Als der Tag der Arbeit noch die Menschen auf die Straße brachte

Maibaum im Steinhagen (Foto: RuhrkanalNEWS)

Hattingen – Heute vor sieben Jahren war der 1. Mai in Hattingen noch ein Tag, an dem die Menschen sichtbar zusammenkamen. Der „Tag der Arbeit“, internationaler Feiertag der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, füllte das Krämersdorf mit Leben, Stimmen und dem gemeinsamen Willen, für Solidarität und gerechte Arbeitsbedingungen einzustehen.

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Wo heute vielfach Ruhe herrscht, drängten sich damals die Besucherinnen und Besucher dicht an dicht. Gewerkschaften, Politik, Initiativen und viele Bürgerinnen und Bürger setzten ein deutliches Zeichen. Landrat Olaf Schade fand klare Worte mit Blick auf die anstehenden Europawahlen: „Wir brauchen ein solidarisches Europa – kein Europa der Vaterländer, keinen Rückfall in den Nationalismus. Dafür müssen wir streiten, dafür müssen wir einstehen, dafür müssen wir zur Wahl gehen.“

  1. Mai 2019 auf dem Krämersdorf (Filmbeitrag: RuhrkanalNEWS)

Es war eine der bestbesuchten Maikundgebungen seit Jahren. Besonders bemerkenswert war die starke Präsenz junger Menschen. Das Jugendparlament war ebenso vertreten wie eine Schülerband – ein Zeichen dafür, dass die Themen Arbeit, Mitbestimmung und soziale Gerechtigkeit auch die nächste Generation bewegten. Mit Rainer Einenkel sprach ein Mann, der den Kampf um Arbeitnehmerrechte aus eigener Erfahrung kennt. Seine Worte wirkten authentisch, eindringlich und machten deutlich, wie mühsam es ist, soziale Errungenschaften gegen globale wirtschaftliche Interessen zu verteidigen.

Und doch zeigte sich schon damals ein leiser Bruch: Die Spitze der Hattinger Stadtverwaltung blieb der Kundgebung weitgehend fern. Nur Kämmerer Frank Mielke war vor Ort, während Bürgermeister Dirk Glaser krankheitsbedingt fehlte.

Heute wirkt dieser 1. Mai wie ein Echo aus einer anderen Zeit. Die Plätze bleiben leerer, die Stimmen leiser, die öffentliche Präsenz schwindet. Was einst selbstverständlich war – gemeinsam auf die Straße zu gehen, Haltung zu zeigen und für Rechte einzutreten – droht in Vergessenheit zu geraten.

Gerade deshalb ist der 1. Mai mehr als nur ein freier Tag. Er ist eine Erinnerung daran, dass soziale Rechte nie selbstverständlich waren – und es auch heute nicht sind. Wenn niemand mehr auf die Straße geht, wenn niemand mehr laut wird, dann verlieren diese Errungenschaften ihre Stimme. Der 1. Mai braucht die Menschen. Und die Menschen brauchen den Mut, ihn wieder mit Leben zu füllen.

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