Kostenlose Computer-Programme die vor Datenklau schützen

Opensource (Symbolbild: KI generiert)

Ennepe-Ruhr-Kreis/Hattingen- Nach Berichten darüber, welchen Bedrohungen Städte und Gemeinden durch Cyber-Attacken aus russischen Netzwerken ausgesetzt sind und wie gefährlich die Abhängigkeit von US-Software für öffentliche Verwaltungen sein kann (RuhrkanalNEWS berichtete), stellt sich die Frage wie sehr sich Privatanwender Sorgen machen müssen.

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Die gute Antwort vorweg: Die Sicherheitslage hat sich aktuell für Privatleute nicht dramatisch verschlechtert. Vorsichtig bleiben müssen alle trotzdem. Beim Thema Phishing, also dem Ausspionieren sensibler Daten, bleibt etwas nachdenken (bevor ein Link geklickt wird!) die sicherste und effektivste Schutzmaßnahme. Keine Bank, keine Behörde und kein Paketdienstleister fordert per Mail dazu auf, Daten zu aktualisieren oder eine große, möglicherweise unberechtigte Zahlung abzuwenden. Wer solche Mails erhält und sich unsicher ist, sollte nie den in der Mail angegebenen Link anklicken, sondern sich einfach so wie immer beim entsprechenden Anbieter einloggen. Gibt es wirklich Handlungsbedarf, wird auf der echten Homepage darauf hingewiesen. Wer diese einfache Vorgehensweise beherzigt, muss auch immer besser werdende KI-generierte Phishingmails nicht fürchten.

Anders sieht es bei der Abhängigkeit von US-Software aus. Hier sind die europäischen Datenschutzvorschriften oft nur vordergründig erfüllt. Die USA verlangen von Firmen, die ihren Sitz in den USA haben, dass sie auf Wunsch der Ermittlungsbehörden (und wahrscheinlich auch der Geheimdienste) Daten offenlegen, egal wo auf der Welt sie gespeichert sind. Wenn also große Unternehmen damit werben, dass sie Server in Deutschland oder Europa haben, ist das unter diesem Gesichtspunkt nicht viel wert.

Computertastatur (RuhrkanalNEWS)

Noch dramatischer würde es, wenn US-Unternehmen ihre Dienste in Europa nicht mehr zur Verfügung stellen würden oder dürften. Was das bedeutet, lässt sich ganz plastisch an Nicolas Guillou darstellen. Der Franzose ist Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und war an der Verhängung eines Haftbefehls gegen den israelischen Premier Benjamin Netanjahu beteiligt. Daraufhin wurde er durch die US-Regierung (namentlich Donald Trump) mit Sanktionen belegt. Das bedeutete, dass er noch nicht mal mehr mit seiner Kreditkarte zahlen konnte, weil dieser Vorgang über US-Server abgewickelt wird.

Aus diesen Gründen sollten auch Privatanwender US-Software den Rücken kehren, soweit es möglich ist. Aber ist der Umstieg auf europäische Alternativen und Open-Source-Software im Alltag praktikabel? Beim Betriebssystem wird es für die meisten Menschen wahrscheinlich zu kompliziert. Die Alternative zu Windows und iOS ist Linux. Einerseits gibt es da verschiedene Distributionen, die einfach zu installieren sind, andererseits ist die anschließende Bedienung deutlich anders als bisher gewohnt. Das direkt auf einem „Produktiv“-Rechner zu machen, ist wahrscheinlich vielen zu riskant. Anders sieht es aus, wenn sich im Haushalt ein nicht mehr genutzter Rechner oder Laptop befindet. Die sind als Testsysteme perfekt.

Opensource oft die Lösung

Es war einmal eine Zeit, in der das Internet ein Versprechen von grenzenloser Freiheit war. Heute, im Jahr 2026, fühlt sich diese Freiheit für viele Nutzer eher nach einem goldenen Käfig an. Wer Microsoft nutzt, landet fast zwangsläufig in der OneDrive-Cloud; wer mit Chrome surft, füttert die Werbealgorithmen von Google. Doch immer stärker wächst eine Bewegung, die das Wort „Souveränität“ nicht mehr der Politik überlässt. Es gibt europäische Lösungen für fast alle Anwendungen.

US-Datenhunger ausweichen

Wer seine Daten sicher vor neugierigen Blicken der US-Behörden schützen möchte, kann viele Dienste nicht mehr nutzen. Die Lösung sind Unternehmen wie netcup aus Karlsruhe oder dem Schweizer Anbieter Infomaniak. Netcup unterliegt als deutsche GmbH den Vorschriften der DSGVO. Aber hier gibt es ein kleines Restrisiko, da der österreichische Mutterkonzern auch Server in den USA betreibt und damit den US-Gesetzen unterliegt. Ob dadurch der Durchgriff auf die eigenständige Tochter netcup möglich ist, ist aber nicht gesagt. Auf Nummer Sicher geht Infomaniak: Kein US-Bezug, keine Investoren aus Übersee, nur Schweizer Server. Hier greift kein US-Recht – wer Daten will, muss den steinigen Weg der internationalen Rechtshilfe gehen und die strengen Datenschutzgesetze der Schweiz „überwinden“.

