Moppett Kalle – Begegnung der besonderen Art

Kalle unterwegs - Von Sardinien nach Livorno (Foto: RuhrkanalNEWS)

Livorno/Hattingen – Manchmal macht das Leben die besten Zufallsbekanntschaften. Auf der Fähre von Sardinien nach Livorno begegnete mir Karl-Heinz Weithe, besser bekannt als Moppett-Kalle (wie man im Ruhrgebiet eben Moped schreibt), aber alle nennen ihn einfach nur Kalle. Und wer ihn einmal getroffen hat, versteht sofort warum: Der Mann aus Wetter an der Ruhr, direkt im Ennepe-Ruhr-Kreis, strahlt die bodenständige Herzlichkeit aus, die man sich von einem echten Ruhrgebietler vorstellt.

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“Da kennen mich alle — der Moppett-Kalle.”

Kalle hat seinen Traumjob gefunden. Seit Jahren transportiert er motorisierte Zweiräder — Motorräder, Roller, alles was zwei Räder und einen Motor hat — quer durch Südeuropa. Fast jede Woche einmal Sardinien und zurück. Die Insel liebt er so sehr, dass er dort von Mai bis Oktober fast jede Woche unterwegs ist. “Sonst kannst du ja hier nicht fahren”, sagt er pragmatisch — und meint damit die Sommerhitze, die Sardinien außerhalb der Saison für Biker zur Tortur macht.

Tolles kennenlernen im Hafen von Livorno (Foto: RuhrkanalNEWS)
Hattingen trifft Wetter (Foto: RuhrkanalNEWS)

Vom EN-Kreis bis ans Mittelmeer

Was als Ein-Mann-Betrieb begann, hat sich zu einem eingespielten kleinen Betrieb entwickelt. Fünf, sechs verlässliche Helfer begleiten Kalle bei seinen Aktionen — für den Nahverkehr, also den Abhol- und Lieferservice direkt bei den Kunden zu Hause. Denn das ist der eigentliche Kern seines Service: Wer sein Motorrad auf Sardinien, in Spanien oder Portugal stehen hat und zum TÜV muss — in Italien oder Spanien ist das deutschlandweit nicht möglich — der ruft den Moppett-Kalle an. Der holt das Motorrad ab, bringt es nach Deutschland zum TÜV, und bei der nächsten Tour fährt es wieder runter. Zwei Jahre Ruhe.

Das Portfolio ist breit

Urlaubsmotorräder, Unfallmaschinen, Händlertouren mit ihren Kunden — wenn ein Motorradhändler mit einer Gruppe nach Sardinien fährt, kümmert sich Kalle um den gesamten Bike-Transport. Ein Beispiel aus dem Jahreskalender: Jedes Jahr Ende Januar fährt er mit zwei LKW und bis zu 80 Motorrädern zu einer Rennveranstaltung nach Cartagena in Spanien.

O-Ton Kalle: „Wills ma reinsehen?“ (Foto: RuhrkanalNEWS)
Kalles wertvolle Fracht (Foto: RuhrkanalNEWS)

Kein Korsika — und das hat einen Grund

Auf eine Frage muss Kalle lachen: Ob er auch nach Korsika fährt? “Nein, nein. Nee, nee, Korsika nicht.” Warum genau, bleibt erst sein Geheimnis — aber er betont es mit einer Entschiedenheit, die keine Diskussion zulässt. Sein Aktionsradius umfasst ansonsten die gesamte iberische Halbinsel, die Pyrenäen, Portugal, Spanien, Sardinien und weitere Teile West- und Südeuropas.

Aber der Verfasser dieser Zeilen lässt nicht locker warum Kalle mit seinen Motorrädern im Gepäck nicht nach Korsika fährt. Und plötzlich wird der erfahrene Straßenkapitän ganz sachlich – und ein bisschen verschwörerisch.

Die Grip-Legende von Sardinien

“Korsika ist bei weitem nicht so besucht mit Motorrädern wie Sardinien”, erklärt er kenntnisreich. Der Grund? Die Straßen sind dort schlichtweg viel schlechter. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist eine fast schon mythische Geschichte, die unter Bikern die Runde macht: Der sprichwörtliche Grip auf Sardinien soll angeblich durch eingeriebenes Glasmehl im Asphalt entstehen! Ob’s stimmt oder nicht – Sardinien ist jedenfalls berühmt für seinen Rennstrecken-Grip. Die Reifen haften wie angeklebt, das Motorrad rutscht nicht weg, und genau das ist der Grund, warum alles nach Sardinien will. Korsika dagegen? Schöne Kurven, gewiss – aber der Asphalt ist eine Wundertüte, und wer mit wertvollen Bikes im Gepäck unterwegs ist, der überlegt sich zweimal, wo er seine Kundschaft hinfährt.

Kalle hat eben nicht nur Millionen Kilometer auf dem Tacho, sondern auch das Wissen, wo die Straße hält, was sie verspricht. Und wenn die halbe Motorradwelt nach Sardinien pilgert statt nach Korsika, dann hat das seinen Grund – Glasmehl hin oder her. Der Mann weiß, wovon er spricht.

