HEIMARBEIT ODER BÜRO? DIE MISCHUNG MACHT DEN ERFOLG

Mal im Büro, mal im heimischen Arbeitszimmer: Ralf Löchel aus dem Bereich Landschaftsplanung, -entwicklung und -schutz weiß die Vorteile beider Arbeitsplätze zu schätzen (Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis)

Ennepe-Ruhr-Kreis- Zwei Tage Büro, zwei Tage Home-Office, zwei Tage Büro – diesem Rhythmus folgen derzeit rund 650 Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Er hat in den vergangenen Monaten dafür gesorgt, dass das Infektionsrisiko minimiert wurde – und wird von vielen als gute Mischung aus Heim- und Büroarbeit empfunden.

Begehung eines Baugrundstücks? Am besten am Mittwoch. Lange Telefonate mit Bauherren? Wenn möglich am Donnerstag. Wenn Ralf Löchel aus dem Bereich Landschaftsplanung, -entwicklung und -schutz Termine planen kann, legt er bestimmte Aufgaben gezielt auf Home-Office-Tage.

„Zuhause bin ich tagsüber allein. Da habe ich am Telefon mehr Ruhe als im Büro“, sagt Löchel. Zunächst sei es zwar ein komisches Gefühl gewesen, zuhause dienstlich zu telefonieren. „Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran.“ Muss er geplante Neubauten in Hattingen natur- und artenschutzrechtlich prüfen, so spart er Autostrecke und Arbeitszeit, wenn er von seiner Bochumer Wohnung aus zu der betroffenen Fläche fährt statt am Schwelmer Kreishaus zu starten.

Technisch ist das mobile Arbeiten kein Problem, dafür hat die EDV-Abteilung der Kreisverwaltung gesorgt. 900 Zugänge hat sie bislang eingerichtet. Sie ermöglichen es den Mitarbeitern, von überall aus auf den Server mit den benötigten Dateien und Programmen zuzugreifen. Voraussetzungen: Laptop, Handy, Internetverbindung.

Auf beiden Geräten wird eine App installiert, beide werden zum Einloggen benötigt. „Durch die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist Fremdnutzung quasi ausgeschlossen. Die Daten werden ausschließlich auf Servern der Kreisverwaltung gespeichert, nicht lokal auf dem Rechner. Der Zugriff darauf ist hochverschlüsselt“, versichert EDV-Leiter Jürgen Wagenbach.

Probleme mit dem mobilen Arbeiten? Bei Ralf Löchel Fehlanzeige. „Das läuft reibungslos. Die Anträge und Unterlagen sind digital, ich kann sie in meinem Arbeitszimmer genauso gut bearbeiten wie im Büro. Sogar die Rufumleitung auf mein Handy kann ich von zuhause aus aktivieren und deaktivieren“, berichtet er.

Hakt es doch mal irgendwo, ist die EDV telefonisch zur Stelle. „Im Support bereiten uns die zusätzlichen Arbeitsplätze durchaus Mehrarbeit. Wenn ein Kollege im Home-Office anruft und sagt ‚Mein Laptop läuft nicht‘, dann legen wir ja nicht auf, sondern geben Tipps und versuchen das Problem zu lösen“, sagt Wagenbach.

Die EDV-Mitarbeiter selbst arbeiten ebenfalls regelmäßig von zuhause aus. „Für mich ist das Standard“, sagt der Abteilungsleiter. „Ich musste auch vor der Pandemie schon jederzeit auf Daten zugreifen können.“ Sein Team kann im Home-Office beispielsweise Sicherungen kontrollieren oder auch Störmeldungen nachgehen. Nur wenn die Hardware an einem der 1.400 Arbeitsplätze der Kreisverwaltung nicht funktioniert, muss die EDV Vor-Ort-Service leisten.

Auch viele Kreismitarbeiter, die ein Einzelbüro haben und sich deshalb nicht pandemiebedingt im Büro abwechseln müssen, nutzen hin und wieder das Home-Office. Tagt der Corona-Krisenstab, so sind mal mehr, mal weniger Mitglieder virtuell zugeschaltet. Und wenn die Pressestelle am Wochenende die aktuellen Corona-Zahlen meldet, dann geschieht das aus dem heimischen Wohnzimmer heraus.

„Ich habe großes Vertrauen in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn jemand von zuhause aus arbeiten möchte und der Aufgabenbereich es zulässt, ist das völlig in Ordnung. Und zwar nicht nur, wenn eine Pandemie, kleine Kinder oder pflegebedürftige Angehörige der Grund sind“, sagt Kreisdirektor Paul Höller. Andersherum gelte auch: „Nicht jeder möchte im Home-Office arbeiten. Und man kann niemanden dazu zwingen.“

Komplett von zuhause aus zu arbeiten, das würde auch für Löchel nicht in Frage kommen. „Man braucht Arbeitstage, die man mit den Kollegen verbringt. Hat man zuhause einen fachlichen Gedanken, geht der ganz leicht wieder verloren. Im Büro saust man mal eben zum Kollegen rüber, teilt ihn und oft entwickelt sich daraus etwas Gutes.“ Außerdem sei das Miteinander in der Abteilung sehr gut, der soziale Kontakt wichtig.

Home-Office an mindestens einem Tag pro Woche, das möchte er auch nach Pandemieende weiterpraktizieren. Und damit ist Löchel vermutlich nicht allein. „Viele haben es jetzt ausprobiert, Vor- und Nachteile kennengelernt. Es wird sich zeigen, wie viele Mitarbeiter auch künftig zum Teil zuhause arbeiten möchten. Überall da, wo es geht, werden wir Lösungen finden“, ist Höller sich sicher. Klar sei aber auch: „Es gibt Aufgaben, wie die persönliche Beratung von Bürgerinnen und Bürgern, die nicht aus dem Home-Office erledigt werden können.“

Abschließend ist dem Kreisdirektor eine Feststellung wichtig: „Die Betreuung und Beschulung von kleinen Kindern und das gleichzeitige Arbeiten im Home-Office ist nicht oder nur mit großen Belastungen für alle Beteiligten möglich. Hier hätte ich mir in der Pandemie im Sinne aller Familien mehr Verständnis von Bund und Land und bessere, schnellere Lösungen gewünscht.“

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