Schöner surfen mit Vivaldi

Vivaldi Browser (Screenshot: RuhrkanalNEWS)

Der einfachste Umstieg ist an der wichtigsten Schnittstelle möglich: beim Browser. Lange Zeit galt Firefox als die einzige ernsthafte Bastion gegen das Übermacht-Duo Chrome und Safari. Doch Firefox ist eine Hybrid-Organisation aus US-Stiftung und gewinnorientierter Corporation. Die große Stärke ist, dass es ein open source Browser ist, bei dem die Programmierung offen liegt. Alle können nachsehen, ob es Sicherheitslücken gibt. Das macht das Programm sehr sicher.

Wer es lokaler mag, greift heute zu Vivaldi. Das Unternehmen aus Oslo beweist, dass einfache Bedienbarkeit und Privatsphäre keine Gegensätze sind. Mit einer Synchronisation, die auf isländischen Servern Ende-zu-Ende-verschlüsselt wird, bietet Vivaldi genau das, was Umsteiger suchen: den Komfort gewohnter Browser, aber ohne den Datenhunger des Giganten Google.

Das Email-Programm aus dem Hause Mozilla, also der Organisation, die für den Firefox verantwortlich ist, ist eine gute Alternative zu Outlook. Hier lassen sich Termine ebenso verwalten wie verschiedene Mailadressen. Die Einrichtung des Programms Thunderbird ist sehr einfach und intuitiv.

Büro Software ohne Abo-Zwang

Die Stadt Hattingen setzt in der Verwaltung seit vielen Jahren erfolgreich auf LibreOffice. Das hat schon viele Tausend Euro Lizenzgebühren gespart. Auch für Privatanwender ist das jährliche Abo-Modell zunehmend ein teures Ärgernis. Die Alternative LibreOffice ist längst aus der Nische der „Nerd-Software“ herausgewachsen. In der aktuellen Version 26 ist der Umstieg so schmerzfrei wie nie zuvor. Dank Projekten wie Collabora funktioniert das Ganze mittlerweile sogar nahtlos auf Android-Smartphones. Dokumente können also auch auf dem Tablet bearbeitet werden.

Wer den Umstieg konsequent machen möchte, speichert nicht mehr in der (fremden) Cloud, sondern auf dem eigenen NAS (Network Attached Storage). Dann trennen sich Nutzer nicht nur von monatlichen Gebühren für die Office Suite, sondern auch vom Cloud-Zwang. Produkte von Ugreen oder Synology, machen das heimische Wohnzimmer zum privaten Rechenzentrum. Dokumente werden nicht mehr in die USA geschickt, sondern landen via verschlüsselter Synchronisation direkt auf der eigenen Festplatte im Wohnzimmer, Büro oder Keller. Kosten entstehen dennoch: Die Hardware muss gekauft und der Strom für den Betrieb eines NAS muss ebenfalls bezahlt werden.

Einfacher wird es, wenn ein eigener FTP-Server in der Schweiz gemietet wird. Der Anbieter mydrive unterliegt den schon erwähnten strengen Datenschutzbestimmungen. Allerdings wird hier, wenn ein größerer Online-Speicher benötigt wird, auch wieder eine regelmäßige Gebühr fällig.

Datentransfer und KI geht ohne US-Dienste

Wero soll PayPal Konkurrenz machen (Screenshot: RuhrkanalNEWS)

Wenn größere Dateien verschickt werden sollen, greifen viele auf Dienste wie we-transfer zu. Dann werden die Daten auf dem Server des US-Unternehmens kurz geparkt und vom Empänger heruntergeladen. Es gibt eine europäische Alternative: swisstransfer bietet bei gleichem Komfort sogar die Möglichkeit, noch größere Datenmengen kostenlos zu verschicken. Der Service wird ebenfalls vom schweizer Unternehmen Infomaniak angeboten.

Die Schweizer haben eine eigene KI entwickelt, die mit außereuropäischen Diensten wie ChatGPT und Gemini mithalten können und für Privatanwender in der kostenlosen Version mehr als ausreichend sind. Das gleiche gilt für die französische Entwicklung von mistral.ai.

Europäische Banke rollen aktuell verstärkt eine Alternative zum US-Dienstleister Paypal aus. Mit Wero soll über kurz oder lang genauso bequem und sicher Geld überweisen werden können. Das beteiligte Bankenkonsortium hat inzwischen so viel Geld investiert, dass dieser Service quasi zum Erfolg verdammt ist.

Ein Weg mit Hürden, der sich lohnt

Ist der Umstieg perfekt? Nein. Wer den Pfad der digitalen Souveränität wählt, muss bereit sein, sich kurzzeitig mit Protokollen wie SMB oder WebDAV auseinanderzusetzen, statt einfach nur auf „Akzeptieren“ zu klicken. Manchmal reicht es auch, sich an ein anderes Layout zu gewöhnen. Aber ein Vorurteil muss ausgeräumt werden: Europäische Software und Open Source sind kein technischer Rückschritt, sondern oft sogar Fortschritt. Und das auch noch bei meistens deutlich geringeren laufenden Kosten. Es lohnt sich also, mit kleinen Schritten anzufangen. Man muss ja nicht über Nacht alles umstellen.

WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG

Kommentar hinterlassen zu "Kostenlose Computer-Programme die vor Datenklau schützen"

Vielen Dank für die Registrierung bei ruhrkanalNEWS . Der erste Kommentar auf unserer Seite muss freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis. Das ruhrkanalNEWS-Team