retten also Leben. Doch damit der Termin zustande kommt, müssen neben den Spendern auch genügend ehrenamtliche Helfer zur Verfügung stehen. Und genau da liegt das Problem.

Das DRK-Haus in der Hattinger Talstraße. Jeden Monat findet hier eine Blutspende statt. Bis zu neunzig Personen, manchmal sogar mehr, kommen regelmäßig. In nur wenigen Minuten spenden sie bis zu einem halben Liter Blut. Danach dürfen sie sich ausruhen und sich am Buffet verköstigen. Denn in Hattingen sind die Zeiten der kleinen Schnittchen nach einer Blutspende längst Vergangenheit. Woanders gibt es sie durchaus noch: Brötchen oder auch mal einen fix und fertig angerichteten Teller. In Hattingen hat man gute Erfahrungen gemacht mit dem Buffet, konnte sogar die Zahl der Blutspender durch gute Essensangebote erhöhen. In Zeiten der elektronischen Medien spricht sich schnell herum, was der Markt so hergibt.

Die Gynäkologin Dr. Nicola Höner, zugleich Vorsitzende vom Hattinger DRK, ist vor Ort, wenn das Blut fließt. Vor jeder Blutspende wird in einem Arztgespräch der aktuelle Gesundheitszustand des Spenders geklärt. Das geschieht außerdem über einen Fragebogen, der bei der Anmeldung vor Ort ausgehändigt wird. Schließlich ist es wichtig, die Spendetauglichkeit festzustellen. Ist das geschehen und das Ergebnis gut, steht der Spende nichts mehr im Wege. Welche Blutgruppe der Spender hat, ist dabei übrigens völlig egal.

Die RuhrkanalNEWS Reportage vom Blutspendetermin in Hattingen

Bei der Anmeldung sitzen ehrenamtliche Helfer. Andere wiederum haben gelieferte Brötchen geschmiert oder kümmern sich um die Würstchen, den Kuchen oder andere Leckereien. In der Küche herrscht Hochbetrieb – zumindest bei den anstehenden Aufgaben, eher weniger bei den helfenden Händen. Davon gibt es nämlich in der Regel nicht so viele. „Ich arbeite hier seit 2012 mit und führe auch eine Liste, wer zu welchem Blutspendetermin als Helfer zur Verfügung steht“, erklärt Heinz-Josef Hermey. Viel Auswahl hat der rüstige Rentner nicht, denn mehr als fünf oder sechs Personen, die helfen, gibt es im DRK Hattingen für diese Termine nicht. „Viel zu wenig“, sagt Geschäftsführer Andreas Hahn. Wenn jemand krank wird oder selbst Urlaub hat, wird es besonders eng. Vor allem der letzte Termin vor Weihnachten ist immer mit hohem Risiko verbunden.

In Deutschland werden nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung täglich rund 15.000 Blutspenden benötigt. Doch die Zahl der Spenden ist rückläufig. Im Zeitraum von 2011 bis 2018 sank nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts die Zahl der Spenden um 18 Prozent auf weniger als vier Millionen Vollblutspender. Das hängt vor allem mit der immer älter werdenden Bevölkerung zusammen. Nach Erreichen der Altersgrenze von 68 Jahren kommen viele Menschen als Spender nicht mehr infrage. Noch schneller tickt die Uhr bei den Helfern. „Die Zahl der Blutspender macht uns in Hattingen im Moment nicht so große Sorgen. Aber wir können die Blutspendetermine ohne Helfer nicht halten“, sagt Andreas Hahn. Neben den Terminen in der Hattinger Innenstadt gibt es übrigens auch noch zwei Termine in Welper und vier weitere in Niederwenigern. Eine Aufwandsentschädigung kann es aus der Sache heraus schon nicht geben. Blutspende und Helferdienst sind schließlich ein Dienst für den Menschen und die Gesellschaft. Blut zu spenden ist ein Akt der Solidarität und bei der Spende zu helfen irgendwie auch. Die ehrenamtliche Arbeit als Helfer ist nicht schwer. Je nach Einsatz sitzt man an der Anmeldung, versieht seinen Dienst in der Küche oder kümmert sich um die Blutspender. Der Helfer schaut nach dem Rechten und informiert notfalls den anwesenden Arzt. Voraussetzungen für seine Tätigkeit gibt es nicht. Allenfalls Motivation. Ein Erste-Hilfe-Kurs schadet natürlich nicht, aber den kann man auch später machen. Für DRK-Mitglieder ist er übrigens kostenlos.

Warum die Zahl der Helfer so gering ist, darüber macht sich Christof Freisen, Referent Öffentlichkeitsarbeit Blutspendedienst West, seine eigenen Gedanken. „Die Abnahme der Teilnehmer im Ehrenamt gibt es überall. Das ist ein Thema bei allen Hilfsorganisationen, bei vielen Vereinen. Wir haben in der Politik angeregt, sich mit dieser Herausforderung zu beschäftigen und nach Lösungen zu suchen. Ohne Helfer kann es keine Blutspendetermine geben. Und was soll dann geschehen?“ Auch Andreas Hahn sagt unumwunden: „Wir kämpfen hier um das Überleben.“ Finden sich keine Helfer, müssen Blutspendetermine ausfallen. Fallen sie aus, kommt es zu weniger Blutspenden. Weniger Blutspender führen zu Engpässen in der Versorgung der Bevölkerung. Wer ein paar Stunden Zeit erübrigen kann – noch nicht einmal jeden Monat – der kann sich direkt beim DRK Hattingen melden unter Telefon 02324/201111.

Hier die nächsten Blutspendetermine DRK Hattingen:

DRK Talstraße 22, jeweils 15 bis 19.30 Uhr immer an einem Mittwoch: 18. März, 15. April, 20. Mai, 17. Juni, 15. Juli, 19. August, 16. September, 21. Oktober, 18. November und 23. Dezember. Außerdem kann gespendet werden am 3. März und 29. September, jeweils dienstags von 15.30 bis 18.30 Uhr in der Gesamtschule Welper sowie am 21. April, 23. Juni und 6. Oktober, auch jeweils dienstags, von 15.30 bis 19 Uhr in Niederwenigern, Katholisches Pfarrheim St. Mauritius, Rüggenweg 19 (Mehrzweckhalle).

Fotostrecke Anja Pielorz:

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