PCB47 – WEITERE FIRMA KÖNNTE EMITTENT SEIN

Mitarbeiter des Kreises sammeln Grünkohlproben um PCB-Werte zu ermitteln (Archivbild: Ennepe-Ruhr-Kreis)

Ennepe-Ruhr-Kreis- Der Fund von PCB in den Ennepetaler Stadtteilen Oelkinghausen und Büttenberg beschäftigt die Kreisverwaltung, das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) und die betroffenen Bürger seit Monaten. Im Zuge der Ursachenforschung und -ermittlung ist klar geworden: Im Fokus steht ein Stoff, den das Ennepetaler Unternehmen biw im Rahmen seiner Produktion einsetzt. Ein so genannter Vernetzer enthält Chlor und führt dazu, dass PCB 47, 51 und 68 entsteht und in die Umwelt gelangt.

Diese Erkenntnis war für das Landesministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz Ausgangspunkt für eine nrw-weite Recherche. Gefragt war, welche Unternehmen mit ähnlicher Produktionstechnik und dem identischen Vernetzer arbeiten. Die Rückmeldungen nutzt das Ministerium als Grundlage für eine „Positiv-Liste potentieller PCB-Emittenten“.

„Die Ermittlungen des Landes sind zwar noch nicht abgeschlossen. Klar ist aber: Auf der Liste dieser silikonverarbeitenden Betriebe findet sich ein Unternehmen aus Witten. Der Standort liegt im Gewerbegebiet Rüdinghausen“, gibt Landrat Olaf Schade bekannt.

Mit Blick auf den derzeitigen Erkenntnisstand wird der Name des Unternehmens von der Kreisverwaltung noch nicht genannt. Denn: Bisher gibt es keinerlei Wissen darüber, ob PCB 47 wie in Ennepetal im Umfeld des Betriebes zu finden ist.

Seit wenigen Tagen bekannt ist allerdings: In Proben, die aus dem Produktionsprozess genommen worden sind, konnte PCB 47 in einer Menge von bis zu 390 mg/kg festgestellt werden. Eine Belastung, die ausreichend ist, um den Fund als „gefährlichen Abfall“ einzustufen. Die Grenze hierfür liegt bei 50 mg/kg.

„Produktionsweise – also der eingesetzte chlorhaltige Vernetzer – und Probenergebnis sind für den Ennepe-Ruhr-Kreis Anlass für eine erste Information der Öffentlichkeit. Zudem werden wir zusammen mit dem LANUV aktiv werden, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen und die Lage angemessen beurteilen zu können“, so Schade. Dabei stehe die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger eindeutig im Vordergrund.

Kreis und LANUV setzen auf ihre Erfahrungen, die sie in Ennepetal gesammelt haben. Als erstes ist geplant, Proben von Löwenzahn zu nehmen und auf PCB 47, 51 und 68 zu überprüfen. „Wo genau die Proben genommen werden, muss noch geklärt werden. Abhängig ist dies unter anderem von der Hauptwindrichtung im Umfeld des Unternehmens“, erläutert Wolfgang Flender, Abteilungsleiter Umwelt im Schwelmer Kreishaus. Nach seinen Worten will das LANUV den Beginn der Vegetationsperiode im März abwarten. Für diesen Zeitpunkt sei die Probennahme in Aussicht gestellt.

Die Löwenzahnblätter werden in einem aufwändigen Verfahren auf PCB analysiert. Die Ergebnisse dienen als ein erstes Schadstoffscreening und Entscheidungshilfe für denkbare weitere Schritte. In Ennepetal waren die im Löwenzahn festgestellten PCB 47 Werte so erhöht, dass das LANUV die Untersuchungen mit Bodenproben und Grünkohl fortsetzte.

„Die im Grünkohl ermittelten PCB Werte wurden als erhöht eingestuft und lieferten die Grundlage für detaillierte Verzehrhinweise für Gemüse und Obst sowie für Luftimmissions- und Partikelmessungen. Zudem sollen in Ennepetal Blutuntersuchungen auf freiwilliger Basis angeboten werden. „Wie gesagt, davon sind wir in Witten aktuell noch weit entfernt“, so Flender.

Ebenfalls wie in Ennepetal wird die Kreisverwaltung in Witten das Unternehmen und dessen Emissionen in den Fokus nehmen. Und auch die Frage des Einsatzes des chlorhaltigen Vernetzers ist im Blick. Im Vergleich zu biw in Ennepetal wird davon in Witten aber aufgrund geringerer Produktionsmengen deutlich weniger eingesetzt.

„An dieser Stelle“, so der Landrat, „muss aber auch gesagt werden: Die Anlagen, über die wir sprechen, sind nach Bundes-Immissionsschutzgesetz nicht genehmigungsbedürftig, der Vernetzer ist erlaubt.“ Die Diskussion über die mit ihm verbundene PCB Gefahr stehe landes- und bundesweit erst ganz am Anfang.

Aktuell setzen noch große Teile der Silikonteile produzierenden Branche auf dieses Produkt. Ein Umstand, auf den Schade auch in einem Schreiben an die NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser hingewiesen hat. Dort spricht sich Schade für ein Verbot des chlorhaltigen Vernetzers aus.

Stichwort PCB

Insgesamt gibt es 209 Polychlorierte Biphenyle. Ihre Produktion ist seit 1989 verboten, seit 2013 gelten sie als krebserregend. Dem Austritt der PCB „Varianten“ 47, 51 und 68 aus silikonverarbeitenden Betrieben ist das LANUV in Ennepetal auf die Spur gekommen. Ausgangspunkt war der Fund von weißen Flocken. In ihnen wurde nach aufwändigen Tests PCB 47, 51 und 68 nachgewiesen. Der Ausstoß konnte zweifelsfrei dem Unternehmen biw zugeordnet werden.

Die Kreisverwaltung versucht derzeit mit verschiedenen ordnungsrechtlichen Verfahren, gegen Emissionen von PCB vorzugehen. Gemeinsam mit dem zuständigen Landesministerium und beraten von einem Fachanwalt wird dabei immer wieder geklärt, welche Schritte rechtlich möglich und geboten sind.

Zum PCB Fund in Ennepetal hat die Kreisverwaltung umfangreiche Informationen auf ihrer Internetseite zusammenstellt.


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