Dürre-Sommer, teurer Dünger, lange „Antennen“: Wie der Nüfer Hof um seine Weihnachtsbäume kämpft

Lennart Nüfer bei der Arbeit in seiner Schonung (Foto: RuhrkanalNEWS)
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Hattingen- Trotz Trockenheit und steigender Kosten hält der Nüfer Hof an seinen Nordmanntannen fest – Lennart Nüfer erklärt im RuhrkanalNEWS Interview, warum die Jungpflanzen das eigentliche Problem sind und weshalb der Plastikbaum trotzdem keine Chance hat.

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Braune Nadelspitzen, ausgetrocknete Böden, meterlange Triebe: Die vergangenen trockenen Jahre haben auch den Weihnachtsbaumkulturen in NRW zugesetzt. Auf dem Nüfer Hof wachsen zwischen 120.000 und 140.000 Bäume – von den ganz großen Exemplaren über zwei Metern bis zu den jungen Pflanzen, die erst in Jahren geschlagen werden. Hofbesitzer Lennart Nüfer zieht im Gespräch Bilanz: Für diese Saison rechnet er mit rund 3.000 bis 4.000 verkaufsfertigen großen Bäumen sowie weiteren 2.000 bis 3.000 kleineren Exemplaren. Erst jetzt, in den kommenden Wochen, zeigt sich endgültig, bei welchen Sorten der Bestand reicht – und wo zugekauft oder an Kollegen aus dem eigenen Händlerkreis abgegeben werden muss. „Das ist ja immer so ein Hin und Her“, so Nüfer.

Kein Problem bei den Großen – aber die Jungpflanzen wachsen nicht an

Einen großen Ernteausfall bei den fertigen, großen Bäumen gibt es auf dem Hof nicht. „Wir haben nicht das Problem in den großen Nordmanntannen. Die Nordmanntanne ist der beste Baum, den es gibt“, sagt Nüfer. „Der ist so weit klimaresistent, glaubt man gar nicht.“ Das eigentliche Problem liegt woanders: Durch die trockenen Frühjahre lassen sich junge Setzlinge kaum noch anziehen. In diesem Sommer hat Nüfer deshalb noch gar nicht neu gepflanzt.

Nach Größe geordnet werden die Nordmanntannen farbig gekennzeichnet (Foto: RuhrkanalNEWS)

Die Folgen zeigen sich mit Verzögerung – aber sie kommen sicher: „Das kommt dann in zehn Jahren, fehlen die Bäume natürlich, die ich jetzt nicht pflanzen konnte oder die kaputtgegangen sind.“ Für die Region sei diese Entwicklung neu: „Das ist auch eigentlich für die Region nie so da gewesen.“ Mittlerweile kämpften alle Weihnachtsbaum-Anbaugebiete in Deutschland mit der Trockenheit – in manchen Regionen werde sogar diskutiert, den Anbau ganz aufzugeben. „Das ist wirklich schrecklich geworden. Das ist Klimaveränderung, ganz klar“, so Nüfer. Auch klassische Zukaufregionen wie das Sauerland, Dänemark oder die Nordseeküste seien „ganz, ganz schlimm“ betroffen.

Teurer wird es – aber nicht, weil das Produkt „ausgereizt“ ist

Auf die Frage, ob Weihnachtsbäume dadurch spürbar teurer werden, differenziert Nüfer: „Teuer wird es durch den Dünger, durch die Spritkosten, die wir haben und so weiter. Dadurch werden die Bäume teuer.“ Ein grundsätzliches Ausreizen des Produkts sieht er nicht – wohl aber ein echtes Problem, wenn sich der Nachwuchs an Bäumen gar nicht mehr etablieren lässt.

Dem Plastikbaum trotzdem keine Zukunftschance einzuräumen, begründet er mit Emotionen und Tradition: „Wir verkaufen ja aus der Kultur. Die Leute kommen hier teilweise in vierter Generation und holen sich ihre Bäume ab.“ Einen Plastikbaum-Trend habe es schon in den 1980er-Jahren gegeben – nach wenigen Jahren sei er wieder abgeklungen: „Der kann noch so schön sein, weil er immer gleich aussieht. Der riecht nicht.“

Zum Weihnachtsgeschäft: Angebot enger als in den Vorjahren

Für das anstehende Weihnachtsgeschäft rechnet Nüfer mit spürbaren Unterschieden zum Vorjahr – nicht nur beim Preis, sondern auch beim Angebot. Der Hof will das über sein seit Jahrzehnten gewachsenes Händlernetzwerk auffangen, unter anderem mit langjährigen Partnern aus Breckerfeld und dem Sauerland, mit denen seit den 1990er-Jahren wechselseitig Bäume gehandelt werden. Dank der eigenen großen Anbauflächen sieht er den eigenen Betrieb dabei nicht in der Klemme.

