Hattingen – Mit dem ersten Straßentheaterfestival hat Hattingen an diesem Wochenende (13. Juni 2026) seine Plätze in lebendige Bühnen verwandelt. Was im vergangenen Jahr noch als lose Idee begann, ist nun Wirklichkeit geworden: ein offenes Kulturformat, das die Stadt selbst zum Spielort macht – mitten im Alltag und nah an den Menschen.
Die Inspiration entstand aus früheren Projekten, bei denen sich bereits zeigte, wie gut sich die verwinkelten Orte der Altstadt für künstlerische Formate eignen. Gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren wurde daraus die Vision entwickelt, Theater dorthin zu bringen, wo Menschen ohnehin unterwegs sind. Heute bespielt das Festival unter anderem den Untermarkt, das Krämersdorf und zahlreiche kleinere Plätze. Unterstützt von lokalen Händlerinnen und Händlern ist ein dezentrales Kulturereignis entstanden, das die Stadt auf besondere Weise verbindet.
Hattingen wird zur Bühne
Besonders eindrucksvoll zeigte sich dies auf der Heggerstraße, dort, wo der Weg zum Kleinen Café führt. Hier saß – oder stand – ein Geschichtenerzähler aus Köln mit seinem Theater-Fahrrad. Seine Bühne war ein umfunktionierter Fahrradanhänger, der sich in einen rundum bespielten Bauchladen verwandelte. Dabei verschwammen die Grenzen zwischen Bühne und Darsteller. War er Teil der Bühne oder selbst die Bühne? Auf der Miniaturkulisse agierten kleine Figuren, die etwa dem Kaiser neue Kleider verkaufen wollten. Rund um diese ungewöhnliche Spielfläche versammelte sich ein dichtes Publikum. Alle Stühle waren besetzt, selbst Stehplätze wurden gerne angenommen. Vorbeigehende, eigentlich mit Einkäufen beschäftigt, ließen sich immer wieder zum Verweilen verführen – ein starkes Zeichen für die Sogwirkung dieser intimen Darbietung.
Straßentheaterfestival in Hattingen (Fotos: Holger Grosz)
Auch auf dem Untermarkt wurde dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm geboten. Neben geplanten Beiträgen sorgte kurzfristig eine Akrobatik- und Tanz-Varieté-Show für Begeisterung. Sie war nicht im offiziellen Programm angekündigt und sprang spontan als Ersatz ein – ein Umstand, der die Flexibilität und Qualität des Festivals unterstreicht.
Das Konzept geht auf
Für große Unterhaltung sorgte zudem Jay Toor aus Perleberg mit der One-Woman-Show „HoliDAy on Delay“. In der Rolle der Giselle begibt sie sich auf die Suche nach dem Meer – und hofft, es in Hattingen zu finden. Doch kaum ist der Liegestuhl aufgebaut, nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Die humorvolle Straßen-Theater-Performance lebte vor allem von der aktiven Einbindung des Publikums, das begeistert mitwirkte und die Vorstellung zu einem gemeinsamen Erlebnis machte.
Ebenfalls stark vom Zusammenspiel mit dem Publikum geprägt war der Auftritt von Duo Diagonal aus Bochum mit „Branka & Rogér im Glück“. Das ungleiche Paar bewegte sich gekonnt zwischen Können und Komik. Branka als charismatische Alleskönnerin traf auf Rogér, einen Entertainer mit einer Mischung aus schrägem Charme und augenzwinkernder Selbstironie. Die direkte Interaktion mit den Zuschauerinnen und Zuschauern verlieh der Show eine besondere Dynamik und sorgte für zahlreiche spontane Momente.
Kultur niedrigschwellig zugänglich machen
Schon die ersten Aufführungen zeigen: Das Konzept des Festivals geht auf. Viele Darbietungen sind gut besucht, teilweise drängen sich die Menschen dicht um die Spielflächen. Gleichzeitig entstehen immer wieder ruhige, fast magische Augenblicke, in denen das Publikum gebannt dem Geschehen folgt. Diese Mischung aus Lebendigkeit und Konzentration macht den besonderen Reiz des Formats aus.
Im Kern steht dabei die Idee, Kultur niedrigschwellig zugänglich zu machen. Nicht nur für erfahrene Theaterbesucherinnen und -besucher, sondern auch für zufällige Passantinnen und Passanten, die stehen bleiben und sich überraschen lassen. Genau diese Offenheit prägt die Atmosphäre des Festivals.
Positives Fazit
Die bisherigen Reaktionen fallen durchweg positiv aus. Begünstigt durch gutes Wetter und passende Spielorte ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild. Das Straßentheaterfestival hat damit das Potenzial, sich dauerhaft in Hattingen zu etablieren und künftig noch mehr Menschen in die Straßen und auf die Plätze der Stadt zu ziehen.








































Schönes Festival und nah bei den Besuchern, weiter so, macht Spaß
Vielleicht ganz nett, wenn auch so gar nicht meins.
Aber es bestätigt leider den Bericht der jungen Dame vor einigen Tagen auf dieser Seite – die Jugend ist außen vor, man beschäftigt nur die „älteren“ Semester.
Warum immer nur die Altstadt? Warum nicht mal die obere Heggerstraße mit einbeziehen?
Vera,
14.Juni 2026
Das Festival hat viel Spaß gemacht und das Wetter war passend.
Schade, dass seit Jahren die obere Heggerstraße komplett vergessen wird und bei den Terminem/ Ereignissen von Hattingen verstoßen ist. Das MÜHLENVIERTEL gehört doch auch mit zu Hattingen dazu. Und auch die LEEREN GESCHÄFTE ???