Hattingen feiert, aber was eigentlich? Zwischen Panhas, Kunsthandwerk und Einkaufsbummel droht der Tag der Deutschen Einheit unterzugehen

Herbstmarkt in Hattingen (Foto: Holger Grosz)
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Hattingen – Die Altstadt ist voll, es duftet nach Gebratenem, an den Fachwerkhäusern reihen sich Stände mit Kunsthandwerk. Vom 1. bis 4. Oktober 2026 laufen der Herbstmarkt und das Panhasfest in der historischen Innenstadt. Es gibt Essen, Kunst, Musik und Kunsthandwerk. Am Sonntag, 4. Oktober, haben die Geschäfte von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Hattingen ist damit eine von 29 Städten in NRW, die an diesem Tag zum Einkaufen öffnen.

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Mitten in diesem Programm liegt der 3. Oktober, der einzige gesetzliche Feiertag, den der Bund selbst festgelegt hat. Da muss man fragen: Feiern wir an diesem Wochenende die Einheit, oder ist der Feiertag nur ein willkommener Anlass für einen Markt?

Warum der 3. Oktober frei ist

Viele verbinden die Einheit mit dem 9. November 1989, dem Fall der Mauer. Der Feiertag geht aber auf ein anderes Datum zurück. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei. Grundlage war der Einigungsvertrag, Deutschland war damit nach 41 Jahren Teilung wieder ein Staat. Der 9. November kam als Feiertag nicht in Frage. Das Datum ist auch mit der Pogromnacht 1938 verbunden, also mit einem der dunkelsten Tage der deutschen Geschichte. Der 3. Oktober löste außerdem den alten westdeutschen Feiertag am 17. Juni ab. Der erinnerte an den Volksaufstand in der DDR von 1953.

Wer heute über den Markt geht und spontan fragt, warum eigentlich frei ist, bekommt oft nur ein Schulterzucken. Manche sagen „Mauerfall“, andere „irgendwas mit der Wende“. Das genaue Datum und die Geschichte dahinter sind bei vielen verblasst, vor allem bei denen, die nach 1990 geboren sind.

Panhas statt Pathos – ist das schlimm?

Man kann das kritisch sehen. Ein Feiertag, der an friedliche Revolution, Mut und Demokratie erinnert, wird zur Kulisse für Bratwurst, Herbstdeko und Shopping. Ein offizielles Gedenken, eine Rede oder auch nur ein Hinweis auf die Bedeutung des Tages kommt im Hattinger Programm nicht vor.

Es gibt aber auch die andere Sicht. Die Menschen in der DDR gingen 1989 auch deshalb auf die Straße, weil sie frei leben wollten. Dazu gehörte, sich zu treffen, zu feiern, zu reisen und einzukaufen, wie und wo man wollte. Ein volles, friedliches Fest in einer offenen Altstadt ist in diesem Sinn ziemlich genau das, was die Einheit möglich gemacht hat. Den Panhas gibt es übrigens in Ost und West in ähnlicher Form, als Wurstbrot oder Tote Oma. Die Küche hat sich nie wirklich teilen lassen.

Fazit: Feiern ja, vergessen nein

Herbstmarkt, Panhasfest und verkaufsoffener Sonntag sind kein Verrat am 3. Oktober. Sie beantworten aber auch nicht die Frage, warum dieser Tag frei ist. Das kann jeder selbst nachholen: beim Bummel durch die Altstadt kurz an 1990 denken, mit den Kindern darüber sprechen oder Bekannte fragen, wo sie damals waren. Dann wird der 3. Oktober in Hattingen nicht nur ein Markttag, sondern auch das, wofür er gedacht ist, ein Tag der Freude über eine friedlich erkämpfte Einheit.

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1 Kommentar zu "Hattingen feiert, aber was eigentlich? Zwischen Panhas, Kunsthandwerk und Einkaufsbummel droht der Tag der Deutschen Einheit unterzugehen"

  1. Ob man diesen „Feiertag“ also solchen ansieht sollte jedem selbst überlassen sein.

    Betrachten wir die Entwicklung der „neuen Bundesländer“, speziell die letzten politischen Ereignisse, wäre es vermutlich besser gewesen Westberlin an die DDR zu übertragen und auf die „Einheit“ zu verzichten.

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