LICHT UND SCHATTEN BEIM ALTSTADTFEST

Hattingen- Das echte Highlight, für das man extra nach Hattingen kommt, fehlt in diesem Jahr. Statt dessen sind mehrere gute Bands auf den verschiedenen Bühnen, für die sich ein Besuch des Altstadtfestes allemal lohnt. Aber es sind leider auch Totalausfälle zu verzeichnen, fremdschämen vor der Bühne inklusive. Gefühlt ist die Besucherzahl noch etwas niedriger als vergangenes Jahr, jedenfalls gibt es kaum Situationen wo ein Durchkommen unmöglich ist.

Gute Stimmung auf dem Kirchplatz (Foto: RuhrkanalNEWS Holger Grosz)

Gute Stimmung auf dem Kirchplatz (Foto: RuhrkanalNEWS Holger Grosz)

Doch der Reihe nach: Die Eröffnungen wird vom Stadtmarketingchef Georg Hartmann eingeleitet, der an den Bürgermeister übergibt. Auch wenn Dirk Glaser erstmalig in offizieller Funktion dabei ist, wird hier routiniert und vorhersehbar das Altstadtfest eingeleitet. „Gleis 38“, die Big Band der Bogestra, übernimmt direkt im Anschluss wieder musikalisch das Zepter, bevor dann „Deluxe-the radioband“ die Bühne auf dem Kirchplatz entert. Die selbsternannte „beste Partyband Deutschlands“ spielt gekonnt die Charts der letzten Jahrzehnte, eine Mischung mit der man nicht viel falsch machen kann. Dass hier gestandene Musiker auf der Bühne stehen macht sich ebenfalls bezahlt. Die Stimmung auf den Kirchplatz ist gut.

Richtig ab geht es vor der Bunkerbühne. Leutnant Lennard und später Captain Disko zeigen, wo der Hammer hängt. Sie überzeugen als Lokalmatadore nicht nur ihre Fans. Für die jüngeren Altstadtfestbesucher ist hier der Platz an dem man einfach sein muss. Das macht Lust auf mehr, die Party kann beginnen, dieser Auftakt zeigt, wie ein gelungenes Altstadtfest funktionieren kann.

Ganz anders ist es dagegen auf der Bühne im Krämersdorf. Die Stimmung ist, um es diplomatisch auszudrücken, bescheiden. Und das liegt ganz ausdrücklich nicht an den Musikern. Aber die Tontechniker bekommen ihre Anlage einfach nicht in den Griff. Ein Sound zum Weglaufen während der Auftritte, im Vorfeld Soundchecks die sich ewig ziehen und letztendlich nicht zum Ziel führen, sorgen bei Musikern und Publikum für schlechte Laune. (Update: Die für den Sound verantwortliche Firma wurde nach eigenen Angaben nicht in Kenntnis gesetzt, dass Big Bands die Bühne bespielen und hat somit nur, nach Vorgabe, 2 Mikrofone installiert. Dadurch kam es demnach zu den Problemen mit Soundcheck und Abmischung. Von RuhrkanalNEWS daraufhin befragte Bands behaupten dagegen konkrete Angaben zur Anzahl der Musiker gemacht zu haben. Was richtig ist lässt sich aktuell nicht klären.)  Dabei sind hier, genau wie im vergangenen Jahr, an allen drei Tagen die musikalischen Highlights zu finden. Die „Funkstelle Hattingen Mitte“, „Big Blast Company“, „Monday Night Orchester“, „Musikschule Hattingen“ und „Beter Böcek Orkestrasi“ bieten Ungewöhnliche und Unerwartete Interpretationen. Sie hätten es alle verdient gehabt auf der Hauptbühne zu stehen und so ein Alleinstellungsmerkmal für das Hattinger Altstadtfest zu schaffen.

Altstadtfest zukünftig immer Ende Mai

Noch cooler geht nicht (Foto: RuhrkanalNEWS Holger

Noch cooler geht nicht (Foto: RuhrkanalNEWS Holger Grosz)

An allen Abenden ist die Stimmung gut. Einziger Wermutstopfen ist, dass ab ca. 21 Uhr auf allen Bühnen gleichzeitig klasse Bands, sowohl mit Coversongs, als auch mit eigenen Stücken, stehen. „Da kann man sich gar nicht entscheiden, wo man jetzt am liebsten zuhören will“, so eine Zuschauerin. Das führt dann wahrscheinlich auch dazu, dass alle Bühnen zwar gut, aber dennoch überschaubar besucht sind. Der Freitagabend liefert dafür das beste Beispiel: Der Haupt-Act auf dem Kirchplatz, „Deluxe – the radioband“, begeistert das Publikum mit Klassikern und aktuellen Hits, VfL Bochum Stadionsprecher Michael Wurst stellt sein gesangliches Talent unter Beweis und  vergisst dabei auch die Show nicht. Auch „Exback“ auf dem Untermarkt sorgen für Stimmung, mit einer Auswahl verschiedener Coversongs. Am Samstag ist mit „Purple Rising“ ein der besten Deep Purple Cover-Bands vor dem Bunker vertreten.

Aber es gibt auch Darbietungen zum Weglaufen bei diesem 42. Altstadtfest. Exemplarisch sei hier ein Auftritt  auf der Bühne im Krämersdorf genannt. Es soll wohl eine Travestie-Show sein, die da geboten wird. Es wird leider  irgendwas zwischen schmieriger Comedy und Altherrenwitzen die schon in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht lustig waren. So vertreibt man auch die letzten Besucher.

