HATTINGEN IST OFFIZIELL EINE FUSSGÄNGER- UND FAHRRADFREUNDLICHE STADT

Bürgermeister Dirk Glaser, Christine Fuchs, (Vorstand AGFS NRW) und Oliver Krischer (Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW) Foto: Holger Grosz

Hattingen- Seit heute (24. Mai 2024) ist Hattingen offiziell eine Fußgänger- und Fahrradfreundliche Stadt. „Höre ich da etwa schallendes Gelächter und vernehme ein heftiges Schenkelklopfen? Ich gebe zu, als die Presseeinladung kam, war ich ein wenig verwirrt. Hatte ich etwas Wichtiges verpasst?“, fragte sich RuhrkanalNEWS Fotograf Holger Grosz.

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Wir sind zu hügelig…

„Fahrradfahren hat in Hattingen keine Tradition. Wir sind einfach viel zu hügelig. Durch das E-Bike und eine Bewusstseinsänderung der Bürger hat sich das aber massiv geändert. Das Fahrrad ist kein reines Freizeitfortbewegungsmittel mehr“, so Bürgermeister Dirk Glaser in seiner Eröffnungsrede bei der Pressekonferenz.

Fotostrecke © Holger Grosz

Stadt mit Prädikat

Hattingen ist die 107. Stadt, die das Prädikat „Fußgänger- und Fahrradfreundliche Stadt“ nun verliehen bekommt. Aber wie ist es dazu gekommen? Die Stadt bewirbt sich, muss gewisse Anforderungen erfüllen, es kommt eine Prüfungskommission, und dann erhält man das Prädikat. Wir wissen alle, Hattingen hat keine perfekte Radfahrinfrastruktur und auf den Fußwegen sind auch keine absatzschonenden Gehwegplatten verlegt.

Um zur AGFS (Arbeitsgemeinschaft Fußgänger- und Fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW) zu gehören, muss man bestimmte Kriterien erfüllen. Positiv ist der Kommission aufgefallen, dass es zwei Fahrradstraßen gibt, dass die Fußgängerzone mit Fahrrädern befahren werden darf und besonders wichtig, wie die Stadt mit dem Widerstand der Bürger umgegangen ist, auch wenn sogar Senioren sich zu einer Interessengemeinschaft gegen den Radverkehr in der Fußgängerzone zusammengeschlossen hatten. Durchaus verständlich wenn man körperlich nicht mehr so reaktionsschnell ist, dass man einfach ein wenig Angst hat, umgefahren zu werden. Fakt ist aber, bisher hat es nur einen einzigen Unfall mit einem Radfahrer gegeben. Roundup für die Kommission war die Asphaltierung der „Glück Auf Trasse“ sowie deren geplante Weiterführung bis zur Innenstadt. Ebenso hat das große Projekt des Ruhrtal-Radwegs eine Rolle gespielt.

AGFS: Stadt muss Hausaufgaben machen

Frau Fuchs vom AGFS betonte, „dass die Mitglieder nicht perfekt sind. Mit der Auszeichnung der Stadt mit dem Prädikat Fußgänger- und Fahrradfreundliche Stadt beginnt die Arbeit erst. Man kann sich nicht entspannt zurücklehnen, die marketingwirksamen Schilder aufhängen und dann die Füße hochlegen. Nein, jetzt geht es erst richtig los. Man muss seine Hausaufgaben machen und wer diese nicht macht, muss den Club nach sieben Jahren verlassen.“

Der AGFS bietet aber massive Unterstützung an, von der die Stadt profitieren kann. Angefangen bei den eigenen Ingenieuren, einer sehr guten Informationsplattform bis hin zur Vernetzung der 107 Mitglieder untereinander. Besonders von den Erfahrungen der anderen Mitglieder kann Hattingen profitieren. Der AGFS baut auch zurzeit eine Arbeitsgruppe auf, die als Schwerpunkt mit den Seniorenverbänden zusammenarbeitet.

