OFFENE BRIEFE WERDEN BISCHOF OVERBECK ÜBERGEBEN

Die Gemeinde St.-Peter-und-Paul beteiligt sich an der Aktion "Klagemauer" (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen- Skandale, sexueller Missbrauch und ein veraltetes Menschenbild haben zu vielfacher Frustration über die katholische Kirche beigetragen. Deshalb hat die katholische Pfarrei St. Peter und Paul Hattingen Anfang Februar ihre Aktion „Klagemauer“ gestartet.

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Der Pfarrgemeinderat, der die Klagemauer-Idee entwickelte, hat nun aktuell entschieden, alle Rückmeldungen an den Essener Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck zu übergeben. Das soll gemeinsam mit einem Brief geschehen, in dem die haupt- und ehrenamtlichen Vertreter aus der Pfarrei dem Bischof versichern, dass sie seine Bemühungen um wirkliche Veränderungen in der Kirche, zum Beispiel auf dem synodalen Weg, unterstützen. „Gleichzeitig möchten wir ihm unsere Bereitschaft zeigen, aktiv dabei mitzuwirken“, so die Vertreter des Pfarrgemeinderats zu ihrer Entscheidung, „als Pfarrgemeinde wollen wir alles dafür tun, um der Kirche ein glaubwürdiges Gesicht zu geben.“

Bis Aschermittwoch können Menschen aus den Gemeinden und darüber hinaus noch ihre Gedanken und Gefühle rund um das Thema Kirche an den „Klagemauern“ hinterlassen, die in den offenen Kirchen der Pfarrei aufgebaut worden sind. Auf ausliegenden Karten können sie notieren, was sie unzufrieden, traurig, ängstlich oder wütend macht und sie an der Klagemauer aufhängen oder anonym in einen extra aufgehängten Briefkasten werfen.

Auch online ist eine anonyme Beteiligung auf der Webseite der Pfarrei möglich. An dieser „digitalen Klagemauer“ werden auch die Beiträge aus den Kirchen nach und nach veröffentlicht.

Die Beiträge der Menschen an den Klagemauern werden in einen Abschlussgottesdienst am Aschermittwoch (2. März 2022) um 19.30 Uhr in der Kirche St. Peter und Paul aufgenommen. Unter anderem ist ein Lichterzug in Planung. Als Zeichen der Organisatoren vom Pfarrgemeinderat (PGR), dass die Gedanken und Meinungen der Menschen ernst genommen werden und nicht hinter verschlossenen Türen landen. Als Zeichen, dass „wir rausgehen zu den Menschen, zu denen, die uns wichtig sind“ – mit Lichtern als Zeichen der Hoffnung für eine innere und äußere Wandlung der Kirche. „Für unsere zukünftige Arbeit möchten wir uns an den Äußerungen der Menschen an den Klagemauern orientieren, um Vertrauen wiederzugewinnen“, so der PGR.

Das haben Menschen an die Klagemauern in den offenen Kirchen der Pfarrei oder an die digitale Klagemauer geschrieben:

„Ich bin wütend, traurig und frustriert über die Diskriminierung von Menschen, deren Sexualität nicht den Normen entspricht, die die Kirche festgelegt hat.“

„Ich finde, wer die Kirche verändern will, muss Mitglied sein.“

„Ich bin enttäuscht, dass Frauen in der Kirche noch immer nicht zu Weiheämtern zugelassen werden und ihr Einsatz nur als Hilfsdienste für Priester gesehen wird.“

„Kindesmissbrauch gehört strafrechtlich verfolgt, ohne Ansehen der Person.“

„Die katholische Kirche hat Schuld auf sich geladen. (…) Ich habe keine Zweifel im Glauben, aber mich quält der Gedanke, ob ich austreten soll.“

„Bei den vielen Missbrauchsfällen und Verfehlungen der Priester (…) können wir verstehen, dass unsere Jugend sich leider von der Kirche abwendet.“

„Ich wünsche mir eine Kirche, die glaubwürdig ist. Wo auch die geistlichen Oberhäupter sich an die 10 Gebote halten.“

„Allein schon dieser neue Weg, alle Gedanken und Bedenken in Form einer Klagemauer vortragen zu können, gibt Hoffnung auf einen möglichen erfolgreichen Neubeginn in unserer Kirche.“

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