STÄDTISCHES ERNERGIESPARPAKET BESCHLOSSEN

Stadtkämmerer Frank Mielke (SPD) und Bürgermeister Dirk Glaser (parteilos) im Heizungsraum des Hattinger Rathauses (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen- Angesichts des drohenden bundesweiten Engpasses beim Gas hat der Verwaltungsvorstand der Stadt Hattingen verschiedene Energiesparmaßnahmen beschlossen. So will auch die Verwaltung ihren Beitrag zum sparsamen Umgang mit Energie leisten. „Die Energiekrise geht uns alle an. Wir als Stadtverwaltung möchten mit gutem Beispiel vorangehen und dort, wo es möglich ist, unseren Energieverbrauch senken“, so Bürgermeister Dirk Glaser (parteilos). Die Stadtverwaltung hat schon vor einigen Wochen eine Projektgruppe, das „Krisenteam Energie“ eingesetzt. Die Gruppe hat im Rathaus nach Möglichkeiten gesucht, um Energie zu sparen. Was davon wirklich umgesetzt wird, hat anschließend der Verwaltungsvorstand entschieden. Die Verwaltungsspitze hat außerdem über die Vorschläge mit der Kreisverwaltung und den anderen Kommunen im Ennepe-Ruhr-Kreis.

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In einem Pressegespräch erläutern Bürgermeister Dirk Glaser und Frank Mielke (SPD), Kämmerer und Personaldezernent, welche Energiesparmaßnahmen in Hattingen durch die Stadtverwaltung geplant sind. Das ausgerufene bundesweite Ziel von 15 % Einsparungen will die Stadt mindestens erreichen. Wie das Ziel erreicht wird, überlässt der Staat den einzelnen Kommunen: „Unsere Maßnahmen betreffen unter anderem die Verwaltungsgebäude, andere städtische Einrichtungen wie im Bereich Sport und Kultur sowie die Straßenbeleuchtung. Darüber hinaus sollen regelmäßig veröffentlichte Energiespartipps darauf hinwirken, das Nutzerverhalten der städtischen Mitarbeitenden nicht nur im Dienst zu ändern, sondern auch darüber hinaus“, so Personaldezernent Frank Mielke.

Beleuchtung

Als gut sichtbares Zeichen wurde die sofortige Abschaltung der „Ambiente-Beleuchtung“, also der nächtlichen Außenbeleuchtung bei allen städtischen Gebäuden zum Beispiel dem Rathaus und der Stadtmauer beschlossen. „Dies hat auch Symbolcharakter. Effizienter würde die Reduzierung der Straßenbeleuchtung sein“, erläutert der Verwaltungschef. Überlegt werde, die Laternen generell eine Stunde später einzuschalten. Laternen mit zwei Leuchtmitteln könnten nur noch mit einer „Glühbirne“ betrieben, andere Lampen könnten gedimmt werden.

„Ob das alles technisch umsetzbar ist, wird zurzeit geprüft und hängt vom Zusammenwirken mit anderen Städten im Versorgungsgebiet ab, denn die Hattinger Straßenbeleuchtung wird nicht allein abgeschaltet. Wir sind dazu in engem Austausch mit dem Versorgungsunternehmen“, so Glaser. Von der Kreispolizei wurde bestätigt, dass durch die Einschränkungen kein Sicherheitsrisiko entstehen würde. Ob auf die Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt verzichtet wird, soll im September entschieden werden.

Verwaltung/Dienstgebäude

Warmwasser wird kurzfristig nicht mehr zur Verfügung stehen. Darüber hinaus wird in der kommenden Heizperiode ab Oktober die Raumtemperatur in allen städtischen Verwaltungsgebäuden sowie Stadtmuseum, Stadtbibliothek, Bürgertreffs und Holschentor maximal 19 Grad betragen; und das auch nur während der Arbeitszeit an den Arbeitsplätzen. Die Stadt spricht hier von „Wärmekorridoren“. Frank Mielke erklärt: „Das bedeutet: Es wird nur noch montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr geheizt und freitags von 8 bis 12 Uhr. Darüber hinaus wird die Temperatur auf 12 Grad abgesenkt. Regelungen für spezielle Öffnungszeiten zum Beispiel im Bürgerbüro müssen noch getroffen werden. Diese Maßnahmen haben wir mit dem Personalrat abgestimmt.“

„Wenn die Einsparungen nicht ausreichend sind, um die Energieversorgung zu sichern, könnte eine zweite Stufe ab der Heizperiode greifen“, erklären Mielke und Glaser. Dann würden ab Oktober die beiden Verwaltungsgebäude an der Roonstraße nicht mehr betrieben und andere Objekte nur noch zum Teil. In Blankenstein würde eine Etage des Hauses am Marktplatz 4 nicht mehr genutzt werden und die Mitarbeitenden könnten in Räumen des Nachbarobjektes arbeiten. Den Mitarbeitenden der Roonstraße 5 und 11 würden Räume im Rathaus zur Verfügung gestellt. „Es wird dringend empfohlen, Homeoffice zu nutzen. Dafür werden die Einschränkungen der bisherigen Homeoffice-Regelung – 40 Prozent Präsenzzeit – während der Krise außer Kraft gesetzt“, so der Personaldezernent.

