JENS SPAHN AM KATHOLISCHEN KLINIKUM BOCHUM

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich mit Mitarbeitern des St. Josef Hospitals unterhalten (Foto: RuhrkanalNEWS)

Bochum- Selten wird ein Ministertbesuch diskreter behandelt, als in Bochum. Offenbar möchte die Geschäftsführung der Klinik, gemeinsam mit den übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, in Ruhe mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) über die Auswirkungen der Corona-Pandemie sprechen. Bei anderen Terminen waren derartige Gespräche häufig nicht möglich, da der Minister von „Demonstranten“ nicht nur unflätig beschimpft, sondern manchmal auch bespuckt worden war.

In Bochum bleibt es am Dienstag (1. September 2020) friedlich, obwohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kritik am Vorgehen des Bundesgesundheitsministeriums äußern. Beide Seiten können sachlich Argumente austauschen und so gegenseitiges Verständnis für die Nöte und Zwänge der anderen Seite entwickeln. Ein wichtiger Punkt ist die Angst, nicht genügend Medikamente für die Versorgung der Patienten zu bekommen oder plötzlich keine Desinfektionsmittel mehr kaufen zu können.

Jens Spahn erklärt, dass beispielsweise Unikliniken in die Produktion von Desinfektionsmitteln eingestiegen sind ,um die Versorgung zu verbessern, dass es aber weltweit für die meisten Medikamenten nur wenige Hersteller gebe. Diese würden von Bestellungen überrannt und weitere Produktionslinien aufzubauen sei nicht so schnell möglich. Die Bundesregierung versucht demnach selbst Bestellungen auf den Weg zu bringen. Anschließend sollen die Medikamente an die Kliniken in Deutschland verteilt werden. Die Hoffnung dahinter: Die Bestellung eines Staates soll größeres Gewicht haben, als die Bestellungen einzelner Krankenhäuser. „Doch weltweit versuchen das gerade alle Regierungen, wir stehen also auch in einer gewissen Konkurrenz“, so Jens Spahn.

Die Finanzierung von Ausfallkosten der Kliniken, die wegen Corona Operationen verschieben mussten oder Intensivbetten für mögliche Pandemiepatienten freihielten, ist vor allem das Thema der Geschäftsleitung. Hier stellt Jens Spahn klar, dass es wohl entsprechende Entschädigungen gibt, aber das die Ausgestaltung schwierig ist. So sei jedes Krankenhaus anders betroffen. Offen bleibt auch, ob die Ausfälle in voller Höhe erstattet werden.

Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter äußern sich enttäuscht, dass die angekündigten Prämien für die Beschäftigten geringer ausfallen, als erwartet. Halb im Scherz sagt Jens Spahn, dass es jedem Klinikbetreiber als Arbeitgeber natürlich freistehe, höhere Prämien zu zahlen. Doch dann wird er wieder ernst und berichtet, dass Klinkverbände und Krankenkassen im Gespräch über das Thema seien.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) (Video: RuhrkanalNEWS)

Natürlich wird Jens Spahn sowohl von den Beschäftigten, als auch von den wartenden Journalisten, auf die teils gewalttätigen Demonstrationen am vergangenen Wochenende in Berlin angesprochen. Hier äußert der Gesundheitsminister einerseits Verständnis für Menschen, deren Arbeitsplätze oder Unternehmen gefährdet sind, andererseits völliges Unverständnis dafür, dass einige diese Ängste nutzen um Hass zu verbreiten und jeden Dialog zu verweigern.

„Ich frage mich, in welchem Land wollen diese Menschen aktuell lieber leben, als in Deutschland“, ist Jens Spahn ratlos. Denn bei aller Kritik und bei allen Möglichkeiten sicher noch besser mit der Pandemie umzugehen, erinnert er an eine Tatsache, die die Menschen in Deutschland beruhigen könnte: „In Deutschland sind zur Zeit mehr Intensivbetten unbelegt, als Italien oder Frankreich überhaupt haben!“ Allein das zeige doch, wie gut Deutschland auf schwierige Situationen vorbereitet sei. Da dürfe es nicht an MNS-Masken scheitern, die andere schützten und vielleicht etwas lästig seien.

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