BADEN IN DER RUHR – RISKANT UND GEFÄHRLICH

Die Ruhr bei Niederwenigern (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen – Egal ob Kanäle, Flüsse oder Seen: Baden in der Natur ist für viele ein ganz besonderer Reiz. In den meisten Gewässern ist das verboten und das hat auch gute Gründe. Der Pressesprecher des Ruhrverbands Markus Rüdel rät dringend vom Baden in Ruhr ab, nicht nur aus hygienischer Sicht.

Für E.Coli-Darmbakterien und Enterokokken gibt es Grenzwerte, die eingehalten werden müssen. In überwiegenden Teilen der Ruhr entsprechen die Werte sogar der Norm. Trotzdem können die Grenzwerte schnell überschritten werden, zum Beispiel durch Starkregen und Abschwemmungen von Äckern. Dafür gibt es bestimmte Frühwarnsysteme, die messen, wie hoch die Keimanzahl im Wasser ist.

Baden in der Ruhr an einigen Orten denkbar

Am Essener Baldeneysee wurde 2017 eine öffentliche Badestelle mit einem solchen Frühwarnsystem errichtet. Auch in Dortmund-Syburg am Hengsteysee wäre eine Badestelle möglich, sagt Markus Rüdel. Dafür müssen aber die Stadt und die Gemeinden Initiative ergreifen und Vorkehrungen treffen. In Hattingen gibt es so ein Warnsystem nicht.

Das Frühwarnsystem muss eingerichtet werden, um die Hygiene-Grenzwerte zu datieren. Mindestens zwei Badesaisons lang muss gemessen werden, ob die hygienischen Voraussetzungen gegeben sind. Danach muss ein Badegewässerprofil erstellt werden: Gibt es im geplanten Bade-Bereich hohe Strömungsgeschwindigkeiten? Ist das Wasser sauber?

Gefahren beim Wildbaden in der Ruhr

Zwar haben Messungen der letzten Jahre ergeben, dass sich die Wasserqualität der Ruhr insgesamt verbessert hat, trotzdem ist das Baden in der Ruhr (außer am Essener „Seaside Beach“) nicht erlaubt. Das liegt an zahlreichen Gefahren, die das Schwimmen in der Ruhr mit sich bringt. Gefahren die beim Wildbaden auftreten können:

  • Brückenpfeile und Einbauten können zu gefährlichen Strömungen beitragen, die das Schwimmen erschweren oder unmöglich machen
  • An Buhnen treten vereinzelt starke Unterströmungen auf, die auch erfahrene Schwimmer auf den Grund des Flusses ziehen können
  • die Wasserqualität variiert an verschiedenen Orten
  • durch Kontakt mit Wasserpflanzen können Allergien oder Badedermatitis auftreten
  • bei Personen unter 18 Jahren können schneller Rota- und Noroviren auftreten

Natur kann gestört werden

Markus Rüdel kritisiert, dass durch das „Wildbaden“ die Natur gestört werden kann. „Es kann dazu kommen, dass Leute an Stellen der Ruhr baden gehen, wo wir einen schützenswerten Uferbewuchs haben. Außerdem wird durch das Wildbaden der ‚Naturraum Gewässer‘ gestört“. Um die Natur zu schützen sollte deswegen nur an öffentlichen Badestellen der Ruhr geschwommen werden.

„Dass das Baden an der Ruhr an einigen Stellen überhaupt wieder denkbar ist, liegt daran, dass sich die Gewässerqualität in der Ruhr verbessert hat. Das ist auf die verbesserte Reinigungsleistung der Kläranlagen zurückzuführen“, sagt Rüdel und betont: „Für die Initiative sind allerdings Städte und Gemeinden zuständig“.

Baden in der Ruhr ist nicht generell verboten

An vielen Stellen in der Ruhr ist das Baden auch riskant, allerdings keinesfalls generell verboten, erklärte Ulrich Detering als zuständiger Dezernent für Wasserwirtschaft bei der Bezirksregierung Arnsberg in Lippstadt. Denn im „Wasserhaushaltsgesetz“ heißt es unter anderem: „Jede Person darf natürliche oberirdische Gewässer zum Baden, Viehtränken, Schwemmen, Schöpfen mit Handgefäßen, Eissport und Befahren mit kleinen Fahrzeugen ohne eigene Triebkraft benutzen …“

Ein besonderes Erlebnis

Ulrich Detering: „Zum speziellen Baden in der Ruhr ist noch anzumerken, dass dies, wie an allen natürlichen Gewässern, mit Risiken verbunden ist. Die Ruhr weißt teilweise sehr hohe Fließgeschwindigkeiten, Strudel und Verwirbelungen auf.“

Bei Sprüngen von Brücken und Wehren seien der Grund und Gegenstände unterhalb der Wasseroberfläche zudem häufig nicht richtig zu erkennen und der wechselnde Wasserstand zu berücksichtigen. Alleine schon deshalb sei von Sprüngen aus größerer Höhe in die Ruhr dringend abzuraten.

Wer trotz aller Risiken in der Ruhr baden möchte, sollte sich aber vorher auf jeden Fall nach den für den jeweiligen Abschnitt gültigen Einschränkungen erkundigen, riet Detering. Zudem solle er gut schwimmen können und äußerste Vorsicht walten lassen. Gerade jugendlicher Leichtsinn könne zu gefährlichen Situationen und Unfällen führen.

Außerdem sollten Begleiter vom Ufer aus notfalls Hilfe rufen können, wenn es im Fluss zu einem Badeunfall käme.

Fazit:

Die Ruhr ist und bleibt im Moment kein offizielles Badegewässer. Wer dennoch das kühle Nass dort sucht, badet auf eigene Gefahr und riskiert somit sein eigenes und das Leben seiner Retter.

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