LUFTREINIGUNGSGERÄTE HELFEN NICHT

Weiltor-Grundschule in Hattingen (Foto: Barteczko)

Hattingen- Eltern und Schulleitung hatten sich vor einigen Tagen mit einem offenen Brief an die Stadt gewandt und darin die aus ihrer Sicht unzureichende Ausstattung mit Luftreinigungsgeräten angeprangert. (RuhrkanalNEWS berichtete) Diese Mängel wurden von zwei Müttern gestern Abend (23. September 2021) auch im Haupt- und Finanzausschuss vorgetragen.

Zu diesem Vorwürfen nahm Bürgermeister Dirk Glaser (parteilos), gemeinsam mit Niels Brüggemann (stellvertretender Leiter der Schulverwaltung), im Rahmen einer Pressekonferenz Stellung. „Ich kann die Sorgen der Eltern verstehen und auch, dass sie selbstverständlich das Beste für ihre Kinder verlangen“ stellt Dirk Glaser gleich zu Beginn klar. „Aber die Luftreiniger haben kaum einen Effekt, am Lüften führt nichts vorbei.“ Das liegt an verschiedenen Faktoren. Der wichtigste ist demnach, dass Luftreinigungsgeräte kaum Luftbewegung verursachen. Das hat dann zur Folge, dass nur ein kleiner Teil der Luft in Klassenräumen gereinigt wird.

„Kinder die weiter entfernt vom Luftreiniger sitzen, wären dann weiterhin einer unter Umständen sehr hohen Viren- oder Bakterienbelastung ausgesetzt“, bestätigt Niels Brüggemann. Bereits sehr frühzeitig habe sich die Stadt mit dem Thema auseinandergesetzt. Luftreinigungsgeräte sind nach Erkenntnissen der Stadt bestenfalls in sogenannten Kategorie II Räumen sinnvoll. Darunter fallen Klassenzimmer, in denen Fenster zum Beispiel nur „auf Kipp“ gestellt werden können oder die ausschließlich über Oberlichter verfügen.

Man müsse in der Diskussion außerdem zwischen Lüftungs- und Luftreinigungsgeräten unterscheiden. Lüftungen sind fest eingebaut und beispielsweise bei Neubauten in Hattingen direkt mit eingeplant. Eine Nachrüstung in bestehenden Gebäuden sei allerdings häufig nicht oder nur mit sehr großem Aufwand möglich. Luftreinigungsgeräte sind mobile Apparate, die schnell aufgestellt werden könnten. Aber in den meisten Schulen würde der gleichzeitige Betrieb derartiger Apparate in allen Klassen die Stromleitungen in den Schulen überfordern. „Außerdem werden sie schnell störend laut, wenn eine größere Menge Luft gereinigt wird. Das ist im Unterricht nicht sinnvoll“, so Glaser. „Wir kommen ums Lüften nicht herum. Da ist nach wie vor die sicherste und effektivste Methode um eine Virenbelastung gering zu halten.“

Bürgermeister Dirk Glaser (parteilos) im RuhrkanalNEWS-Interview zu Luftreinigungsgeräten

Die Hattinger Schulen wurden nach Angaben der Stadt mit 80 CO2-Ampeln ausgestattet. Außerdem stehen in den Räumen der Kategorie II Luftfiltergeräte. Trotzdem sollen Vertreter des Bauverwaltung, der Schulverwaltung und der Feuerwehr erneut die Hattinger Schulen besuchen und gemeinsam mit den jeweiligen Schulleitungen prüfen, ob noch mehr Luftreinigungsgeräte sinnvoll sein können. „Aber wir müssen auch prüfen, wie hoch der Wartungsaufwand ist. Denn unzureichend gewartete Luftreiniger sind am Ende schlechter, da sie zu Bakterienschleudern werden“, so Bürgermeister Dirk Glaser.

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