Sonnenbrand an den Nadeln: Bei kleinen Bäumen kein Drama, bei großen ein echtes Problem

Braune Nadeln, wie sie derzeit auf vielen Bäumen zu sehen sind, ordnet Nüfer klar ein: Sonnenbrand. Entscheidend sei die Größe des betroffenen Baumes. „Wenn die Kleinen das kriegen, wächst das wieder raus.“ Bei einem Baum, der bei einer Höhe von 1,80 Metern Sonnenbrand bekommt, dauert es aber, bis der Schaden herausgewachsen ist – dann ist er bereits drei Meter groß. „Und dann kann man sich vorstellen, da verkauft man nicht mehr viele von, weil so viele große Häuser, Wohnungen, Raumhöhen haben wir ja auch nicht.“ Im jungen Stadium lässt sich der Schaden mit deutlichem Mehraufwand noch heraus schneiden, bei vier- bis fünfjährigen Bäumen um die 80 Zentimeter geht das ebenfalls noch – bei großen Bäumen wird es dagegen gefährlich.

Die braunen Nadeln sind der Sonnenbrand (Foto: RuhrkanalNEWS)

„Unser Betrieb hat echt Glück“ – trotz furztrockenem Boden

Insgesamt zieht Nüfer für den eigenen Hof ein überraschend positives Fazit: „Wir hatten angenommen, dass es viel schlimmer wird. Unser Betrieb hier hat man echt Glück – obwohl der Boden furztrocken ist.“ Zu erkennen sei das an der Pfahlwurzel der Nordmanntanne: Sucht der Baum unten im Boden nach Wasser, treibt er zugleich oben ungewöhnlich lange Spitzen – eine Art Antenne, wie Nüfer es beschreibt. Dem wirkt der Betrieb mit gezieltem Rückschnitt entgegen: Zweimal im Jahr werden die Triebe um etwa ein Drittel eingekürzt, wodurch sich rund 80 Prozent der überschießenden Spitzen wieder regulieren lassen.

Ganzjährige Arbeit steckt in jedem Baum

Nüfer macht deutlich, wie viel Aufwand mittlerweile hinter einem verkaufsfertigen Weihnachtsbaum steckt – ein Aufwand, der früher nicht nötig war, weil die Ansprüche geringer waren. „Ganz am Anfang, als wir Nordmann angepflanzt haben, haben mein Vater, meine Schwester, meine Mutter und ich die noch mit Hacke und Schippe in die Erde geklopft. Gedüngt wurde gar nicht, zweimal im Jahr wurde mit dem Freischneider gemäht – fertig.“ Die damaligen Bäume, unten breit und nach oben kahl, wären heute unverkäuflich. Heute braucht es Düngung, kostenpflichtige Nadelanalysen und immer wieder angepasste Düngemittel – die inzwischen selbst „wahnsinnig teuer“ geworden sind.

Im Vergleich zieht Nüfer eine deutliche Linie zur eigenen Getreideproduktion: 100 Kilo Weizen brachten in diesem Jahr gerade einmal 18 Euro – „das ist eine Katastrophe, so macht Weizenanbau auch keinen Sinn mehr.“ Beim Weihnachtsbaum lasse sich der gestiegene Aufwand wegen des deutlich höheren Wiederverkaufswerts pro Hektar noch auffangen.

Die Nordmann-Schonung am Nüfer Hof (Foto: RuhrkanalNEWS)

Trotz allem: Weiter geht’s

Trotz Dürre, hoher Kosten und wachsendem Arbeitsaufwand steht für Lennart Nüfer fest, dass der Betrieb an den Weihnachtsbäumen festhält. „Solange wir daran Spaß haben und ich lebe, machen wir das.“

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