CORONA 2020: DIE GUTE STUBE ÖFFNET IHRE TÜR

Lars Friedrich, Vorsitzender des Heimatvereines, mit einem Hinweis auf die „Lindenstraße“, in der die Hattinger Schauspielerin Marie-Luise Marjan eine Hauptrolle spielte (Foto: Pielorz)

Hattingen- Mit Corona bedingter Verspätung öffnet jetzt zu Pfingsten Hattingens gute Stube, das Heimatmuseum im Bügeleisenhaus, wieder seine Tür. Neben der Dauerausstellung über das Leben der jüdischen Familie Cahn, die von 1856 bis 1938 eine Metzgerei in der Hattinger Altstadt führte, gibt es in diesem Jahr drei weitere Ausstellungen zu sehen: Das Heimatmuseum erinnert an die Tradition der Hansekaufleute in der Hansestadt Hattingen, an den Drachentöter St. Georg in Hattingen sowie anlässlich ihres 80. Geburtstages am 9. August 2020 an die Hattinger Schauspielerin Marie-Luise Marjan.

Hattingen wäre in diesem Jahr im August Ausrichter des 37. Westfälischen Hansetages gewesen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Veranstaltung abgesagt. Die Ausstellung des Heimatvereines im Bügeleisenhaus bietet dennoch einen Blick auf die Hansekaufleute und die Tradition der Hanse. Wer waren die Hattinger Fernkaufleute im Mittelalter? Welche Waren führten sie zu Lande, zu Wasser, durch Sümpfe und Wälder den großen Hansestädten an der Küste zu? Und welche globalisierten Handelswege nutzen Industrie und Gewerbe unserer Zeit? Bis zum 6. Dezember 2020 zeigt der Heimatverein Hattingen/Ruhr e.V. die Ausstellung „Hattingen handelt: Kaufleute von der Ruhr in den Hansestädten der Welt“ im Museum im Bügeleisenhaus am Haldenplatz Nr. 1.

Auch auf Ruhrkanal.NEWS spielt die Hanse in diesem Jahr eine besondere Rolle. Gemeinsam mit dem Printmedium IMAGE und den fünf Kooperationspartnern Gelsenwasser, Sparkasse Hattingen, Architekten RDS, Reschop-Carré und dem Schultenhof von Alfred Schulte-Stade sowie in Kooperation mit dem Heimatverein und dem Stadtarchiv Hattingen gibt es auf Ruhrkanal eine Sonderrubrik zu diesem Thema. Im Sommer entsteht außerdem ein Film mit den Kooperationspartnern und der historischen Figur Hannes.

Eine weitere Ausstellung im Bügeleisenhaus beschäftigt sich mit St. Georg. Der Drachentöter ziert auch das Wappen der Hansestadt Hattingen. Es ist seit Beginn des 15. Jahrhunderts als Siegel der Verwaltung der Stadt benutzt worden, und zwar in einer großen und einer kleinen Ausführung. Im Laufe der Geschichte wurde es mehrfach verändert. Das Wappen in seiner heutigen Gestalt wurde 1911 von Kaiser Wilhelm II verliehen und darf im Original nur von der Stadtverwaltung verwandt werden.

Eine dritte Ausstellung schließlich beschäftigt sich mit Marie-Luise Marjan. Zahlreiche Kostüme, Requisiten und Kulissen aus der TV-Serie „Lindenstraße“ werden mit Unterstützung des WDR und der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion KG im Bügeleisenhaus zu sehen sein. Geboren wurde die fast 80jährige Schauspielerin an einem Sonntag am 9. August 1940 im Elisabeth-Krankenhaus in Essen, doch im Alter von einem Jahr kam sie als Pflegekind nach Hattingen zum Ehepaar Hanni und Emil Lause, die sie 1947 adoptierten. Ihre leibliche Mutter hatte sie sofort nach der Geburt in ein Waisenhaus gegeben und wanderte später nach Kanada aus. Marie-Luise Marjan besuchte in Hattingen das Mädchengymnasium in der Bismarckstraße und entdeckte früh ihr schauspielerisches Talent. Regelmäßig war sie bei Schulaufführungen zu sehen. Ihr Gesangslehrer war Otto Daube. Nach dem Gymnasium machte sie eine Ausbildung zur Sprechstundenhilfe in einer Arztpraxis, später absolvierte sie die Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und spielte an verschiedenen Schauspielhäusern, unter anderem von 1967 bis 1979 auch in Bochum. Begeistert war die Familie zunächst nicht von den Schauspiel-Ambitionen der jungen Frau. „Papa hat damals gesagt, das sei eine brotlose Kunst. Aber ich bin einfach nach Hamburg gegangen. Ich hatte aufgrund des Talents ein Stipendium. Durch Gelegenheitsjobs habe ich das Geld für Miete und Essen verdient. In Hattingen hat mir die Stadt später ein Darlehen von 3000 Mark gewährt. Und als ich bekannt war, nach dem ersten Film 1959, da kam der damalige Bürgermeister zu mir und sagte, ich müsse das nicht zurückzahlen, ich sei ein Kind der Stadt und man sei stolz auf mich“ (aus dem Interview in „Der Westen“, 4. August 2015). Am 8. Dezember 1985 wurde die erste Folge der „Lindenstraße“ ausgestrahlt – mit Marie-Luise Marjan in der Rolle als Helga Beimer. Es sollte die Rolle ihres Lebens werden. Erst spät in ihrem Leben, mit 67 Jahren, lernt sie Mitglieder ihrer eigenen leiblichen Familie kennen. Sie macht sich im Rahmen einer ARD-Dokumentation auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater. Sie erfährt, dass ihr leiblicher Vater ein leidenschaftlicher Flieger war und mit fast 28 Jahren mit dem Flugzeug abgestürzt ist. Sie erfährt auch, dass sie einen Halbbruder Günter hat. Der ist damals 63 Jahre alt und Mitglied einer Großfamilie, die nun noch ein Mitglied mehr hat – Marie-Luise Marjan. Nach Hattingen kommt die Marjan immer mal wieder. 2009 zum Beispiel für einen Dreh auf dem Weihnachtsmarkt und einem Pläuschchen mit Peter Daube, Sohn ihres früheren Musiklehrers. Auch das Grab der Eltern ist hier und wird regelmäßig besucht. Auch für dieses Jahr hat sie ihren Besuch in Hattingen angekündigt und wird dann auch im Heimatmuseum erwartet.

Lars Friedrich im RuhrkanalNEWS Interview

Öffnungszeiten „Bügeleisenhaus“, Haldenplatz 1: Von Pfingsten bis zum 6. Dezember jeweils Samstag, Sonntag, Feiertag von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Führungen, Infos und Kontakt per Mail oder Telefon 0175/4194195. Aufgrund der aktuellen Corona-Schutzbestimmungen darf das Museum nur mit Mund-Nase-Bedeckung betreten werden. Ebenso gilt eine Besuchergrenze von maximal zehn Personen im Haus.

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