ICH MACHE MIR ALS BÜRGERMEISTER UND ALS SOHN SORGEN…

Dr. Anja Pielorz mit BM Dirk Glaser im Gespräch (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen- Ruhrkanal.NEWS hat mit Bürgermeister Dirk Glaser gesprochen. Zum ersten Mal gibt das Stadtoberhaupt ein persönliches Statement zur aktuellen Krisenlage in Hattingen.

Ruhrkanal.NEWS: Zum ersten Mal wendet sich jetzt der Bürger-Bürgermeister Dirk Glaser direkt an seine Bürger. In Essen informiert Bürgermeister Thomas Kufen schon länger regelmäßig per Videobotschaft über die Entwicklung der Corona-Krise in seiner Stadt. Er versucht damit vor allem zur Beruhigung der Situation beizutragen. Dürfen wir jetzt davon ausgehen, dass auch in Hattingen unser Stadtoberhaupt diesen Weg der regelmäßigen persönlichen Ansprache in Wort und/oder Video gehen wird?

GLASER: Eindeutig ja, soweit mir das zeitlich möglich ist. Ich war selbst an einer „normalen“ Grippe erkrankt. Daher konnte ich mich nicht früher persönlich äußern. Aber ich sehe mich selbst in der Pflicht, den Bürgern gegenüber Rede und Antwort zu stehen.

Dirk Glaser macht sich Gedanken über die Zukunft (Foto: RuhrkanalNEWS)

Ruhrkanal.NEWS: Den Menschen wird in diesen Zeiten viel abverlangt. Dies gilt vor allem für jene, die im Gesundheitssystem und in der Pflege Schwerstarbeit leisten. Wird der Bürgermeister, ausgestattet mit angemessenem Schutz, vielleicht auch einmal vor Ort in einem Alten- oder Pflegeheim, in einer Tagespflege oder einer vergleichbaren Einrichtung durch sein persönliches Erscheinen kommunizieren: Ich bin für euch da????

GLASER: Das ist ein charmanter und sympathischer Gedanke, den ich gerne umsetzen werde – sobald ich dafür ein Zeitfenster habe. Im Moment findet eine Krisensitzung nach der anderen Stadt. Es gibt sehr viel zu organisieren und abzustimmen. Auch mit anderen Städten. 

Ruhrkanal.NEWS: Viele Menschen machen sich existenzielle Sorgen. Dies gilt vor allem für Selbstständige, für die kleine Gastronomie in der Hattinger Altstadt, aber auch für kulturelle Einrichtungen oder Hotels. Kredite helfen nur bedingt, denn ohne Aufträge können sie nicht bedient werden. Was kann eine Stadt tun? Wie kann ein Bürgermeister Hoffnung geben?

GLASER: Natürlich hoffe ich auf die bereits gemachten Zusagen von Bund und Land im Hinblick auf notwendige finanzielle Mittel. Ich appelliere aber auch an die Solidarität und an jeden einzelnen von uns, behutsam mit sich und anderen umzugehen. Das schließt Vermieter ein, nicht unbedingt sofort auf die Miete zu pochen, wenn ein Geschäft schließen muss und jetzt keine Einnahmen erzielen kann. In den Nachbarstädten sind beispielsweise die gastronomischen Betriebe komplett geschlossen – und damit geht man über die Landesempfehlung hinaus, die eine Öffnung bis 15 Uhr (noch) erlaubt hat. Um zu verhindern, dass Menschen aus Nachbarstädten nach Hattingen kommen, werden wir jetzt ebenfalls die Gastronomie komplett schließen. Das schließt jeden ein, der beispielsweise Karten für eine kulturelle Veranstaltung gekauft hat, die nun ausfallen muss und der jetzt nicht sofort den Kartenpreis erstattet haben will. Ich weiß, dass das nicht immer und nicht für jeden gelten kann, aber ich hoffe auf die Solidarität der Menschen, wo immer sie möglich sein kann. 

Ruhrkanal.NEWS: Sie sind ja nicht nur Bürgermeister, sondern auch Sohn. Wie halten Sie Kontakt zu Ihren Eltern? Was raten Sie Vater und Mutter, die altersbedingt ja zur Risikogruppe gehören?

GLASER: Meine Eltern leben in der Schweiz und wir telefonieren natürlich. Aber es ist für mich als Sohn schon ein bedrückendes Gefühl, sie im Moment eben nicht besuchen zu können. Wir nutzen die elektronischen Medien, aber natürlich mache ich mir Gedanken (muss sichtbar schlucken).

Ruhrkanal.NEWS: Haben Sie selbst Angst? Haben Sie Angst vor der Erkrankung oder drückt eher die Sorge, die wirtschaftlichen Schäden durch Corona könnten größer sein als die Verluste durch das Virus selbst?

GLASER: Ich mache mir um mich selbst keine Sorgen. Ich halte die hygienischen Empfehlungen ein und weiß ja auch, dass das Virus bei über achtzig Prozent der Infektionen mit milden Symptomen verläuft. Aber es gilt gerade, sich mit den älteren und schwächeren unserer Gesellschaft zu solidarisieren und jedes Menschenleben zu retten, was möglich ist. Aber ja, ich mache mir Gedanken über die Zukunft – auch über die wirtschaftlichen Aspekte. Ich bin aber auch zuversichtlich, dass wir es schaffen werden und diese Krise überstehen. 

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