Die Feuerwehr hat ein Konzept für die Feuerwehrhäuser vorgelegt – Temperaturabsenkung ist ein großer Bereich, aber auch viele kleine Maßnahmen wurden zusammengetragen. Der Fachbereich Kinder, Jugend und Familie wird noch ein Konzept für die Jugendtreffs vorlegen. Mit Maßnahmen in den eigenen und angemieteten Flüchtlingsunterkünften wird sich der Fachbereich Soziales und Wohnen befassen.

Gasnotabsperrung im Rathaus (Foto: RuhrkanalNEWS)

Schulen

„Was die Schulen betrifft, werden wir zunächst die Vorgaben aus dem Schulministerium abwarten und wollen nicht vorgreifen“, so Dirk Glaser. „Die Situation ist dort auch wegen der Corona Schutzmaßnahmen schwierig.“

Kitas

Bei den Kitas sind keine Maßnahmen vorgesehen. Die Kinder sollen aber für energiesparendes Verhalten sensibilisiert werden.

Sport

Im Bereich Sport sieht die Stadt erhebliches Einsparpotenzial. Zu den Maßnahmen an den Sportanlagen erfolgte eine Abstimmung mit dem Stadtsportverband – auch die Sportpolitik wurde einbezogen. In den Vereinsturnhallen soll die Temperatur abgesenkt werden. Eine Zieltemperatur wurde noch nicht festgelegt. Bei Turnhallen, in denen Schulsport stattfindet, wird noch auf eine Rahmenregelung des Landes gewartet. Die Duschen sollen nach Möglichkeit kalt betrieben werden. An welchen Hallen dies technisch möglich ist, muss noch geprüft werden und soll dann standortspezifisch festgelegt werden. Die Art der Warmwasseraufbereitung und Abhängigkeit von anderen Warmwasserkreisläufen sowie Legionellenbildung spielen bei der Auswahl eine Rolle.

Schwimmbäder

In den Hallenbädern – Holthausen und beiden Lehrschwimmbecken – bleiben die Duschen warm. Die Temperatur im Hallenbad Holthausen wird auf 26 Grad absenkt. Sie beträgt bislang 27 bis 28 Grad. In den Lehrschwimmbecken soll von einer Absenkung abgesehen werden, da dort andere Nutzergruppen aktiv sind, wie Schwimmschülerinnen und Schwimmschüler sowie Reha-Kurse.

„Auch der Bürgermeister braucht Vorlauf…“ (Foto: RuhrkanalNEWS)

Die Freibadsaison wird wie geplant bis Ende August laufen. „Zurzeit werden die Becken nachts nicht mehr aufgeheizt. Das soll bis zum Ende der Saison beibehalten werden. Die Temperaturen werden bei diesem warmen Wetter auch über Nacht gut gehalten und am Tag kann Solarenergie genutzt werden“, erläutert Dirk Glaser. „Ob das Freibad noch länger als geplant betrieben werden kann, hängt von der Wetterlage ab, insbesondere wie stark es sich nachts abkühlt. Es sind ab sofort nur noch die kalten Duschen in Betrieb.“

Handel und Wirtschaft

Hattingen Marketing bereitet mit der Klimaschutzbeauftragten der Stadt einen Aufruf für die Geschäftsleute vor.

Und sonst…

„Als Stadtverwaltung leisten wir unseren Beitrag, Energie einzusparen. Darüber hinaus müssen wir selbstverständlich verantwortungsvoll mit zu erwartenden, zusätzlichen finanziellen Belastungen umgehen“, sagt Bürgermeister Dirk Glaser. „Ich bitte aber auch alle Hattingerinnen und Hattinger zu prüfen, wo man auch bei sich zu Hause Ressourcen schonen kann. Wenn wir alle gemeinsam beim Einsparen von Strom und Gas mitwirken, dann machen wir einen ersten großen Schritt, um gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Schon kleine Maßnahmen können helfen, Strom und Gas einzusparen.“ Im Winter in Privathaushalten oder auch öffentlichen Gebäuden mit Strom statt Gas zu heizen, sei keine Alternative.

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