KONJUNKTURERWARTUNGEN IM RUHRGEBIET POSITIVER ALS BEFÜRCHTET

Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet in Bochum (Foto: IHK)

Ruhrgebiet- Das ganz tiefe Tal schien durchschritten – aber seit dem Krisengipfel im Kanzleramt am 28. Oktober kann man nur hoffen, dass der zweite Shutdown in diesem Jahr nicht alle Prognosen zur Makulatur werden lässt: Im Oktober bewerteten die Unternehmen im mittleren Ruhrgebiet ihre aktuelle Geschäftslage und deren künftige Entwicklung „nicht ganz so negativ, wie man das hätte befürchten können“, fasst IHKHauptgeschäftsführer Eric Weik die Ergebnisse der HerbstKonjunkturumfrage der IHK Mittleres Ruhrgebiet zusammen.

Immerhin 77,5 Prozent der über 200 Unternehmen in Bochum, Herne, Witten und Hattingen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, bewerteten danach ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut oder befriedigend. Das sind zwar knapp 15 Prozent weniger als vor Ausbruch der Corona-Pandemie – aber immerhin noch drei Viertel aller Unternehmen.

Der Konjunkturklima-Index, in dem aktuelle Geschäftslage und Erwartungen zusammengefasst werden, sank seit Februar von 110,6 auf jetzt 102,8 Punkte – liegt damit aber beispielsweise höher als zu Zeiten der Finanzkrise 2008/2009.

„Und genau jetzt gehen wir in den zweiten Shutdown. Das vergrößert die Sorgen vieler Unternehmen, das trübt die Aussicht, dass es wieder aufwärtsgehen könnte, und das wird viele Unternehmen – insbesondere in der Hotel- und Gaststättenbranche sowie im Freizeit- und Eventbereich – vor die Existenzfrage stellen. Hier wird es entscheidend sein, dass Bund und Land den betroffenen Unternehmen finanziell spürbar unter die Arme greifen, sonst stehen wir vor einer immensen Insolvenzwelle. Das dürfen wir nicht zulassen, das holen wir nie wieder auf“, so Weiks Bewertung.

Kaum Entlassungen wegen Corona

Der Blick auf die Branchen zeichnet die unterschiedliche Entwicklung der letzten Monate nach: Während der Handel zu 83 Prozent eine gute oder befriedigende Geschäftslage angibt, strecken nur 73,7 Prozent der Industriebetriebe noch den Daumen hoch. Dabei lassen sich die Gründe dafür mit drei Schlagworten umschreiben: der schwächelnde Export, die sinkende Inlandsnachfrage, die teilweise schwache Auslastung der Produktion.

Nur noch 43 Prozent der Industriebetriebe vermelden eine Auslastung von 85 Prozent und mehr – dieser Wert lag vor Corona um mehr als 20 Prozent höher. Heißt auch: Mehr als die Hälfte der Betriebe hat spürbar freie Kapazitäten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass 40 Prozent der Unternehmen von einem gesunkenen Auftragseingang aus dem Inland berichten und sogar über 60 Prozent von weniger Aufträgen aus dem Ausland – was natürlich viel mit dem weltweiten Shutdown im Frühjahr und Sommer zu tun hat.

Entlassungen im großen Stil als Reaktion auf die geringe Auslastung hat es aber nicht gegeben – hier hat das sinnvolle Instrument der Kurzarbeit eindeutig geholfen. Gleichzeitig ist die Skepsis in der Industrie, dass der Export wieder deutlich zulegen wird, sehr hoch: Über die Hälfte der Unternehmen erwartet sinkende Umsätze beim Export – hier spielt neben der Befürchtung, dass die Corona-Pandemie noch länger nachwirken wird, auch die Sorge um einen No-Deal-Brexit eine große Rolle“, kommentiert Thomas Gdanietz, bei der IHK für die Konjunkturumfragen zuständig, diesen Aspekt der Umfrage.

Erfreuliche Signale sendet die IHK-Umfrage in punkto Beschäftigung: Ein Arbeitsplatzabbau im großen Stil war für die Firmen im mittleren Ruhrgebiet bislang kein Thema. Nur etwas mehr als 16 Prozent der Unternehmen gaben an, in den nächsten Monaten von einer geringeren Beschäftigtenzahl auszugehen. Die überragende Mehrzahl dachte bislang nicht an Entlassungen – fast 20 Prozent dachten sogar an eine Aufstockung der Mitarbeiterzahl. „In einer solchen Zahl steckt viel Optimismus, von dem ich hoffe, dass er jetzt nicht verloren geht. Und nicht zuletzt steckt darin auch die kluge Erkenntnis, dass Unternehmen ihre Fachkräfte dauerhaft brauchen – erst recht dann, wenn die Wirtschaft irgendwann wieder spürbar anzieht“, so Weik abschließend.

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