Sprockhövel – Das Besucherbergwerk Stock und Scherenberger Erbstollen erinnert an eine jahrhundertealte bergbauliche Technik, die den Pleßbach bis heute mit Wasser versorgt.
Anhaltende Trockenheit und geringe Niederschläge lassen auch in Sprockhövel die Wasserstände vieler Bäche deutlich sinken. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies am Pleßbach: In trockenen Sommermonaten führt er oberhalb des Erbstollens zeitweise kaum noch oder überhaupt kein Wasser.
Unterhalb der Einmündung des Stollenwassers verändert sich das Bild jedoch sichtbar. Dort führt der Bach wieder Wasser.
Verantwortlich dafür ist eine bergbauliche Anlage, die vor Jahrhunderten geschaffen wurde und bis heute zuverlässig funktioniert: der Stock und Scherenberger Erbstollen.
Der Verein Bergbauaktiv Ruhr e. V. betreibt dort das einzige Besucherbergwerk des Ruhrgebiets, das einen historischen Wasserlösungsstollen für die Öffentlichkeit zugänglich macht. Damit wird nicht nur ein bedeutendes Zeugnis der frühen Bergbaugeschichte erhalten, sondern zugleich eine technische Leistung sichtbar, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.
In Sprockhövel sind mehr als 40 Erbstollen bekannt. Nur einer von ihnen konnte bislang in dieser Form erschlossen und öffentlich zugänglich gemacht werden.
Erbstollen hatten die Aufgabe, das in die untertägigen Grubenbaue eindringende Wasser auf natürlichem Wege abzuleiten. Bevor leistungsfähige Pumpen zur Verfügung standen, war dies eine entscheidende Voraussetzung dafür, Kohle auch in größeren Tiefen abbauen zu können. Die Stollen wurden mit geringem Gefälle über große Entfernungen durch das Gebirge vorgetrieben. Das Grubenwasser konnte dadurch gesammelt und aus dem Berg in einen Bach abgeführt werden.
Diese Funktion erfüllt der Stock und Scherenberger Erbstollen bis heute. Das Wasser fließt weiterhin aus dem Berg und mündet in den Pleßbach. Gerade in trockenen Sommerperioden wird sichtbar, welche Bedeutung diese jahrhundertealte bergbauliche Infrastruktur noch immer besitzt.

Trittfurt am Stollen (Foto: Stock und Scherenberger Erbstollen)
„Der Erbstollen ist nicht nur ein Denkmal des frühen Ruhrbergbaus. Er ist bis heute Teil des Wasserhaushalts unserer Landschaft. Oberhalb der Einmündung kann der Pleßbach in trockenen Sommern nahezu wasserlos sein. Durch das aus dem Stollen austretende Wasser führt er unterhalb wieder dauerhaft Wasser“, erklärt Lasse Knährich, Vorsitzender des Vereins Bergbauaktiv Ruhr e. V.
Die Anlage wurde zu einer Zeit geschaffen, als der Kohleabbau weitgehend in Handarbeit erfolgte. Mit zunehmender Tiefe standen die Bergleute vor zwei grundlegenden Problemen: Eindringendem Grubenwasser und einer unzureichenden Bewetterung der Grubenbaue. Erbstollen verbesserten die Arbeitsbedingungen, ermöglichten den weiteren Abbau und erschlossen neue Lagerstätten.
„Was vor Jahrhunderten mit einfachen Werkzeugen und großer körperlicher Anstrengung durch massives Gestein geschaffen wurde, funktioniert noch heute. Der Stollen ist für viele Generationen gebaut worden und zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltig historische Bergbautechnik sein kann“, so Knährich.
Der Stock und Scherenberger Erbstollen ist damit weit mehr als ein Relikt der Vergangenheit. Als untertägiges Drainage- und Abflusssystem prägt er bis heute die örtlichen Wasserverhältnisse. Zugleich vermittelt das Besucherbergwerk anschaulich, wie eng die Entwicklung Sprockhövels, der frühe Steinkohlenbergbau und die Landschaft miteinander verbunden sind.
Unter Tage können Besucherinnen und Besucher erleben, wie das Wasser durch den historischen Stollen fließt und welche technischen Lösungen die Bergleute bereits vor Jahrhunderten entwickelten.
Bergbauaktiv Ruhr e. V. hält damit lebendig, was das Leben in der Region über Jahrhunderte bestimmt hat – und bis heute sichtbar fortwirkt.


























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