Hattingen- Wenn Robert Laube vom LWL-Museum Henrichshütte, Thomas Alexander von der Volksbank und Johannes Kunze von der Rhein-Ruhr Philharmonie gemeinsam zu einer Pressekonferenz einladen, geht es längst nicht mehr nur darum, ein Konzertprogramm vorzustellen. Nach 18 Jahren gemeinsamer Konzerte sitzen dort Menschen an einem Tisch, die sich lange kennen, gemeinsam Erfolge erlebt und auch die schwierige Zeit nach Corona durchgestanden haben.
Und vielleicht ist genau das ein Teil des Erfolgs von „Volksbank.klassisch“: Die Konzertreihe ist zur Tradition geworden, die Musik aber nicht.
Am Samstag, 14. November 2026, um 19 Uhr kommt die Rhein-Ruhr Philharmonie wieder in die Gebläsehalle des LWL-Museums Henrichshütte. „Vom Auenland zu Alpengipfeln“ lautet diesmal das Motto. Im Mittelpunkt steht ein Instrument, das im Orchester häufig für ganz besondere Momente sorgt: das Horn.
Und davon gibt es an diesem Abend reichlich.Von Wolfgang Amadeus Mozarts viertem Hornkonzert führt der Weg über Johannes Brahms’ erste Symphonie bis nach Mittelerde. Howard Shores Filmmusik zu „The Lord of the Rings – The Fellowship of the Ring“ gehört ebenso zum Programm wie Giovanni D’Aquilas „The Great Horn of Helm“ für Alphorn und großes Orchester.
Mit Marc Gruber, Solohornist des hr-Sinfonieorchesters, kommt dafür ein international ausgezeichneter Hornist nach Hattingen. Für den Alphorn-Part konnte die Rhein-Ruhr Philharmonie Carlo Torlontano gewinnen. Das Werk von D’Aquila wurde für ihn geschrieben und greift die Welt Tolkiens und die Schlacht um die Hornburg auf.
Die Idee, ein ganzes Programm um den Hornklang herum zu entwickeln, war ein Herzenswunsch von Dirigentin Silke Löhr, Universitätsmusikdirektorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Denn auch darin unterscheidet sich die Rhein-Ruhr Philharmonie von vielen anderen Orchestern. Sie hat keinen Dirigenten, der Jahr für Jahr das Programm vorgibt. Künstlerische Leitung und jeweilige Dirigenten entwickeln es gemeinsam. Dabei wird diskutiert, verworfen und ausgehandelt. Und manchmal holt die Realität die schönsten Ideen wieder ein: Noten müssen erhältlich, Aufführungsrechte bezahlbar und die Besetzung überhaupt machbar sein. Allein die Noten für „Herr der Ringe“ zu bekommen, dauerte diesmal rund drei Monate.
Ein „Best of Classics“, bei dem nur bekannte Stücke aneinandergereiht werden, ist deshalb nicht das Ziel.
Wer wegen „Herr der Ringe“ kommt, bekommt auch Brahms zu hören. Wer wegen Brahms kommt, begegnet einem modernen Alphornkonzert.
Experimente gehören dazu. Bei früheren Konzerten stand schon eine Tuba als Soloinstrument im Mittelpunkt, ein anderes Mal verband die Philharmonie Musik mit großformatigen, auf die Werke abgestimmten Fotografien aus Skandinavien. Nun ist es das Alphorn.
75 Musiker wollen dabei sein
Ungewöhnlich ist die Rhein-Ruhr Philharmonie auch in ihrer Zusammensetzung. Rund 120 Musikerinnen und Musiker haben in den vergangenen Jahren bei den Projekten mitgespielt. Darunter sind ambitionierte Laien ebenso wie Berufsmusiker und ehemalige Profis im Ruhestand.
Doch niemand muss bei einem Projekt mitmachen. Für jedes Frühjahr- und Herbstprogramm entscheiden die Musiker neu, ob sie Zeit und vor allem Lust darauf haben. Dann folgen mehrere intensive Probenwochenenden bis zur Generalprobe und den beiden abschließenden Konzerten.
Offenbar haben diesmal besonders viele Lust auf Horn, Alphorn, Mozart, Brahms und Mittelerde: Knapp 75 Musiker haben sich angemeldet. Normal sind eher 60 bis 65.
Damit stellt sich inzwischen eine ganz praktische Frage: Wie bekommt man sie alle auf die Bühne der Gebläsehalle?
