KINDERN DIE DEUTSCHE SPRACHE VERMITTELN

Hans-Karl Höflich von den „Deutschförderern“ und Heike Silz, Konrektorin an der Realschule Grünstraße, freuen sich auf weitere Interessierte (Foto: Pielorz)

Hattingen- Die „Deutschförderer“ gründeten sich 2016. Die Idee von Hans-Karl Höflich, einem ehemaligen Schulpsychologen, vormittags an Grund- und weiterführenden Schulen Unterstützung für Flüchtlingskinder anzubieten, die die deutsche Sprache lernen, hat mittlerweile zu regelmäßigen Aktivitäten an mehreren Hattinger Grundschulen und der Gesamtschule Welper geführt. Mit der Realschule Grünstraße ist nun noch eine weitere weiterführende Schule dazu gekommen. Und es geht längst nicht mehr nur um Flüchtlingskinder.

Heike Silz ist Konrektorin an der Realschule Grünstraße und zuständig für die sogenannten „Seiteneinsteiger“. Hinter dem Begriff verbergen sich Kinder, die nach Deutschland kommen, aber keine deutschen Sprachkenntnisse haben. „Das können EU-Bürger sein, aber auch Flüchtlinge“, sagt Heike Silz. Das Problem ist ein gemeinsames: Die Kinder, vom Alter her nicht mehr in der Grundschule anzusiedeln, können ohne Hilfen dem Unterricht nicht folgen. „2015 wurde das Kommunale Integrationszentrum in Schwelm gegründet. Hier wird entschieden, welche Schulform diese Kinder besuchen können und von hier aus werden auch Hilfen zur Sprachförderung in der Schule koordiniert. Die Kinder werden in der Regel ihrem jeweiligen Alter gemäß den Klassen zugeordnet, den Klassenfrequenzrichtwert von 28 Kindern pro Klasse immer im Blick. Diese Schüler bekommen für eine Dauer von zwei Jahren mit eigenen Materialien die Möglichkeit, ohne Notendruck die deutsche Sprache zu erlernen und nehmen im Laufe der zwei Jahre immer stärker am eigentlichen Unterrichtsgeschehen teil. Derzeit haben wir 14 Kinder in der Schule in den Klassen 5 bis 10 aus den Ländern Italien, Albanien, Aserbaidschan, Syrien und Rumänien. Sie werden neben Deutsch auch in Englisch und Mathe gefördert“, erzählt Heike Silz.

Eine weitere Förderung gibt es nun seit diesem Schuljahr an der Realschule Grünstraße durch die „Deutschförderer“. Hans-Karl Höflich kümmert sich um zwei italienische Schüler. Die genutzten Materialien werden eng mit der Schule abgestimmt. „Ziel ist es, in die Schulen zu gehen und dort nach Absprache mit den Lehrern sich um einzelne Kinder zu kümmern. Das können bestimmte Übungen sein, das kann Lesen und Vorlesen sein, das kann aber manchmal auch ein praktischer Besuch auf dem Markt sein. Und vielleicht ergibt sich aus der individuellen Betreuung der Kinder auch ab und zu eine Freizeitgestaltung oder irgendwann vielleicht eine Art Patenschaft. Manches ist auch einfach themenabhängig. Ich lese beispielsweise mit den beiden italienischen Schülern gerade aus dem Tagebuch von Anne Frank und daraus ergeben sich natürlich auch Fragen zu Politik. Oder man stößt auf deutsche Worte, die die Schüler nicht verstehen – zum Beispiel auf den Begriff ,menschlich‘. Was ist das, was verbirgt sich dahinter – da ist man dann schnell im Inhalt bei Gesprächen, die weit über das Erlernen eines Wortschatzes oder der Grammatik hinausgehen“, so Hans-Karl Höflich.

Die aktive Gruppe der „Deutschförderer“ besteht aktuell aus rund zwanzig Personen. Und es müssen mehr werden, denn der Bedarf ist groß. Höflich, der selbst als Kind 1956 aus der damaligen DDR flüchtete und drei Jahre in mehreren „Flüchtlingsunterkünften“ lebte, kann sich gut in die Situation der jungen Menschen hineinversetzen. „Jedes Kind ohne deutsche Sprachkenntnisse hat Probleme, sich hier heimisch zu fühlen. Man kommt einfach nicht richtig an und kann nicht teilhaben an der Gesellschaft. Hier wollen wir einen Beitrag leisten, damit sich das ändert.“ Wichtig ist ihm eines: „Wer Freude daran hat, Kindern den Umgang mit deutscher Sprache und Kultur beizubringen, ist herzlich willkommen. Man muss keineswegs selbst studiert haben, um Kindern Wissen lebendig beizubringen. Immerhin haben viele Eltern oder Großeltern ja doch jahrelang die Schulzeit ihrer eigenen Kinder oder Enkelkinder begleitet und daher oft auf diesem Wege ihre Erfahrungen gesammelt. Außerdem kommen wir als Deutschförderer auch regelmäßig zum Erfahrungsaustausch zusammen und beantworten gern Fragen.“

Die „Deutschförderer“ treffen sich regelmäßig einmal im Monat vormittags im Gemeindezentrum in der Uhlandstraße 32. Alle, die sich für diese sprachliche Arbeit mit Kindern ohne Deutschkenntnisse interessieren, sind herzlich zum Mitmachen eingeladen. Wer das Projekt einfach einmal ausprobieren möchte – auch Schnuppern ist möglich in der Zeit zwischen den Herbst- und Weihnachtsferien zwischen dem 28. Oktober und Mitte Dezember. Informationen oder Fragen – gern per E-Mail an die deutschfoederer-en@gmx.de

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