Auch die Nachtschnittchen hatten schon mal einen besseren Tag. Die Gags zünden beim Altstadtfest nicht, ein großer Teil des Publikum wirkt zu Recht gelangweilt, die Zahl der Zuschauer vor der Bühne sinkt im Laufe des Programms kontinuierlich und das liegt nicht am fehlenenden Helmut Sanftenschneider. Doch es gibt auch Nachtschnittchen-Fans, die zufrieden sind. „Unterstes Niveau und überhaupt nicht lustig“, so die einen, „Gute Unterhaltung“, meinen andere.

Wirte sind sauer

Hightlight für Hattinger: Das Bermuda Dreieck (Foto: RuhrkanalNEWS Holger

Hightlight für Hattinger: Das Bermuda Dreieck (Foto: RuhrkanalNEWS Holger Grosz)

Als Partykiller entpuppt sich die Kombination aus querschießendem Anwohner und Polizei. Die Ordnungshüter greifen, vor allem am Freitag, hart durch. Pünktlich um 22 Uhr sorgen sie für Ruhe, kurz danach beenden sie den Getränkeausschank unter freiem Himmel. Ob es nun ein übereifriger Polizeieinsatz war oder genervte Anwohner die wegen Ruhestörung bei der Polizei anrufen – es bleibt zunächst unklar. Gerade für die Gastronomen die voll auf den Außenbereich gesetzt haben, ein Fiasko. „Das was hier passiert ist unter aller Sau!“, so das Fazit eines Wirtes der ungenannt bleiben möchte. „Wir bezahlen viel Geld für die Konzession und dann schafft es die Stadt nicht Ausnahmegenehmigungen bis Mitternacht zu erteilen.“ Von anderer Stelle wurde berichtet, dass man sogar 150,- Euro für eine Extra-Konzession draufzahlen musste, trotzdem aber von den Ordnungshütern aufgefordert wurde um 22.30 Uhr den Draussen-Bierverkauf einzustellen und das ohne Angabe von Gründen.

Weniger Probleme mit der Ruhestörung hat die Stadt, wenn es darum geht, die Gastronomie-Zelte wieder abbauen zu lassen. Nicht nur, dass die beauftragte Firma bereits kurz vor Ende des Festes mit ihren Fahrzeugen auf den Kirchplatz fährt, dabei ohne Rücksicht auf Verluste Besucher verscheucht und sie „unfreundlich von der Seite anquatscht“ wie es ein Betroffener zusammenfasst. Nein, die Männer demontieren die Nacht hindurch bis in die Morgenstunden die Aufbauten und und bringen damit die Anwohner um den Schlaf. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Männer sich sogar bemühen leise zu arbeiten. Arbeitskommandos, fahrende Transporter und das klappern der Zeltstangen sowie der Holzböden sorgen für eine hohe Grundlautstärke.

Fazit: Es war toll aber es bleibt auch Luft nach oben

2 Lieder und das Fest war eröffnet: Sänger Jay Oh auf dem Kirchplatz (Foto: RuhrkanalNEWS Holger

2 Lieder und das Fest war eröffnet: Sänger Jay Oh auf dem Kirchplatz (Foto: RuhrkanalNEWS Holger Grosz)

Das Fazit vieler Besucher, auch in den sozialen Medien, fällt eindeutig aus. Auch die, die das Altstadtfest von der Idee her gut finden, sehen  Verbesserungsbedarf. Immer wieder wird bemängelt, dass das Programm zu viele Coverbands auf die Bühnen bringt. In der Facebook-Gruppe „Ich bin Hattinger- und das ist gut so“ stellen sich Nutzer die Frage, ob man mit einem Programmetat von 80.000 Euro nicht auch mehr hochklassige Bands mit eigenen Liedern hätte verpflichten können. Dies hatte RuhrkanalNEWS bereits im vergangenen Jahr beanstandet. Auch bekannte Hattinger Bands, die hier gerne wieder gespielt hätten, wurden durch die angeblich angebotene Gage eher verschreckt, als beeinduckt. Außerdem bezweifeln viele, dass die offiziell verkündeten 35.000 Besucher der Realität entsprechen. Diese Zahl kollidiert offensichtlich mit den persönlichen Eindrücken der verschiedenen Besucher, die, trotz des diesjährigen „verunglückten“ Altstadtfest-Plakates, den Weg nach Hattingen gefunden haben.

Offiziell ist die Bewertung anders: Mit der Besucherzahl ist man zufrieden, die Bands waren durchweg klasse und überhaupt ist alles perfekt gelaufen. So gut, dass das Hattinger Altstadtfest zukünftig immer Ende Mai stattfinden soll. Der Grund für diesen Termin ist die Tatsache, dass man auf diese Weise zukünftigen Fußball-EM und -WM aus dem Weg geht. Leider verkennen dabei die Verantwortlichen die Idee, dass ein gut organisiertes „public-viewing“ auch Menschen in die Altstadt lockt, und das sogar zu einem Altstadtfest.

Filmbeitrag Altstadtfest 2016

Ein besonderes Highlight: Daria Berka singt mit Unterstützung des Gymnasiums Holthausen „Skyfall“

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