Jens Hendrix (Baudezernent Stadt Hattingen), Oliver Krischer (Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW), Bürgermeister Dirk Glaser, Christine Fuchs (Vorstand AGFS NRW), Robert Dedden (ADFC Ennepe-Ruhr-Kreis) (Foto: Holger Grosz
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Der angefangene Satz von Verkehrsminister Oliver Krischer: „Wir sind auf einem sehr guten Weg …“ wurde vom Baudezernenten Jens Hendrix mit den Worten: „… wenn der Bewilligungsbescheid da ist!“ fortgesetzt. Die Verkehrswende beginnt nicht irgendwann mit einem großen Knall, sie hat schon mit kleinen Schritten begonnen und es werden noch viele Schritte und Bewilligungsbescheide nötig sein.

7 Kommentare zu "HATTINGEN IST OFFIZIELL EINE FUSSGÄNGER- UND FAHRRADFREUNDLICHE STADT"

  1. Bernd Loewe | 24. Mai 2024 um 22:04 |

    Die Rechte der zu Fuß Gehenden wurden in Hattingen nicht ausreichend berücksichtigt, als das Fahrradfahren in der Fußgängerzone erlaubt wurde. Das betrifft nicht nur SeniorenInnen, sondern es sind vielfältige Interessen zu berücksichtigen.

    Die Frage der Zulassung von Radfahren in Fußgängerzonen erfordert eine sorgfältige Abwägung zwischen den Vorteilen der nachhaltigen Mobilität und den potenziellen Risiken und Konflikten mit Fußgängern.

    Die Fußgängerzone in Hattingen ist nicht für Radfahren konzipiert.

    Wer auch gegen das Fahrradfahren in unserer Fußgängerzone ist, der folge dieser Petition, dort sind auch weitere Begründungen zu lesen:

    https://weact.campact.de/p/Radfahren

  2. Zitat „Fakt ist aber, bisher hat es nur einen einzigen Unfall mit einem Radfahrer [in der Fußgängerzone] gegeben.“

    Vielleicht kann die Verwaltung einmal öffentlich benennen, wie hoch die Zahl der Unfälle sein muss, um umzudenken – 5, 10, 15 oder gar 50?

    Ironie beiseite: Ein Unfall ist bereits ein Unfall zu viel!

  3. Peter Hupperich | 25. Mai 2024 um 10:29 |

    Aus meinem Schreiben an die WAZ heute:
    Die Aufnahme Hattingens in die AGFS ist für Sie offenbar so interessant, wie die Anschaffung eines zweiten Stadtmüllsaugers, wie Layout und Text in der heutigen Ausgabe der WAZ zeigen.

    Ich empfehle der Redaktion und vor allem Frau Liliane Zuuring aufgrund Ihres Geschwurbels im Artikel „Anwohner wünschen sich fahrradfreie Altstadt“ (WAZ 21.Mai) die Lektüre der Ruhrkanalnews (24.5.24) von Barteczko/ Strodieck/ Holger Grosz zum Thema:

    „Hattingen ist offiziell eine fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt“: sachlich, sachkundig, faktenorientiert, informativ, differenziert

    und anschaulich bebildert. Dankeschön an die Redaktion

  4. Peter Hupperich | 25. Mai 2024 um 22:01 |

    Die eingeschränkte Freigabe der Hattinger Innenstadt für den Radverkehr hat eine jahrelange Vorgeschichte. Die Initiative ProRad konnte vor ca. 10 Jahren einen Ratsbeschluss bewirken, dass über die Augusta-Straße nicht nur Busse, sondern auch Räder die Heggerstraße queren dürfen. Die Stadtverwaltung und der Rat der Stadt haben sorgfältig geprüft und getestet und die Freigabe für Fahrradfahrer mehrmals modifiziert. Der Erfolg, keine Unfälle, gibt ihnen Recht.
    Die Bemühungen der Stadt, den Rad- und Fußverkehr gegenüber Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zu stärken, wird durch die Aufnahme in die AGFS belohnt. Sie ist Anerkennung für Geleistetes und Ansporn, sich weiter für die Mobiltätswende einzusetzen.
    Bei vielen Fußgängern in der Innenstadt stört mich am meisten, dass sie kurz vorher mit dem Auto in die Innenstadt gefahren sind und dort riesige Flächen beanspruchen: 3 Parkhäuser und riesige Parkflächen am Bunker, zwischen Rathaus und Moltkestraße bzw. August-Bebelstaße und hinter den Häusern an der Fußgängerzone mit „Radfahrer frei“,z.B. am Rewe-Markt Heggerstraße.

