GRETA KÄMPFT GEGEN VERPACKUNGSMÜLL

Greta Sonström und Leon Reinecke, stellv. Vorsitzender SPD Stadtverband Hattingen (Foto: Pielorz)

Hattingen- Sie heißt Greta, hat lange blonde Haare und ist 18 Jahre alt. Sie setzt sich ein für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Und nein, sie kommt nicht aus Schweden, sondern aus Hattingen und studiert in Köln Medizin. Greta Sonström hat etwas gegen Verpackungen, mindestens gegen sinnlose und davon gibt es viele. Vor allem im Einkaufsbereich. Deshalb hat sie eine Petition beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages initiiert.

Als Schülerin hatte sie mit politischem Engagement und der Mitgliedschaft in einer politischen Partei gar nichts am Hut. Genervt hat sie aber das Thema Verpackungen schon lange. „Angefangen hat das bei meinem eigenen Einkaufsverhalten. Ich habe gesehen, wieviel Verpackung um einzelne Produkte gewickelt ist. Vor allem auch, wieviel Plastik es ist. Ich bin schon lange immer mit Stoffbeutel unterwegs und bemühe mich, möglichst unverpackte Ware zu kaufen. Von da an war der Schritt zu Informationen über Unverpackt-Läden nicht mehr weit und dann hat sich das weiterentwickelt.“ Unverpackt-Läden in größeren Nachbarstädten (beispielsweise in Witten) hat sie mittlerweile besucht. In Hattingen gibt es so ein Geschäft allerdings nicht. „Die Stadt ist einfach zu klein, das lohnt sich nicht. Das hat man mir jedenfalls gesagt“, erzählt sie. Unter 200.000 Einwohnern in einer Stadt werde es schwierig. Auch bei nachhaltigen Themen geht es – wie so oft – um betriebswirtschaftliche Rechnungen.

Doch es gibt ja noch andere Müllbaustellen, die man bearbeiten kann: die „To-Go-Produkte“ beispielsweise, die man natürlich auch ganz umweltfreundlich im Refill-System bekommen kann. Oder man nimmt den eigenen Becher mit. Oder der Verzicht auf Plastiktüten. Oder das Mitnehmen einer eigenen Brotzeit. „Irgendwie geht das in die Richtung, wieder einzukaufen wie Oma damals. Denn sie ist immer mit Beutel oder Netz unterwegs gewesen. Und Verpflegung wurde eben auch oft mitgenommen.“

Regionale Produkte, weniger Müll – alles Dinge, die der Studentin sehr am Herzen liegen. Also startete sie eine Petition an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages. Diese enthält die Verpflichtung zur Vermeidung von Verpackungen für Supermärkte und die Forderung, zehn bis 15 Prozent der Waren möge man dort unverpackt anbieten. „Das soll ein Anreiz sein für Kunden, verstärkt darauf zu achten und bewusster einzukaufen“, sagt sie. Der Petitionsausschuss ist die zentrale Anlaufstelle im Deutschen Bundestag, um Sorgen, Nöte und Anregungen an das Parlament herantragen zu können. Es geschieht in schriftlicher Form, auch möglich über eine Internetplattform. Forderungen von allgemeinpolitischer Bedeutung wie Bitten zur Gesetzgebung können zudem mit der Bitte um Veröffentlichung eingereicht werden. „Rund 15.000 Petitionen gibt es pro Jahr“, erzählt Greta Sonström, die sich mit Ralf Kapschack MdB (SPD) über das Thema unterhalten hat. Angedockt hat sie selbst ihr Anliegen bei den Hattinger Jusos, weil sie sich dort – nach eigenem Bekunden – gut aufgehoben und verstanden fühlt.

Zu jeder Petition wird eine Akte mit einer Petitions-Nummer angelegt. Die Daten werden unter Beachtung des Datenschutzes elektronisch erfasst. Der Absender der Petition (Petent) erhält eine Eingangsbestätigung. Soweit erforderlich bittet der Petitionsausschuss das zuständige Bundesministerium oder die zuständige Aufsichtsbehörde des Bundes um Stellungnahme und der Ausschussdienst prüft anschließend die Stellungnahme. Dann kann es zu einer parlamentarischen Beratung kommen, die in eine Beschlussempfehlung und schließlich sogar in eine Empfehlung münden kann, über die der Deutsche Bundestag beschließt. Für eine Verpflichtung der Politik, sich mit einer Petition zu befassen, sind allerdings 50.000 Unterschriften notwendig und dies innerhalb bestimmter Tage. Doch auch ein paar hundert Unterschriften – wie bei Greta – können ein Thema voranbringen und nachdenklich machen.

Die junge Hattingerin hat sich viele Gedanken gemacht. Fragen der Hygiene bei unverpackten Waren hat sie diskutiert, aber auch die oft erhebliche Preissteigerung bei regionalen Produkten, die sich nicht alle Konsumenten leisten können. „Als Student muss ich natürlich auch gucken. In Köln gibt es aber Unverpackt-Läden, die ich für Obst, Gemüse, Müsli, auch besuche. In kleineren Städten ist der Verbraucher noch stärker aufgerufen, genau auf sein Einkaufsverhalten zu achten.“ Deshalb findet sie es wichtig, das Thema politisch anzugehen. „Wichtig ist ja auch, was jeder vor Ort tun kann. Zum einen kann man natürlich Anträge auf verschiedenen politischen Ebenen stellen. Man kann informieren, mit Schulen zusammenarbeiten und ein Netzwerk bilden. Je mehr und desto besser Menschen informiert sind, umso größer ist die Chance auf eine Veränderung.“ Manche Termine mit örtlichen Lebensmittelgeschäften und dem Einzelhandelsverband wurden durch die Corona-Pandemie gestoppt, aber diese Termine will Greta unbedingt nachholen. Ihr Ziel hat sie schon jetzt klar formuliert: „In den Lebensmittelgeschäften in Hattingen eine Abteilung haben, in der unverpackte und regionale Lebensmittel angeboten werden.“

1 Kommentar zu "GRETA KÄMPFT GEGEN VERPACKUNGSMÜLL"

  1. Bernd Loewe | 26. Mai 2020 um 9:38 |

    Gutes Thema, es gibt viele Möglichkeiten Plastik zu vermeiden. Das fängt beim bewusst Einkaufen an, die Verantwortung der Industrie spielt eine große Rolle und hört bei der Handlungsfähigkeit der Politik nicht auf.

    Unverpackt-Läden sind ein netter Ansatz, genutzt werden sie in der Regel von Privilegierten. Die Masse der Konsumenten hat nur den Preis im Fokus und schert sich nicht um die Verpackungen. Das was selbst in unserer Umgebung an Plastikmüll herum fliegt spricht für sich.

    Deshalb sind größere Erfolge zur Reduzierung von Plastikmüll nur durch restriktive Vorgaben der Politik zu erzielen. Das man dazu heutzutage 50.000 Unterschriften braucht ist ein Dilemma. Eigentlich sollte das Bewusstsein schon längst geschärft sein.

    Dennoch, auch kleine Veränderungen im Zusammenhang mit Umweltbewusstsein sind ein Schritt in die richtige Richtung. Zum Beispiel wird in unserem Haushalt seit geraumer Zeit das Leitungswasser selbst mit Sprudel versetzt, statt es im Plastikkästen und Plastikflaschen nach Hause zu schleppen.

    Greta Sonström wünschte ich viel Erfolg. Und nicht vergessen, Umweltministerin Svenja Schulze hat das gleiche Parteibuch…

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