NEUJAHRESEMPFANG 2.0

Hattingen- Es ist die Neuauflage eines festen Termins im Hattinger Jahreskalender und doch ganz anders, als einige erwartet haben. Unter Dagmar Goch war der Neujahrsempfang eingestellt worden, da eine verschuldete Stadt wie Hattingen sich eine derartige Veranstaltung finanziell nicht leisten kann. An der Finanzsituation hat sich nichts geändert. Dass es dennoch einen Neujahrsempfang in der Henrichshütte gibt, ist Alfred Schulte-Stade zu verdanken. Der Unternehmer, ohne den es auch den „Nostalgischen Weihnachtsmarkt“ nicht gäbe, finanziert die Verpflegung der Gäste und die Dekoration der Gebläsehalle.

Die Neuauflage des Empfangs ist dennoch ganz anders, als unter Dagmar Goch. Dort waren seinerzeit vor allem Vertreter der heimischen Mittelständler vertreten, die sich hier ungezwungen kennenlernen und vernetzen konnten. Unter der Regie von Alfred Schulte-Stade wandelt sich der Neujahrsempfang in eine Art Ehrenamtsfest. Wirtschaftsvertreter sind hier eindeutig in der Minderheit.

Den Auftakt machen mehrere Chöre, die in einer Art „Flashmob“ zur und auf die Bühne strömen und mit drei Liedern den offiziellen Teil der Veranstaltung einleiten. Zuvor haben Mitarbeiter der Stadtverwaltung alle Hände voll zu tun, um an die 1.000 geladenen Gäste Namenschilder auszuteilen. Währenddessen haben die Chöre bereits „inoffiziell“ für dezente Hintergrundmusik gesorgt. Alle Gäste werden vom Bürgermeister und seiner Stellvertreterin Ulrike Brauksiepe begrüßt. Stellvertreterin Margret Melsa ist wegen eines Trauerfalls verhindert.

Viele Unterhaltungen beim Bürgerempfang 2016 in der Gebläsehalle (Foto: Björn Fry /RuhrkanalNEWS)

Viele Unterhaltungen beim Bürgerempfang 2016 in der Gebläsehalle (Foto: Björn Fry /RuhrkanalNEWS)

Kurz darauf begrüßt Dirk Glaser die Anwesenden noch einmal von der Bühne und leitet direkt über zum rund vierminütigen Jahresrückblick den RuhrkanalNEWS produziert hat. Nach diesem „schönen Einstieg kann man glauben, in Hattingen ist alles in Ordnung. Das ist es aber nicht!“, beginnt Dirk Glaser seine darauf folgende Rede. Er legt offen und ungeschminkt die Lage der Stadt dar, verteidigt erneut die Erhöhung der Grundsteuer und rechnet ab mit den Belastungen die immer wieder von Land und Bund auf die Kommunen abgewälzt werden. Die Rede in voller Länge können Sie hier nachlesen.

Flüchtlinge beeindrucken auf der Bühne

Ein emotionaler Höhepunkt ist das Gespräch des Bürgermeisters mit drei jungen Flüchtlingen, die erst vor wenigen Monaten nach Deutschland gekommen sind. Der Mut bereits nach so kurzer Zeit für ein Gespräch auf der Bühne zur Verfügung zu stehen, imponiert vielen Menschen in der Gebläsehalle der Henrichshütte. Genau so, wie die erstaunlich guten Deutschkenntnisse der jungen Leute. Die syrischen Brüder Daoud Watti (19 Jahre) und Awat Watti (16 Jahre) und der 16-jährige Syrer Hassan Digar schilderten ihre positiven Erfahrungen, die sie in Hattingen sammeln konnten. Die wirklich elementaren Dinge die sie dabei beschreiben, machen deutlich welchen Gefahren sie entkommen sind. Sie freuen sich über die Hilfsbereitschaft die erfahren haben und die Tatsache, dass sie hier ohne Lebensgefahr auf die Straße gehen können. „Wir wollen vor allem besser Deutsch lernen.“ antworten sie auf die Frage des Bürgermeisters zu den nächsten Zielen. Auch wenn die drei jungen Syrer es nicht explizit sagen, wird deutlich, dass sie ihre Zukunft in Deutschland sehen und hier möglichst schnell arbeiten wollen, um auf eigenen Beinen zu stehen.

Auch Said Davari aus dem Irak nutzt das Gespräch mit Dirk Glaser, um sich für die freundliche Aufnahme zu bedanken. Der 48-Jährige ist seit 17 Monaten mit seinem 14 Jahre alten Sohn in Hattingen. Er freut sich, dass seine Frau und seine Tochter bald die Möglichkeit haben werden nachzukommen.

Nach diesen wirklich beeindruckenden Gesprächen ist der offizielle Teil der Veranstaltung beendet. Für die vielen Gäste gibt es Grünkohl mit Mettwurst. Und noch lange stehen die Menschen zusammen und nutzen den Empfang, um sich kennenzulernen und neue Kontakte zu knüpfen, aber auch um mit alten Bekannten zu reden. Also eigentlich ist doch alles so, wie es unter Dagmar Goch auch war.

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