Für Johannes Kunze ist die große Besetzung zunächst einmal ein Grund zur Freude. Schließlich bedeutet sie auch einen entsprechend satten Orchesterklang.
Eine Partnerschaft, die 2008 eher zufällig begann
Dass die Rhein-Ruhr Philharmonie heute regelmäßig vor rund 700 Menschen in der Henrichshütte spielt, war anfangs kaum abzusehen.
2007 suchte das LWL-Industriemuseum Unterstützung für die Anschaffung einer Tribüne. Thomas Alexander von der Volksbank hatte davon gelesen und sprach Robert Laube an. Die Bank wollte sich beteiligen, aber nicht einfach irgendwo ihr Logo platzieren. Gesucht wurde eine Idee für eine längerfristige Kulturförderung.
Laube brachte die Rhein-Ruhr Philharmonie ins Gespräch. Das Orchester überzeugte musikalisch, spielte damals allerdings vor einem eher überschaubaren Publikum.
Alexander, der von sich selbst sagt, kein Klassikkenner zu sein, fragte zunächst seine Eltern. Die besuchten bereits Konzerte der Philharmonie und konnten bestätigen: Das Orchester taugt etwas.
Im März 2008 fand das erste gemeinsame Konzert von LWL, Volksbank und Rhein-Ruhr Philharmonie statt. Daraus wurden zwei Konzerte pro Jahr und eine Partnerschaft, die bis heute besteht.
Viele Konzerte waren ausverkauft. Dann kam Corona. Veranstaltungen fielen aus, später wurde unter Einschränkungen gespielt. Danach dauerte es eine Weile, bis das Publikum in alter Stärke zurückkam.
Inzwischen ist die Gebläsehalle wieder regelmäßig voll.
Gleichzeitig verändert sich das Publikum. Langjährige Stammgäste werden älter, neue müssen hinzukommen. Themenkonzerte wie „Vom Auenland zu Alpengipfeln“ sollen deshalb auch Menschen neugierig machen, die bei einem klassischen Symphoniekonzert vielleicht nicht sofort an einen Abend in der Henrichshütte denken würden.
Musik aus Freude an der Musik
Obwohl die Musiker der Rhein-Ruhr Philharmonie ohne Gage spielen, ist ein solches Konzert nicht kostenlos. Dirigentin und Solisten werden bezahlt, hinzu kommen Noten, Aufführungsrechte, Technik, Bestuhlung und weitere Kosten. Das gemeinsame Ziel ist keine Gewinnerzielung, sondern eine schwarze Null.
Für Thomas Alexander passt dieses Modell zur genossenschaftlichen Idee der Volksbank: Menschen zu unterstützen, die selbst etwas auf die Beine stellen. LWL, Volksbank und Rhein-Ruhr Philharmonie tragen jeweils ihren Teil dazu bei.
Vielleicht erklärt auch das die besondere Atmosphäre dieser Konzertreihe. Auf der Bühne sitzen Menschen, die sich freiwillig für dieses Projekt entschieden und mehrere Wochenenden gemeinsam geprobt haben.
Und dann kommt der Moment, den Robert Laube bei der Pressekonferenz beschrieb: Rund 75 Menschen reagieren auf eine kleine Bewegung der Dirigentin, hören aufeinander und lassen aus vielen einzelnen Instrumenten einen gemeinsamen Klang entstehen.
Das lässt sich digital kaum ersetzen.
Genau dafür kommen die Menschen seit 18 Jahren in die Gebläsehalle.
Am 14. November 2026 kommt noch ein Alphorn dazu.
Karten und Vorverkauf
Das Herbstkonzert „Vom Auenland zu Alpengipfeln – Magie des Hornklangs“ beginnt am Samstag, 14. November 2026, um 19 Uhr in der Gebläsehalle des LWL-Museums Henrichshütte. Einlass ist ab 18.30 Uhr.
Der Vorverkauf beginnt am 5. Oktober in den Filialen der Volksbank Sprockhövel. Die Karten kosten 17 Euro, ermäßigt 15 Euro. Restkarten gibt es, sofern noch vorhanden, an der Abendkasse. Bei den vergangenen Konzerten waren die verfügbaren Plätze allerdings weitgehend bereits im Vorverkauf vergeben.


























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