KLIMANEUTRAL BIS 2030 – SIHK-INITIATIVE SUCHT MITSTREITER

Die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (Foto: Strohdiek)

Ennepe-Ruhr-Kreis- Die Reduzierung von CO2-Emissionen und die dafür erforderlichen Energieeinsparungen und Effizienzsteigerungen sind aus ökologischer und ökonomischer Sicht eine Notwendigkeit. Immer mehr Unternehmen wollen nach Einschätzung der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) selber einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und nehmen den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte und Dienstleistungen in den Fokus. Als Mitglied der „SIHK Klima-Initiative“ können sich Unternehmen jetzt öffentlich erklären, ihren Betriebsstandort bis spätestens 2030 klimaneutral zu stellen. Mit diesem Netzwerk bietet die SIHK Unternehmen die Möglichkeit, ihr Engagement für den Klimaschutz besser zu kommunizieren und gemeinsam den Weg zur Klimaneutralität zu gehen. Interessierte Unternehmen können sich jetzt bei der SIHK melden.

„Auch in Südwestfalen gibt es zahlreiche Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung für den Klimaschutz erkennen und unabhängig von einer verpflichtenden Gesetzgebung alles unternehmen, um möglichst früh einen klimaneutralen Betrieb sicher zu stellen“, versichert Dr. Andreas Gahl, Initiator der SIHK Klima-Initiative. „Wir wollen mit dazu beitragen, eine breite Aufbruchstimmung zu erzeugen, jetzt umzudenken und die Herausforderung anzunehmen.“ Der Geschäftsführer der MPG Mendener Präzisionsrohr GmbH hat in seinem Unternehmen in den letzten Jahren zahlreiche Maßnahmen für eine bessere Energie- und Ressourceneffizienz umgesetzt, u. a. in den von der SIHK organisierten Effizienznetzwerken. „Viele Unternehmer befürchten, dass die Umstellung auf CO2-neutrale Produktion mit enormen Kosten verbunden ist“, beschreibt Dr. Andreas Gahl. „Aber das ist in den meisten Fällen eine Fehleinschätzung. Wir sind ein energieintensives Unternehmen. In Menden schmelzen wir unsere Kupferlegierungen für Wärmetauscherrohre selbst. Und sogar da halten sich die Kosten für die umweltfreundliche Produktion in Grenzen.“

Unternehmer*innen als Multiplikatoren

Auch für ein Unternehmen wie MPG, das in starkem internationalem Wettbewerb stehe, sei die Umstellung machbar. Das Unternehmen erzeugt beispielsweise eigenen Strom. Das bedeutet anfangs etwas bürokratischen Aufwand, da die Firma plötzlich Stromproduzent wird. „Doch genau dafür ist das Netzwerk da, wir unterstützen uns gegenseitig, mit der Erfahrung anderer wird plötzlich klar, dass der Aufwand gar nicht so groß ist.“ Über kurz oder lang kommt nach Einschätzung des Unternehmers keine Firma um die Umstellung herum. Zum einen gebe es Vorgaben der EU, zum anderen seien vor allem die großen Automobilbauer schon weit bei der CO2-neutralen Produktion, über kurz oder lang würden sie von ihren Lieferanten ebenfalls entsprechende Nachweise verlangen.

MPG hat in den vergangenen zehn Jahren durch Effizenzsteigerung und die umweltfreundliche Produktion eigenen Stroms enorme Erfolge erzielt. Der Stromverbrauch ist demnach um 25% gesunken, beim Erdgas sind es 45 Prozent, alles in allem sank der CO2-Ausstoß um 60%. Momentan liegt der Energieverbrauch des Unternehmens bei 11,3 MWh pro Jahr, das entspricht ungefähr dem Strombedarfe eine Stadt mit 10.000 Einwohnern. „Alle unsere Investitionen in die Effizenzsteigerung und die Senkung des CO2-Ausstoßes haben sich in vier bis fünf Jahren amortisiert“, ist Dr. Andreas Gahl überzeugt. Er verweist dabei darauf, dass er sich beruflich mit dem Thema schon mehr als zehn Jahre beschäftigt und macht deutlich, wie wichtig ihm das Thema ist. „Wir müssen jetzt handeln, nicht weil es möglicherweise wirtschaftlich erfolgreich ist, sondern um die Umwelt zu schützen und die Folgen des Klimawandels möglichst gering zu halten.“

„Die Senkung des eigenen Energieverbrauchs und die eigene Fotovoltaikanlage bzw. der Einkauf von Grünstrom sind die wichtigsten Ansatzpunkte einer betrieblichen Klimastrategie“, betont Frank Niehaus, Organisator der SIHK Klima-Initiative. Vorrangig geht es bei allen Maßnahmen darum, die eigenen CO2-Einsparpotenziale am Unternehmensstandort auszuschöpfen. In zweiter Linie soll zusätzlich die Kompensation der unvermeidbaren CO2-Emissionen erfolgen.

Erklärtes Ziel: Klimaneutral bis 2030

Die SIHK sucht jetzt Unternehmen, die ihren Betriebsstandort bis spätestens 2030 klimaneutral stellen und das auch verbindlich in der SIHK Klima-Initiative erklären und öffentlich kommunizieren wollen. „Damit dokumentiert jeder beteiligte Unternehmer seine persönliche Verantwortung für den Klimaschutz und übernimmt eine Vorbildfunktion in unserer Region“, so Niehaus. Für die Mitglieder ist die Zielvorgabe der CO2-Neutralität verbindlich, der Weg dahin ist aber von jedem Unternehmen individuell und frei festzulegen. Wichtig sind dabei die Unternehmen, die schon der Initiative angehören. Wenn die Inhaber*innen auf Augenhöhe mit den Leitenden anderer Firmen sprechen, haben sie mehr Erfolg, als wenn die Anfrage von der Kammer kommt.

Wer sich in der SIHK Klima-Initiative engagieren möchte, kann sich online registrieren.

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