Ein sympathischer Zeitgenosse auf fünf Achsen: Moppett-Kalle aus Wetter (Foto: RuhrkanalNEWS)

Reden statt Schreiben

Preise sucht man auf seiner Webseite vergeblich — und das ist gewollt. “Ich will mit den Leuten reden”, sagt Kalle. “E-Mails und so weiter sind für mich kein Medium.” Wer den Moppett-Kalle beauftragen will, soll anrufen, nicht tippen. Ein Motto, das aus einer anderen Zeit zu kommen scheint — und gerade deshalb so sympathisch wirkt. Zu finden ist er unter Moppettkutsche — und am schnellsten natürlich per Telefon.

Moppett-Kalle ist ein sympathischer Typ – und einer, der seinen Job liebt. Das merkt man sofort. Er freut sich, wenn man ihn darauf anspricht, und kommt gern ins Gespräch. Ob tagsüber oder mitten in der Nacht: „Ruf einfach an“, sagt er. „Entweder ich gehe ran – oder ich habe das Handy auf lautlos. Dann schlafe ich in meinem Truck“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern.

Kalle ist ein offener, empathischer Mensch. Gespräche mit ihm entstehen ganz natürlich – sei es bei einem schnellen „Käffchen“ auf der Fähre oder irgendwo am Straßenrand. Und weil er selbst so für seine Arbeit brennt und sich über Interesse freut, bleibt es nicht bei einem kurzen Austausch. Schon mal wird wenige Kilometer nach der Fähre einfach angehalten, um weiterzuplaudern. Zeitdruck? Kennt er nicht.

Bei Kalle läuft alles entspannt

Immer zwei Sardinien Flaggen am Führerhaus (Foto: RuhrkanalNEWS)

Moppett Kalle ist kein gewöhnlicher Fernfahrer – er ist eine Institution auf Rädern. Seit 18 Jahren dreht der sympathische Kapitän der Landstraße seine Runden gen Süden, und die Bilanz kann sich sehen lassen: “Ich hab 400 mal die Runden gedreht, weit über 3 Millionen Kilometer nur nach Sardinien – ohne die anderen Touren!”, erzählt er nicht ohne Stolz. “Und da erlebst du einiges, positiv wie negativ.

„Die Sarden mögen das“ meint Kalle (Foto: RuhrkanalNEWS)

Der Bierbotschafter von Olbia

Auf jeder neuen Tour schreibt Kalle seine ganz eigenen Geschichten – und eine davon dürfte in die Annalen der deutsch-sardischen Kulturvermittlung eingehen. Ausgerechnet er, ohne großartige Italienischkenntnisse gesegnet, wurde zum Lehrmeister der Sarden in Sachen Bierkultur. Das landestypische “Ichnusa non Filtrata”, ein naturtrübes Bier, wurde dort nämlich einfach aus der kleinen 33cl-Flasche getrunken – für Kalle ein Sakrileg! “Das muss ja aufgeschüttelt werden wie ein Hefeweizen!”, dachte sich der norddeutsche Brummifahrer und machte sich daran, den Inselbewohnern Biertrinken beizubringen. Also braucht’s auch ein gleich großes Glas dazu – logisch! Doch die Wirte in Olbia bekamen das anfangs nicht auf die Reihe. Bis Kalle mit Händen, Füßen und viel Geduld zu erklären begann, was da zusammengehört.

Und siehe da: Es fruchtete!

Zumindest in einigen Kneipen und Restaurants in Olbia – nicht in allen, wohlgemerkt – wurden tatsächlich die passenden Gläser angeschafft. Seitdem kann man das köstliche Ichnusa dort auch vernünftig und schön trinken – dank eines hartnäckigen Truckers, der die sardische Gastronomieszene ein kleines bisschen revolutioniert hat. Man könnte sagen: Kalle hat nicht nur Fracht transportiert, sondern auch Kultur.

Kalle unterwegs – Von Sardinien nach Livorno (Foto: RuhrkanalNEWS)

„Ich fahre jetzt durch die Toskana nach Florenz“, erzählt er. „Dort habe ich ein Hotel zum Übernachten, lade noch drei Bikes auf – und dann geht’s wieder zurück in die Heimat.“

Doch bevor es weitergeht, zeigt der Trucker – dessen Führerhaus mit zwei großen Sardinien-Flaggen und der Aufschrift „KALLESAINA“ (Kalle seiner) geschmückt ist – noch seine besondere Fracht. Mitten auf der Straße öffnet er für RuhrkanalNEWS seinen Auflieger und präsentiert stolz „seine Moppetts“. Ein Moment zum Staunen.

Am Ende bleibt der Eindruck eines außergewöhnlich herzlichen Menschen, einer Begegnung, die im Gedächtnis bleibt – und einer kleinen, besonderen Geschichte für die Leserinnen und Leser im Ennepe-Ruhr-Kreis.

Weiterhin Gute Fahrt, Kalle.

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