  5. Bernd Loewe | 26. Mai 2024 um 17:23 |

    Wie so oft, es gibt zwei Seiten der Medaille. Von Geschäftsleuten in der Großen Weilstraße wurde ein Unfall Fahrrad/Fußgänger mit Notarztwagen beobachtet. Andere berichteten von kritischen Beinaheunfällen mit Notbremsungen. Ein fast Unfall ist mir auch passiert, als ich kürzlich die Bäckerei Nieland in Höhe Roonstraße verlassen habe, sauste eine Radfahrerin unmittelbar an den Stufen vorbei. Es fehlten Sekunden…

    In der unteren Heggerstraße wurde das Gefahrenpotential erkannt und das Teilstück wieder für den Radverkehr gesperrt. Nun hängt die Verkehrswende in Hattingen von der Nutzung von wenigen 100 Metern in der Fußgängerzone ab, wo eh nach dem Verkehrsrecht nur Schritttempo erlaubt ist?

    Ich finde, die Hattinger Fußgängerzone soll für alle zu Fuß Gehenden wieder ein sicherer und angstfreier Raum werden. Lasst uns gemeinsam über Alternativen reden, die zum einen den touristischen Radverkehr angehen und zum anderen den Alltagsverkehr.

    Nach meinen Recherchen wurde bei der Entscheidung die Fußgängerzone frei zu geben nicht ausreichend die Interessen der zu Fuß Gehenden berücksichtigt. Von Hans Hartung wurden voriges Jahr 550 Unterschriften gesammelt, die sich gegen das Fahrradfahren in der Fußgängerzone richteten.

    Zitat Lars Friedrich:
    „Auf der anderen Seite braucht es jedoch auch Bereiche wie unsere nette Fußgängerzone, die für alle zu Fuß-Gehende ein sicherer und angstfreier Raum sein muss: zum einkaufen und schaufensterbummeln, zum sich treffen und ungezwungen zusammensitzen, zum flanieren und spielen, zum entdecken und erforschen. Aus diesem Grund bin ich für erkennbar getrennte Bereiche für Radfahrende und zu Fuß-Gehende. Sowohl der darauf erwachsende Benefit für Radfahrende, als auch der Gewinn für zu Fuß-Gehende sollte dann einfach, verständlich und breitgefächert kommuniziert werden – als Bausteine von Tourismusförderung und Stadtmarketing.“

  6. Immanuel Kant | 26. Mai 2024 um 21:50 |

    Dass mit dem Schaufensterbummeln ist ca. ab der Oststraße aufwärts eher weniger der Fall.
    Mobilitätsfördernd wäre es auch, wenn die Stadt (evtl. der Herr Moblitätsbeauftragte) sich im Herstellen der Lichtraumprofile an den Radwegen im Stadtgebiet engagiert. Da ist sehr viel Luft nach oben!!!

  7. Der Observer | 28. Mai 2024 um 7:59 |

    Die Fußgängerzone der oberen Heggerstraße wird ab der Oststraße zunehmend von Autos!!! und Radfahrern so genutzt, dass Fußgänger eben nicht sicher sind. Auch vor dem Mexx kann man immer wieder beobachten, dass Radfahrer rücksichtslos durch die Innenstadt brettern. Und nein, es sind nicht nur Senioren, sondern auch Mütter mit Kinderwagen !!! oder jüngere Bürger allgemein, die sich durch solche “ rücksichtslosen und nicht Herr ihrer Sinne und zudem meist fetten, alten Trottel und Trottelinnen“ ( frei nach Dieter Nuhr!!) in ihrer Sicherheit bedroht fühlen!
    Ganz ehrlich: Was soll der Mist?????
    Warum muss man durch die Stadt „radeln“ und anderen Mitmenschen das Gefühl geben Freiwild auf der Piste zu sein? Die meisten „Radelnden“ oder schlimmer noch, die mit den Rollern!, die sollten sich zu sich zu Fuß bewegen, weil sie entweder zu dick sind, nicht mit dem Rad umgehen können oder geistig schon jenseits von gut und böse sind und nicht wissen, dass rechts vor links auch für Radfahrer gilt!!!!!

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