Hattingen – hwg und Lebenshilfe planen einen inklusiven Spielplatz im Rauendahl. Das Projekt soll Kindern mit und ohne Behinderung offenstehen. Noch fehlen Spenden für die Umsetzung. Ein Spielplatz ist für viele Kinder ein selbstverständlicher Ort. Rennen, klettern, schaukeln, matschen, lachen. Für Kinder im Rollstuhl oder mit anderen Einschränkungen sieht die Sache oft anders aus. Manchmal endet der Weg schon am Rand der Sandfläche. Dann steht das Spielgerät zwar da, ist aber unerreichbar.
Genau das soll sich im Rauendahl ändern. Die hwg plant dort gemeinsam mit der Lebenshilfe Hattingen einen inklusiven Spielplatz. Entstehen soll er im Quartier Rauendahl, angrenzend an den Hattinger Jugendtreff. Der neue Spielplatz soll barrierefrei erreichbar sein und Kindern mit und ohne Behinderung ermöglichen, gemeinsam zu spielen.
Wenn Spielen grenzenlos wird
Der Fokus liegt dabei nicht auf einem einzelnen Spezialgerät, sondern auf dem gesamten Konzept. Wege, Zugänge und Spielbereiche sollen so geplant werden, dass möglichst viele Kinder sie nutzen können. „Auf den meisten Spielplätzen ist schon der Weg zu den Geräten für Rollstuhlfahrer nicht überwindbar“, wurde beim Ortstermin deutlich. Genau diese Hürde soll im Rauendahl wegfallen.
Geplant sind unter anderem eine große Schaukelanlage mit unterschiedlichen Schaukeln, eine Nestschaukel, eine Partnerschaukel, ein ebenerdiges Karussell, das auch mit dem Rollstuhl befahrbar ist, eine große Kletteranlage mit breiter Rutsche und langem Auslauf sowie ein Wasserspielbereich mit Pumpe, Rinnen und Sandmatschbereich. Auch dieser Bereich soll so angelegt werden, dass Kinder im Rollstuhl direkt an die Pumpe heranfahren und mit Wasser und Sand spielen können.
Dazu kommen kleinere Spielangebote im Eingangsbereich, eine große befahrbare Fläche, eine Schutzhütte und die Nähe zum Jugendtreff. Dort können während der Öffnungszeiten auch sanitäre Einrichtungen genutzt werden. Geplant sind außerdem behindertengerechte Parkplätze, damit Familien oder Gruppen auch mit Fahrzeugen mit Rampe anreisen können. Eine Bushaltestelle befindet sich ebenfalls in der Nähe.
Für die Lebenshilfe Hattingen ist der geplante Spielplatz weit mehr als ein neues Freizeitangebot im Stadtteil. Der familienunterstützende Dienst betreut rund 110 Familien. Etwa zehn Prozent davon leben im Rauendahl. Gerade dort ist Wohnraum noch vergleichsweise bezahlbar. Für viele Familien mit behinderten Kindern sind finanzielle Hürden ohnehin ein ständiger Begleiter.
Ausflüge kosten Geld. Fahrtkosten, Eintritt, Betreuung, Verpflegung. Ein barrierefreier Spielplatz in der eigenen Stadt würde vieles leichter machen. Man kann mit den Kindern dort einen ganzen Sommertag verbringen, ein Picknick auf der Wiese machen, sich treffen, austauschen und gemeinsam Zeit verbringen. Ohne großen Aufwand und ohne hohe Kosten.
Der Spielplatz soll aber ausdrücklich nicht nur für den Rauendahl entstehen. Er soll ein Angebot für ganz Hattingen werden. Auch über die Stadtgrenzen hinaus könnte er interessant sein, denn vergleichbare Spielplätze gibt es in der Umgebung kaum. Einzelne nutzbare Geräte gebe es zwar hier und da, ein Spielplatz mit diesem klaren inklusiven Schwerpunkt sei aber selten.
Auch Eltern sollen dort einen Ort finden. Die geplante Schutzhütte soll Schutz bieten, aber auch Begegnung ermöglichen. Gerade das ist ein wichtiger Gedanke des Projektes. Inklusion bedeutet nicht, dass Kinder mit Behinderung irgendwo ein eigenes Angebot bekommen. Inklusion bedeutet, dass Kinder gemeinsam spielen und Eltern miteinander ins Gespräch kommen. Familien mit behinderten Kindern und Familien ohne behinderte Kinder. Ganz normal. Ganz selbstverständlich.

hwg und Lebenshilfe planen inklusiven Spielplatz im Rauendahl. (Foto: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
Noch steht allerdings eine große Hürde im Raum. Die Finanzierung ist nicht gesichert. Die Sparkasse konnte bereits als Unterstützer gewonnen werden. Weitere Gespräche laufen, unter anderem mit möglichen Sponsoren und Förderern. Auch die Volksbank Sprockhövel steht nach den bisherigen Gesprächen als möglicher Unterstützer im Raum. Doch viele Fördertöpfe sind aktuell ausgeschöpft oder geschlossen. Von einigen großen Stiftungen gab es bereits Absagen. Manchmal mit Begründung, manchmal ohne.
Trotzdem soll das Projekt umgesetzt werden. Sollte nicht genug Geld zusammenkommen, wird der Spielplatz nicht gestrichen, sondern kleiner gebaut. Dann müssten einzelne Geräte reduziert, später ergänzt oder anders geplant werden. Der Wille ist klar: Der inklusive Spielplatz soll kommen.
Damit möglichst viel von der ursprünglichen Planung Wirklichkeit werden kann, werden weiterhin Spenden benötigt. Ein QR-Code führt direkt zur Spendenmöglichkeit. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dort einen Beitrag leisten. Auch kleine Beträge helfen, denn am Ende können viele kleine Spenden ein großes Spielgerät möglich machen.

Gerade vor Ort wurde deutlich, worum es eigentlich geht. Nicht um ein Prestigeprojekt. Nicht um ein schönes Planungsbild. Sondern um Kinder, die nicht am Rand stehen bleiben sollen. Um Familien, für die ein Ausflug nicht jedes Mal ein finanzieller Kraftakt sein darf. Um einen Stadtteil, der ein Angebot bekommt, das weit über seine Grenzen hinaus Bedeutung haben kann.
Wenn alles nach Plan läuft, soll dieses Jahr genutzt werden, um weitere Fördermittel und Spenden einzuwerben. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Für die Umsetzung werden anschließend etwa drei bis vier Monate eingeplant. Auch die Witterung spielt dabei eine Rolle, denn bestimmte Bodenarbeiten können nur bei geeigneten Temperaturen ausgeführt werden.
Noch ist der Platz eine Planung. Noch steht dort kein barrierefreies Karussell, keine breite Rutsche, keine Wasserpumpe in Rollstuhlhöhe. Aber die Idee ist da. Und sie ist stark.










































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