Hattingen – Wer in dieser Woche durch die Hattinger Supermärkte schlendert, kann sich fühlen wie im Advent – obwohl draußen noch Sommertemperaturen herrschen und der Kirchplatz eher nach Eiscafé als nach Glühwein duftet. Zwischen Grillkohle und Sonnencreme stehen bereits die ersten Packungen Lebkuchen, Dominosteine und Spekulatius. Bundesweit ist das Branchenroutine: Filialen von Norma und Edeka gelten traditionell als Frühstarter, andere Ketten wie Kaufland ziehen erst Ende August oder Anfang September nach.
Die Mehrheit findet’s zu früh
Freiwillig folgt der Handel dabei keiner Kundennachfrage. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage lehnen 73 Prozent der Deutschen den Verkaufsstart im August klar ab, nur jeder Fünfte begrüßt ihn (YouGov). Tatsächlich greifen laut Umfragen nur rund drei bis vier Prozent der Menschen wirklich schon im August zu Lebkuchen & Co.. Der Unmut zeigt sich zuletzt vor allem an den Preisen: Auf TikTok kursieren Videos empörter Kundinnen und Kunden, die Lebkuchen für 9,99 Euro oder Dominosteine für knapp 4 Euro pro 250-Gramm-Packung zeigen.
Warum die Back-Öfen längst laufen
Der Grund liegt in der Backstube, nicht im Regal. Große Hersteller wie die Aachener Lambertz-Gruppe fahren ihre Produktion schon ab Juni hoch, bei Lebkuchen-Schmidt aus Nürnberg laufen die Backstraßen im August bereits an sechs Tagen die Woche rund um die Uhr. Kaufland-Einkaufsleiter Markus Geiger betont, der Termin habe sich über die Jahre kaum verschoben: „Die ersten Lebkuchen wird man bei Kaufland nicht vor Ende August oder Anfang September finden“ (ruhr24.de). Und wer befürchtet, im August gebackene Ware schmecke im Dezember schal, kann beruhigt sein: In geschlossener Verpackung bleibt sie laut Herstellern wie Bahlsen unabhängig vom Kaufzeitpunkt gleich frisch (br.de).
Auch musikalisch längst ein Running Gag in Hattingen
Dass das Thema die Menschen bewegt, zeigt sich in Hattingen nicht nur an der Supermarktkasse, sondern auch in einem Video. Der Hattinger Pianist und Komponist Lutz Deterra, der der Stadt mit seinem Projekt „Bells of Hattingen“ bereits eine eigene musikalische Stimme aus den Glocken des Johannisturms verliehen hat, griff das Thema schon vor Jahren humorvoll auf: Zusammen mit der Sängerin Lea Bergen kreierte er eine ganz persönliche Version von Wham!’s Weihnachtsklassiker „Last Christmas“ – mit Fokus auf den viel zu frühen Start der Lebkuchen-Saison. Im dazugehörigen Video wirkten mehrere stadtbekannte Hattinger Gesichter mit, was dem Clip in der Lokalszene besonderen Wiedererkennungswert verschaffte.
Für Hattingen bedeutet das: Wer jetzt schon zugreift, verpasst später garantiert keine Frische – muss sich höchstens auf ein paar erstaunte Blicke an der Kasse einstellen. Und wer beim nächsten Griff ins Lebkuchenregal unweigerlich eine bekannte Melodie im Kopf hat, weiß jetzt, wem er das zu verdanken hat.


























Endlich. Ich finde es schlimm, dass die Supermärkte uns vorschreiben dürfen, wann wir Lebkuchen, Dominosteine und andere leckere Süßigkeiten kaufen können.
Das Video ist einfach ein Hattinger Klassiker!